„Manege frei“

Comeback nach Absturz: Noch bis 6. Januar ist der Weihnachtszirkus zurück in Dessau

Noch bis zum 6. Januar heißt es „Manege frei“ auf der Dessauer Kraftwerkswiese. Warum das für Cirkusfamilie Altoff Köllner etwas Besonderes ist.

Von Heidi Thiemann Aktualisiert: 03.01.2022, 10:43
Menschen, Tiere, Sensationen - im Weihnachtszirkus Altoff Köllner ist das noch bis zum 6. Januar in Dessau Programm.
Menschen, Tiere, Sensationen - im Weihnachtszirkus Altoff Köllner ist das noch bis zum 6. Januar in Dessau Programm. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau/MZ - Die Morgendämmerung hat sich verzogen. Im Weihnachtscircus Altoff Köllner ist das Leben erwacht. „Zuerst werden die Tiere gefüttert, dann haben auch wir Zeit zum Frühstücken“, sagt Liana Weisheit Köllner.

Jeder Tag folgt dem gleichen Ritual, und die Circus-Chefin ist froh, das es so ist. Lange musste der Circus pausieren, doch unterkriegen, „nein“, erzählt Weisheit Köllner, „das lassen wir uns nicht. Denn einmal Circus, immer Circus“, lacht die Chefin. Da ändere auch die Pandemie nichts.

Froh ist sie, das nach einem Jahr Zwangspause der Circus zum Jahresabschluss wieder in Dessau ist. Zum fünften Mal lädt er noch Groß und Klein bis zum 6. Januar ein, Circusluft zu schnuppern. Täglich heißt es um 16 Uhr: „Manege frei!“. Nur am Neujahrstag gab es eine Pause. Doch sonst wurde seit Heiligabend täglich das Chapiteau geöffnet, duftet es im Vorzelt nach Popcorn und Mandeln, empfängt die Besucher eine weihnachtliche Atmosphäre. Bevor dann im gut beheizten Zelt lustige wie atemberaubende Nummern zu erleben sind: Das US Todesrad, Riesenesel, Angola Ziegen, eine große Hundeshow, Handstand-Equilibristik, atemberaubende Artistik in schwindelerregender Höhe, Live-Gesang und natürlich auch Clownerie.

Atemberaubende Artistik ist im Weihnachtszirkus zu erleben.
Atemberaubende Artistik ist im Weihnachtszirkus zu erleben.
(Foto: Circus)

„Uns gibt es schon in der achten Generation“

„Der Weihnachtscircus ist etwas Besonderes“, erzählt die Frau, die schon als Baby Circusluft geschnuppert hat - wie ihre sieben Geschwister, wie auch ihren Eltern und Großeltern zuvor. „Uns gibt es schon in der achten Generation“, erzählt sie stolz, dass mittlerweile auch ihre Enkel dazugehören zum fahrenden Tross.

„Allen steht es frei, einen anderen Beruf zu erlernen“, sagt sie. Erlebt aber hat sie es noch nicht. „Die Kinder sind ja schon im Mutterleib Artisten, sie machen die Übungen schon mit“, erzählt sie lachend. „Da ist von Anfang an Herzblut dabei.“ Wie bei ihren Kindern auch. Lucia (13), Leroy (20) und Viviana (26) sind Artisten, Nico (24) Artist und Clown sowie Giuliano (36) Tierdresseur.

Das Herz aber blutete während der harten Lockdowneinschnitte, als das Zelt nicht aufgebaut, Kunststücke nicht vor Publikum präsentiert werden konnten. Keine leuchtenden Augen, kein Applaus, dafür Traurigkeit und Leere. „Wir haben aber unsere Tiere nicht verkauft“, betont die Chefin, „die gehören ja zur Familie.“

Die Besucher seien ebenfalls froh gewesen, dass wieder ein Circus in der Stadt war

Ob Hunde, Esel, Kamele oder Zebus - die müssen versorgt und gepflegt werden. „Lieber verzichten wir auf ein Stück Fleisch“, erzählt Liana Weisheit Köllner. Den Tieren sollte es aber an nichts fehlen.

Sie selber hatte während der Zeit in einem großen Supermarkt gearbeitet, um Geld zu verdienen. Und in Micheln bei Köthen, wo Circus Altoff Köllner normalerweise nur sein Winterquartier aufschlägt, wurde kurzerhand ein Tiererlebnispark aufgemacht. „Die Leute haben uns dort besucht, haben Futter gebracht, auch Heu“, ist Liana Weisheit Köllner noch heute sehr dankbar für die große Hilfsbereitschaft.

Der hell erleuchtete Weihnachtszirkus auf der Kraftwerkswiese.
Der hell erleuchtete Weihnachtszirkus auf der Kraftwerkswiese.
(Foto: Thomas Ruttke)

„Doch als wir ab August wieder unterwegs sein konnten, war das unbeschreiblich schön“, atmet sie auf. Die Besucher seien ebenfalls froh gewesen, dass wieder ein Circus in der Stadt war. Von Schönebeck bis Göttingen hat Circus Altoff Köllner seine große Manege aufgeschlagen, war wieder Normalität zu spüren. „Und endlich konnten wir auch unsere Rechnungen an den Tierarzt oder für die Versicherung bezahlen“, ist die Chefin froh.

Mit dabei ist Nico Köllner - im vorletzten Jahr war er bei seinem Auftritt aus großer Höhe abgestürzt

Ebenso ist sie froh, „dass wir Fans und Freunde haben, die uns nachreisen“, denen Circus ebenso wichtig ist, wie der großen Circusfamilie selber. „Auch hier in Dessau haben wir Fans, die uns jedes Jahr besuchen“, freut sie sich über dieses Wiedersehen.

30 Artisten und 50 Tiere sind jetzt bei den Vorstellungen zu erleben. Nicht nur Mitglieder der großen Altoff-Köllner-Circusfamilie sind dabei, auch viele Gäste. Zweieinhalb Stunden Programm - mit Pause - wird geboten.

Vor zwei Jahren brach er sich ein Bein, doch nun ist Nico Köllner wieder dabei.
Vor zwei Jahren brach er sich ein Bein, doch nun ist Nico Köllner wieder dabei.
(Foto: Thomas Ruttke)

Mit dabei ist Nico Köllner. Im vorletzten Jahr war er bei seinem Auftritt aus großer Höhe abgestürzt, hatte sich das Bein gebrochen. Nun gibt er sein Comeback und ist unter anderem auf dem Todesrad zu erleben. Für diese Nummer hatte er in Monte Carlo den „Silbernen Clown“ erhalten. „In der Manege zu stehen vor dem Dessauer Publikum, das macht großen Spaß“, erzählt er und lädt ein, das nicht zu verpassen.

Weihnachtscircus auf der Wiese am Kraftwerk, Vorstellungen bis 6. Januar täglich um 16 Uhr. Dienstags und mittwochs sind große Familientage: Erwachsene zahlen Kinderpreise. Karten gibt es im Internet auf Eventim und eine Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Circuskasse. Tickethotline: 0163/7779798. Im Circus gilt 2G plus. Ein Testmobil ist vor Ort.