Der Wahlkampf geht weiter

Reck und Adamek müssen für die OB-Stichwahl in Dessau-Roßlau nun Fremdwähler überzeugen

Von Oliver Müller-Lorey
Robert Reck und Eiko Adamek
Robert Reck und Eiko Adamek (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau-Roßlau - Die Sektgläser bei den beiden Oberbürgermeister-Kandidaten Eiko Adamek (CDU) und Robert Reck (parteilos) sind gerade geleert, da geht der Wahlkampf schon in die nächste Runde. Am 27. Juni treffen beide in der Stichwahl wieder aufeinander. Am Sonntagabend erreichte der Wirtschaftsbeigeordnete Reck mit großem Vorsprung und mehr als 28 Prozent den ersten Platz vor Stadtrat und Abteilungsleiter im Städtischen Klinikum, Eiko Adamek, der gut 21 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte. Keine drei Wochen haben die beiden nun Zeit, um die Wähler noch einmal von sich zu überzeugen.

Reck will das schaffen, indem er seine „Ideen und Ziele kommuniziert und Schwerpunkte setzt“, wie er der MZ sagte. Stadtentwicklung und Wirtschaft seien zwei drängende Themen. „Da die Pandemielage es jetzt zulässt, werde ich meinen Wahlkampf auch sichtbarer führen als bisher. Ich will meine Bekanntheit und Sichtbarkeit erhöhen.“

„Egal wie die Wahl ausgeht, es geht ja weiter“

Seinen Wahlkampf und die Ergebnisse in den einzelnen Stadtteilen und Ortschaften will er nun rasch analysieren. „Das werden drei aufregende Wochen“, sagte der Verwaltungsbeamte, der am Montag direkt wieder zur Arbeit im Rathaus erschien. „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, war sein Motto.

Das sah offenbar auch sein Konkurrent Eiko Adamek so. Auch er arbeitete am Montag in der Klinik und hatte am Abend Termine mit der CDU-Fraktion. „Egal wie die Wahl ausgeht, es geht ja weiter“, sagte er. Er erwarte jetzt einen fairen Wahlkampf ohne Seitenhiebe. Adamek will auch in den kommenden Wochen seine Kampagne - auch auf der Straße - fortsetzen. Dass Reck am Sonntag rund sieben Prozentpunkte vor ihm lag, beunruhigt ihn nicht. Die Karten würden in einer Stichwahl neu gemischt.

Verschnupft reagierte Adamek auf die Aussage des amtieren Oberbürgermeisters Peter Kuras am Wahlabend

Beide Kandidaten dürften nun versuchen, die Unterstützer der unterlegenen Kandidaten mit zweistelligem Ergebnis, Ralf-Peter Weber (Grüne) und Sebastian Rumberg (parteilos) auf ihre Seite zu ziehen. Ob sich Wähler des AfD-Kandidaten Lutz Büttner nun für Reck oder Adamek entscheiden, scheint fraglich. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Andreas Mrosek, sagte bereits am Montag, dass man keine „Altparteien“ unterstützen werde. Das treffe sowohl für den CDU-Kandidaten Adamek zu als auch für Reck, der einst der SPD angehörte.

Reck sagte, er sei „offen für Gespräche“, Adamek hat seine Fühler nach eigenen Angaben bereits ausgestreckt. „Es laufen ganz aktiv Gespräche. Wir müssen analysieren, wo wir nicht gepunktet haben, denn von unseren Ergebnissen aus ist ja noch Luft nach oben bis zur 50 Prozent.“

Verschnupft reagierte er indes auf die Aussage des amtieren Oberbürgermeisters Peter Kuras, der am Wahlabend eine Lanze für Reck gebrochen hatte und ihn als seinen Favoriten bezeichnete: „Ich finde es ungeschickt, dass der OB sich positioniert hat. Das macht man nicht.“ Kuras’ Äußerung könne Reck jedoch sowohl helfen als auch schaden. „Das zeigt doch, dass es dem OB am liebsten wäre, wenn es sieben Jahre so weitergeht“, sagte Adamek. Keine Seitenhiebe also in den kommenden drei Wochen...

Gefasst zeigte sich Ralf-Peter Weber, der am Sonntag gleich zwei Schocks zu verdauen hatte

Gefasst zeigte sich Ralf-Peter Weber, der am Sonntag gleich zwei Schocks zu verdauen hatte. Obwohl als einer der Favoriten gehandelt, landete er mit 16,4 Prozent auf dem dritten Platz. Zudem fuhren die Grünen, die traditionell das Umweltministerium führen, in dem Weber arbeitet, ein schlechtes Ergebnis bei der Landtagswahl ein. „Aber auch das sehe ich ganz entspannt“, sagte der grüne Kandidat, der von mehreren Fraktionen im Dessauer Stadtrat unterstützt worden war.

„Ich falle auf die Füße. Falls es auch in Magdeburg nicht reicht, werde ich mich wieder auf meine Regionalmarke konzentrieren. Und mein Haus braucht mich“, sagte er und spielte damit auf seine unternehmerische Arbeit als ehemaliger Berater in der Landwirtschaft und Geschäftsführer des Hotels „Sieben Säulen“ an.

Die Fraktion bedauert nach wie vor, dass Herr Reck sich im letzten Jahr entschlossen hat, aus der SPD auszutreten

Dennoch will Weber die Wahl jetzt analysieren. Eine Ahnung, was ihn Stimmen gekostet haben könnte, hat er aber bereits. „Ich war überrascht, dass Herr Rumberg über zehn Prozent geholt hat. Zu ihm gibt es einige Überschneidungen. Seine Wähler sind sicher nicht grün-unfreundlich“, so Weber. Er hätte gerne als OB mit Rumberg, der Viertplatzierter wurde, zusammengearbeitet.

Michael Fricke, Fraktionsvorsitzender der SPD sagte: „Die Fraktion bedauert nach wie vor, dass Herr Reck sich im letzten Jahr entschlossen hat, aus der SPD auszutreten. Gleichwohl unterstützt ihn die Fraktion in der Stichwahl als den nach ihrer Ansicht geeigneteren Kandidaten.“ (mz)