„Perfide Form der Volksverhetzung“

Angeblicher Corona-Tod eines Kindes: Bürgermeister von Zerbst erstattet Anzeige, Polizei sichert Schule ab

10.12.2021, 13:16 • Aktualisiert: 10.12.2021, 13:48
Der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann.
Der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann. Foto: picture alliance / Uli Deck/dpa

Zerbst/MZ - Eine Falschmeldung in den Sozialen Medien hat am Donnerstag in Zerbst zu gleich mehreren Ermittlungsverfahren bei der Polizei geführt: Darunter das Androhen einer Straftat gegen eine Schule in der Gemeinde. Die Polizei musste zeitweise Schüler und Lehrer beschützen, da nicht verfiziert werden konnte, wie ersthaft diese Androhung in den Sozialen Medien gemeint war.

Hintergrund ist ein Gerücht, über das sich der Bürgermeister von Zerbst am Donnerstag schon auf Facebook geäußert hat: Es geht um ein angeblich verstorbenes Kind und die Menschen, die diese Nachricht in die Welt gesetzt haben. „Sie schüren Angst, verbreiten Falschmeldungen und hetzen am Ende Menschen gegeneinander auf“, hat sich Andreas Dittmann (SPD) sich auf seinem Facebook-Profil am Donnerstag Luft gemacht. „Ich finde es erbärmlich, das Leben bzw. in diesem Fall den angeblichen Tod eines Kindes zu instrumentalisieren und in dieser Form Ängste zu schüren.“ Er will nun Anzeige gegen der mutmaßlichen Urheber erstatten.

Dittmann stellt klar: Der Stadt ist keine Todesmeldung eines Kindes bekannt

In den Sozialen Medien werde demnach behauptet, „dass vor einigen Tagen ein 13-jähriges Kind in unserer Stadt an den Folgen einer Corona-Schutzimpfung verstorben wäre“, so Dittmann. Die Stadt Zerbst würden nun alles daran setzen, dies zu vertuschen. Sogar die Social-Media-Profile der Familie wären auf Anweisung der Verwaltung gelöscht worden.

Dazu stellt Dittmann noch einmal klar: Der Stadt sei keine Todesmeldung eines Kindes bekannt, es hätte auch keine Schweigeminute an einer der Schulen in der Gemeinde gegeben und überhaupt könne die Stadt dies nicht vertuschen, weil sie für die Erfassung solcher Fälle auch nicht zuständig sei.

Im Kreistag erklärte Dittmann dann auch, man habe daraufhin bei Meldeämtern, Standesämtern, Schulen und sogar Bestattern nachgefragt, um der Nachricht auf den Grund zu gehen. Zudem woller gegen einen der Urheber Anzeige erstatten - dieser komme vermutlich aus Dessau.

Außerdem teilte die Polizei am Freitag mit, dass es die „Androhung einer Gewalttat einer Person“ über einen Social-Media-Messengeridenst gegeben haben „zum Nachteil einer Schule in Zerbst/Anhalt“. Daraufhin wurden präventive Schutzmaßnahmen ergriffen. Zwar konnte schließlich Entwanrung gegeben werden, die Ermittlungen wegen der Störung des öffentlichen Friedens dauern aber an.

Viel Zuspruch für klare Kante des Zerbster Bürgermeisters

„Diese Falschmeldung ist kein Scherz und auch kein Kavaliersdelikt. Es ist vielmehr eine perfide Form der Volksverhetzung, mindestens ist es aber die unterste Schublade schlechten Geschmacks“, ergänzt der Zerbster Bürgermeister. Stattdessen wünscht er sich mehr Solidarität mit den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gesundheitssystems, der Pflege und im Handel.

Für sein klares Statement erhält auf Facebook dann auch viel Zuspruch: Bis Freitagmittag wurde das Statement über 150-mal geteilt und hat über 230 Likes erhalten. Auch in den Kommentaren melden sich viele Nutzer, die auch von diesem Gerücht gehört haben und nun dankbar für die Klarstellung sind.