Feldküche statt Bierbank

Am „Grünen Baum“ in Dessau wurde die Biergartensaison mit Essen zum Mitnehmen eingeläutet

Der 1. Mai läutet am „Grünen Baum“ normalerweise Biergartensaison ein. Dieses Jahr gab es Erbsensuppe und Spargel samt Schnitzel erneut nur zum Mitnehmen.

Von Erik Lisso
So groß wie im vergangenen Jahr war der Andrang am „Grünen Baum“ zum 1. Mai zwar nicht. Rege war die Nachfrage aber dennoch. (Foto: Erik Lisso)

Dessau - Schon von Weitem lässt sich erahnen, womit Brigitte Schmidt und ihre Kollegen des „Grünen Baums“ aufwarten. Ein deftiger Hauch von Erbsensuppe weht über Teilen Kochstedts. Radler, Ausflügler und Alteingesessene des Dessauer Ortsteils tummeln sich bei passablem Feiertagswetter am Sonnabend im Hof des Gasthauses.

Gleich zwei Feldküchen dampfenden Eintopfs empfangen sie dort, Bockwurst inklusive. Einzige Voraussetzung: Ein eigenes Gefäß zum Abfüllen des heißen Guts. Nahezu im Minutentakt wandern blau-gepunktete Emaille-Töpfe, Auflaufformen und alle Arten von Schüsseln über den kleinen Tresen. „Notfalls helfen wir aber auch aus“, erklärt die Chefin des Hauses.

„Pünktlich zum 1. Mai starten wir eigentlich in die Biergartensaison“

Anlass für den pandemiebedingten Außer-Haus-Verkauf gibt eine jahrelange Tradition. „Pünktlich zum 1. Mai starten wir eigentlich in die Biergartensaison.“ Dass dieser Auftakt - Corona hin oder her - nicht ganz klanglos ins Wasser fallen darf, das stand für alle Beteiligten schnell fest. „Wir möchten unsere Gäste wenigstens von weitem mal wieder sehen.“ Die Atmosphäre ist familiär. Man kennt sich, kann zumindest mit Maske und Abstand für einen kurzen Moment ein paar Worte wechseln.

Bei den Gästen kommt das an, die Nachfrage ist rege. Bereits kurz nach der Eröffnung am Vormittag bildet sich immer wieder eine Schlange. Ganz so stark wie im Vorjahr sei der Andrang jedoch nicht, schätzt Schmidt ein. „Damals am Ende des allerersten Lockdowns waren die Leute froh, endlich wieder rauszukommen.“ Eine gute halbe Stunde habe es gedauert, dann sei man komplett ausverkauft gewesen.

Deftiges aus der Gulaschkanone
(Foto: Erik Lisso)

Rund 100 Portionen hat das Kochstedter Küchenteam für den Sonnabend zubereitet

Um dem in diesem Jahr zuvorzukommen, hat sich die Wirtin etwas Besonderes einfallen lassen. Neben der zweiten Gulaschkanone, die man sich extra für den Feiertag vom Technischen Hilfswerk geliehen hat, machen dem Eintopf knapp 40 Kilo frischer Spargel aus Lindau Konkurrenz.

Rund 100 Portionen hat das Kochstedter Küchenteam für den Sonnabend daraus zubereitet. Serviert mit Schnitzel und nach Vorbestellung, versteht sich. Auch zur Unterstützung der regionalen Spargelbauern habe man sich für das Alternativangebot entschieden. Denn ebenfalls der eine oder andere Landwirt, der sich auf die Belieferung der Gastronomie spezialisiert hat, müsse jetzt sehen, wie er das weiße Stangengut an den Mann oder die Frau bringe, betont Schmidt.

Eine Hoffnung für den bevorstehenden Sommer zumindest läge auf der Außengastronomie

Wie es für sie und den „Grünen Baum“ weitergeht? - „Das wüssten auch wir gern. Es wird sich zeigen, wie sich die Lage entwickelt.“ Eine Hoffnung für den bevorstehenden Sommer zumindest läge auf der Außengastronomie.

Eine Glaskugel hat man aber auch an der Königendorfer Straße nicht. Vorsichtige Überlegungen existierten für den Himmelfahrtstag. Frisches Wildschwein vom Spieß wartete da in Vorjahren immer auf hungrige Gäste. „Wir befinden uns aktuell noch in den Planungen.“ Auf eines macht sich Schmidt bereits gefasst: „Wenn, dann wird es wohl wieder ein Angebot zum Mitnehmen sein.“ (mz)