Schwarze Magie

Schwarze Magie in Wolfen: Unternehmen forscht im TGZ an Entwicklung neuer Energiespeicher

Wolfen - Ein Unternehmen der estnischen Skeleton Tech Group forscht im TGZ an der Entwicklung neuer Energiespeicher.

Von Christine Färber

Schwarze Magie im Technologie- und Gründerzentrum (TGZ)? Das klingt verrückt. Doch mit Magie hat das, was das junge Unternehmen „Black Magic“ hier in Wolfen tut, nichts gemein. Mit Black schon. Denn schwarz ist das Pulver, das seit 2018 hier im Technikummaßstab für Energiespeicherung hergestellt wird.

Und das - so genanntes gekrümmtes Graphen - vollbringt in Zellen von Ultrakondensatoren wahre Wunder. Es pimpt diese auf physikalischem Weg so, dass sie für kurze Zeit Hochleistungskraftprotze mit Stromstärken von 1 000 Ampere und mehr werden. Damit übertreffen sie bei weitem bisherige Ultrakondensatoren.

„Wir bewegen uns hier im Markt der Megawattsekunde“, sagt der Leiter der Zell- und Materialentwicklung der Black Magic, Sebastian Pohlmann, der am MEET Batterieforschungszentrum in Münster promoviert hat. „Ein Kondensator mit unserem Material ist sehr viel leistungsfähiger als jeder andere. Er arbeitet nach dem Prinzip: sehr schnelle und damit leistungsvolle Entladung und sehr schnelle Neu-Ladung - innerhalb von Sekunden.“

Auf Gebieten wie Logistik oder Raumfahrt sind solche Lösungen von größtem Interesse

Geschaffen also für den Einsatz dort, wo man für eine gewisse Zeit die Energiezufuhr überbrücken muss. Wenn die Leistung von Solar- und Windenergie einbricht zum Beispiel, das Netz stabilisiert werden muss.

Aber auch auf Gebieten wie Logistik oder Raumfahrt und vor allem Automotive sind solche technischen Lösungen von größtem Interesse. Beim Einsatz im Automobilsektor beispielsweise geht es um die Einsparung von Emissionen, um eine sofortige Abgasbehandlung, um die Rückgewinnung von Bremsenergie und mehr. Schon jetzt nutzten die typischen Londoner Doppeldeckerbusse, die mit Diesel-Hybrid-Antrieb fahren, das Produkt und erreichten 36 Prozent weniger Emission - und das bei höherer Passagieranzahl, berichtet er.

Ergebnisse, die die Wissenschaftler freuen und anfeuern. Noch ist der Markt der Ultrakondensatoren klein. Doch ist es einer, der sehr schnell wächst und immer mehr, immer bessere Energie-Hochleistungsspeicher braucht. „Wir forschen jetzt daran, die Energiedichte, die das gekrümmte Graphen liefert, in der Kondensatorzelle zu verdreifachen“, sagt er.

In Europa ist Black Magic derzeit das einzige Unternehmen, das gekrümmtes Graphen produziert

Bereiche, in denen auch die bestbearbeitete Aktivkohle nicht mithalten kann. Die ist ab 2021 ohnehin nicht mehr in Gebrauch. Bis dahin will das Team von Pohlmann - das jetzt im TGZ daran arbeitet, bald in einer ersten Skalierungsstufe 40 Tonnen des Materials in Bitterfeld herzustellen - 400 Tonnen in der eigenen Produktionsanlage im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen produzieren. Das reicht, um vier Millionen Zellen für Ultrakondensatoren herzustellen oder 300.000 so genannte 48-Volt-Systeme für Elektroautos. „Die 400 Tonnen sind dann gerade genug, um den Bedarf zu bedienen.“

In Europa ist Black Magic derzeit das einzige Unternehmen, das gekrümmtes Graphen produziert. Weltweit gibt es laut Pohlmann eine Handvoll. „Schon mit unserer Pilotanlage sind wir weltgrößter Hersteller.“ Das sieht er als einen Fünf-Jahres-Vorsprung gegenüber allen, die sich jetzt mit dieser Technologie befassen.

Die Firma ist Teil der estnischen Skeleton Technologies Group, die sich mit der Entwicklung von physikalischen Energiespeichersystemen aus Kohlenstoff beschäftigt. Während in Wolfen das spezielle Graphen produziert und skaliert wird, werden im Werk Großröhrsdorf (Sachsen) die Ultrakondensator-Zellen hergestellt. Die werden in Tallinn zu Modulen und ganzen Systemen zusammengefügt und weiterentwickelt. „Ultrakondensatoren - das ist das, womit wir letztlich Geld verdienen.“

„Das ist eine einzigartige Situation, die gibt es nicht oft in Europa“

Sich auch in Deutschland niederzulassen, habe für Skeleton mit dem hervorragenden Knowhow und den zuverlässigen Ingenieursdienstleistungen hierzulande zu tun, berichtet Pohlmann, der seine ersten beruflichen Schritte in Tallinn ging. „Und speziell unsere Produktion ist abhängig von guten Chemikern und Chemie-Ingenieuren.“ Nahezu ideale Strukturen, die sehr hohe Synergien versprechen, habe man am Standort Bitterfeld-Wolfen gefunden.

„Das ist eine einzigartige Situation, die gibt es nicht oft in Europa“, stellt er fest. Auch aus Sicht des Chemieparks (CP) passt Black Magic gut in die Struktur. Unter anderem deshalb, weil hier die Elektrochemie große Tradition hat, stellt der kaufmännische Leiter des CP, Max Fuhr, fest. Die Ansiedlung liege im Trend. Wie IoLiTec und weitere gehöre Black Magic zu den Wachstumstreibern. „Das sind Unternehmen, mit denen der Standort wachsen wird“, meint Fuhr und setzt fröhlich lachend hinzu: „Anders müsste es schon mit dem Teufel zugehen.“ (mz)