347 Unfälle in sechs Monaten

347 Unfälle in sechs Monaten: A9-Baustelle bleibt Unfallschwerpunkt

Dessau - In dem halben Jahr der Vollsperrung kracht es 347 Mal - doppelt so oft wie im gesamten Jahr 2015.

Von Steffen Brachert 04.11.2016, 05:00
Groß­bau­stelle A 9: Zwischen Dessau-​Süd und Bit­ter­feld-​Wolfen wird der Be­ton­krebs be­sei­tigt.
Groß­bau­stelle A 9: Zwischen Dessau-​Süd und Bit­ter­feld-​Wolfen wird der Be­ton­krebs be­sei­tigt. dpa-Zentralbild

Die halbseitige Vollsperrung der A 9 zwischen Dessau-Süd und Bitterfeld-Wolfen hat die Unfallzahlen deutlich nach oben schnellen lassen. Vom 30. April bis zum 28.  Oktober, binnen eines halben Jahres, gab es insgesamt 347 Unfälle im Baustellenbereich, bei denen ein Mensch getötet, sieben schwer und 29 Personen leicht verletzt wurden.

In die am Donnerstag vorgelegte Auswertung wurde ein Bereich fünf Kilometer vor und fünf Kilometer nach der eigentlichen Baustelle einbezogen. Zum Vergleich: In den zwölf Monaten des Jahres 2015 ereigneten sich in dem gleichen Abschnitt, allerdings auf zwei dreispurigen Fahrbahnen, nur 169 Verkehrsunfälle. Bei denen starb ein Mensch, darüber hinaus gab es 33 schwer und 24 leicht verletzte Personen.

Freitags kracht es am häufigsten

Die Zahlen zeigen: Bei den Unfällen im Baustellenbereich gab es vorwiegend Sachschäden und leichte Verletzungen. „Anhand der Unfallzahlen wird zudem deutlich“, sagte Liz Hesse, Sprecherin der Autobahnpolizei, „dass vor allem am Wochentag Freitag deutlich mehr Verkehrsunfälle verursacht wurden.“ Liegen die restlichen Wochentage immer zwischen 36 und 50 Verkehrsunfällen, krachte es an Freitagen insgesamt 94 Mal. Die Hauptunfallzeit lag zwischen 11 und 17 Uhr. Also immer dann, wenn die meisten Autos und Laster unterwegs waren.

Polizei klagt über Gaffer

Die Autobahnpolizei beklagt zudem den Einfluss von „Gaffern“ nach Unfällen. „Vorbeifahrende Verkehrsteilnehmer“, sagte Hesse, „bringen dadurch den Verkehr nach Unfällen immer wieder zum Erliegen - und erhöhen gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, von weiteren Verkehrsunfällen.“

Die Vollsperrung der A9 in Fahrtrichtung Berlin soll noch bis Mitte Dezember dauern. Die neue Fahrbahn ist schon aufgebracht. Die „Restarbeiten“ haben begonnen. Im kommenden Jahr wird dann die Fahrtrichtung München vom Betonkrebs befreit. Die Vollsperrung soll 2017 „nur“ sechs Monate dauern und nach dem Reformationsfest in Wittenberg Ende Mai beginnen.

Anschlusstelle Bitterfeld-Wolfen für zwei Monate gesperrt

Die Vollsperrung der Anschlussstelle Bitterfeld-Wolfen soll dieses Mal auf zwei Monate begrenzt und in den Herbst gelegt werden. Anlieger, vor allem ein gerade eröffneter Autohof, hatten immer wieder gegen die diesjährige halbjährige Vollsperrung protestiert. Ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten hatte für dieses Jahr für die Anlieger einen volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von 52 Millionen Euro errechnet. (mz)