Kampf gegen Corona

Auffrischung des Schutzes: Impfteam kommt zum dritten Mal ins Dessauer Marthahaus

In Dessau-Roßlau haben die Booster-Impfungen für alte und pflegebedürftige Menschen begonnen. Doch auch andere Menschen haben Anspruch auf eine dritte Impfung gegen das Corona-Virus. Welche Bedingungen dafür erfüllt werden müssen.

Von Annette Gens
Marion Höpper vom Martahaus gehörte zu den ersten, die in Sachsen-Anhalt geimpft wurden. Hier wartet sie zusammen mit Heimleiter Axel Peiler auf ihre dritte Schutzimpfung.
Marion Höpper vom Martahaus gehörte zu den ersten, die in Sachsen-Anhalt geimpft wurden. Hier wartet sie zusammen mit Heimleiter Axel Peiler auf ihre dritte Schutzimpfung. (Foto: Annette Gens)

Dessau/MZ - An diesem frühen Morgen ringt Marion Höppner nach Luft. Denn der Mundschutz, den die 78-jährige Seniorin zu ihrem eigenen Schutz trägt, behindert die betagte Frau beim Atmen. Höppner wartet mit weiteren Bewohnern des Marthahauses in der Heidestraße in einem Frühstücksraum auf ihre dritte Coronaschutzimpfung.

Im Dezember gehörte die heute 78-Jährige zu den ersten im Land, die mit dem Impfstoff Biontech gegen das Virus immunisiert wurden. Länger als ein halbes Jahr ist das nun schon her. „Ich habe alle Impfungen gut vertragen“, schildert sie und sieht der dritten Spritze am Donnerstag unaufgeregt entgegen. Ihre Motivation: „Mit der Impfung will ich nicht nur mich, sondern auch meine Familie schützen.“

Die Stadt Dessau-Roßlau hat am Donnerstag mit den Drittimpfungen gegen das Corona-Virus in Alten- und Pflegeeinrichtungen begonnen. In sechs von insgesamt 15 Einrichtungen, die es in der Doppelstadt gibt, werden mobile Impfteams eingesetzt. So auch im Marthahaus im Dessauer Süden. In der Mehrzahl der Heime aber haben Hausärzte signalisiert, eine dritte Schutzimpfung durchzuführen. So hatte es das Amt für Soziales im Vorfeld mit der kassenärztlichen Vereinigung vereinbart.

„Je nach Bedarf werden ein bis zwei Impfteams in den Einrichtungen unterwegs sein“, sagte Dessau-Roßlaus Sozialdezernent und Vorsitzender des Pandemiestabes, Jens Krause. Die Teams werden nach dem Abbau des Dessauer Impfzentrums in der Anhalt-Arena zum 30. September eine neue Bleibe bei der Berufsfeuerwehr im Dessauer Süden finden.

Der Arzt entscheidet über eine Impfung

Am Donnerstag hatte der Dessauer Mediziner Mathias Bundz zu entscheiden, ob alle Impfwilligen im Marthahaus, die es wollten, auch tatsächlich geimpft werden konnten. Seit Mai hilft Bundz aus dem Ruhestand heraus im Impfzentrum und beim mobilen Impfen aus. „Ich habe noch keinen einzigen Fall gehabt, wo ich eine Impfung ablehnen musste“, sagte Bundz, der im Marthahaus eine kleine Mannschaft um sich scharte. Der Arzt klärt auf und entscheidet, eine Krankenschwester spritzt, Mitglieder der Bundeswehr erledigen den Papierkram.

In einigen Pflegeeinrichtungen haben Hausärzte bereits mit Drittimpfungen begonnen. Das mobile Impfteam der Stadt impft seit Donnerstag. Erste Station war das Marthahaus im Dessauer Süden.
In einigen Pflegeeinrichtungen haben Hausärzte bereits mit Drittimpfungen begonnen. Das mobile Impfteam der Stadt impft seit Donnerstag. Erste Station war das Marthahaus im Dessauer Süden.
(Foto: Sven Hertel)

Was die Drittimpfungen angeht, so gibt es seit dieser Woche bundesweit neue Entscheidungen. Bislang war die Stadt darauf vorbereitet, über 80-Jährige mit einer Drittimpfung zu versorgen. Inzwischen, so Sozialdezernent Krause, habe sich das Blatt gewendet. Die Gesundheitsministerkonferenz hat den Kreis derer, der eine Auffrischungsimpfung erhalten können, erweitert. Empfohlen wird die Drittimpfung jetzt all jenen Menschen, die über 60 Jahre alt sind, in Pflegeeinrichtungen oder Einrichtungen der Wiedereingliederungshilfe arbeiten. Auch Reinigungs- und Küchenpersonal oder freiwillige Helfer dieser Einrichtungen können sich impfen lassen. Darüber hinaus medizinisches Personal in ambulanten und stationären Einrichtungen sowie in Krankenhäusern - und natürlich auch die Mitarbeiter mobiler Impfteams.

Pandemiestab rechnet mit rund 30.000 Berechtigten für Drittimpfung

Das heißt, auch die Helfer im Impfzentrum haben Anspruch auf eine dritte Schutzimpfung. Eine Voraussetzung gilt für alle genannten Gruppen: Die letzte Schutzimpfung muss mindestens ein halbes Jahr zurückliegen.

Jens Krause schätzt, mit der neuen Verordnung sind in der Doppelstadt schätzungsweise 30.000 Menschen berechtigt, eine weitere Schutzimpfung zu erhalten. „Es kommt viel Arbeit auf die Impfteams und Hausärzte zu“, sagt er.