Wer zahlt für Beseitigung?

Brand im April setzte eine Asbest-Wolke über Dessau frei

Bei einem Brand im April ist krebserregendes Material freigesetzt worden. Die Beseitigung kostet viel und die Tatverdächtigen sind allesamt noch nicht strafmündig.

Von Oliver Müller-Lorey und Daniel Salpius
Nach dem Barackenbrand in der Otto-Mader-Straße ist das Gelände asbestverseucht und abgesperrt. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau-Roßlau - Der Brand einer leerstehenden Gewerbehalle in der Dessauer Otto-Mader-Straße im vergangenen Monat hat für die Stadt sowie Anwohner deutlich weitreichendere Folgen als zunächst vermutet. Wie jetzt bekannt wurde, hat das Feuer größere Mengen des krebserregenden Stoffs Asbest freigesetzt.

Wahrscheinlich bleibt Dessau-Roßlau auf einer hohen Geldsumme sitzen, die nun für Sicherungsmaßnahmen an dem Gelände nötig sind. Hinzu kommen Gesundheitsgefahren für Personen, die sich in der Nähe der Brandruine aufhalten. Kleingärtner sowie Kunden eines nahen Baustoffhandels laufen Gefahr, die krebserregenden Fasern einzuatmen, wenn sie nicht schnell beseitigt werden.

Die Stadt muss die Kosten für die Sicherung und Beseitigung erst einmal vorstrecken

Am Abend des 15. April hatte das völlig vermüllte Gebäude im Gewerbegebiet gebrannt. Einer Beschlussvorlage zufolge, die im heutigen Finanzausschuss besprochen wird, ist dem Grundstück kein Besitzer zuzuordnen, was jetzt zum Problem wird.

Die Stadt muss die Kosten für die Sicherung und Beseitigung erst einmal vorstrecken und bekommt das Geld vielleicht nie wieder. Für die Gefahrenabwehr in solchen Fällen sind im Haushaltsjahr lediglich 10.000 Euro eingeplant, das günstigste Angebot für die Sicherungs- und Aufräumarbeiten ist mit rund 160.000 Euro jedoch um ein Vielfaches höher. Daher muss der Stadtrat nun zusätzliches Geld bereitstellen.

Am 15. April war die Feuerwehr zum Brand der leerstehenden Baracke in die Otto-Mader-Straße gerufen worden.
(Foto: Thomas Ruttke)

Die Polizei hat vier tatverdächtige Kinder ermittelt

Bei den mutmaßlichen Verursachern wird das wohl kaum einzufordern sein. Die Polizei hat vier tatverdächtige Kinder ermittelt, die allerdings alle jünger als 14 Jahre alt und damit nicht strafmündig sind. Ob sie dennoch schadensersatzpflichtig sind oder ihre Eltern herangezogen werden können, blieb unklar.

Wie Frank Pieper, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dessau, der MZ sagte, werde das Verfahren bei nicht-strafmündigen Kindern eingestellt. Zu Schadensersatzansprüchen äußerte er sich nicht. „Wir sind nicht für die Prüfung zivilrechtlicher Verantwortlichkeiten zuständig“, sagte er.

Dass die Sicherungsmaßnahmen, selbst wenn niemand dafür aufkommt, nötig sind, daran bestehen indes kaum Zweifel. Nach Einschätzung des Landesamtes für Verbraucherschutz (LAV), geht sowohl von der Brandruine als auch von den im Umkreis verteilten Absplitterungen asbesthaltiger Plattenbruchstücke eine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt aus.

Weil die asbesthaltigen Baustoffe durch den Brand so stark zerstört wurden, lösen sie sich nun langsam in ihre Bestandteile auf

„Der südliche Teil der Grundstücksbebauung samt Inventar ist vollständig niedergebrannt. Zurück blieben die mit asbesthaltigen Bruchstücken durchsetzen Brandreste sowie Asbestpartikel, die sich durch die Thermik des Brandes außerhalb des Brandgrundstückes zusätzlich auch im öffentlichen Bereich ansammelten“, heißt es in dem Papier.

Weil die asbesthaltigen Baustoffe durch den Brand so stark zerstört wurden, lösen sie sich nun langsam in ihre Bestandteile auf. Sonneneinstrahlung, wie sie jetzt im nahenden Sommer zu erwarten ist, könnte diesen Prozess zusätzlich beschleunigen. Zudem arbeitet die Natur gegen die Arbeit der Räumtrupps. „Die erwachende Natur wird das Aufsammeln der noch auf dem Brandgrundstück, zum Teil auch im Gestrüpp, lose umherliegenden Bruchstücke behindern“, heißt es weiter.

Wussten die Feuerwehrleute, was in der Baracke verbrannte?

Obwohl die Brandruine eher abgelegen in einem Gewerbegebiet liegt, sind dennoch viele Menschen in der Umgebung unterwegs. Sowohl Kunden und Mitarbeiter des Baustoffhandels Raab-Karcher sowie der Firma Octapharma als auch die Nutzer der benachbarten Kleingärten bewegen sich in der Nähe. Ob sie nun in Gefahr schweben, dazu äußerte sich die Stadt auf MZ-Anfrage nicht. Erst wolle man die Diskussion im Finanzausschuss abwarten, sagte Stadtsprecher Carsten Sauer. So blieb auch die Frage nach einer Gefährdung der Feuerwehrleute, die am Brandabend im Einsatz waren, unbeantwortet.

Die schwarze Rauchwolke war über mehrere Kilometer zu sehen. Wussten die Feuerwehrleute, was in der Baracke verbrannte? Waren nicht nur die Atemschutzgeräteträger sondern auch die anderen der insgesamt 76 Feuerwehrleute ausreichend geschützt? Auf diese Fragen gibt es - noch - keine Antwort. (mz)