Das Dach arbeitet mit

Meyer Burger: Wird der nächste Fortschrittstreiber der Solarindustrie bald in Thalheim produziert?

Meyer Burger bringt Solarziegel auf den Markt - eine langgehegte Vision der Branche. Werden sie in Thalheim produziert?

Von Tim Fuhse 10.11.2021, 11:02
Auf der Intersolar-Messe in München konnte man die Solar-Dachziegel  bereits bestaunen.
Auf der Intersolar-Messe in München konnte man die Solar-Dachziegel bereits bestaunen. (Foto: Meyer Burger)

Thalheim/MZ - Es klingt ein wenig wie die Erfolgsmeldung bei der Suche nach dem Heiligen Gral oder dem Goldenen Vlies. Zumindest, wenn man den glücklichen Findern zuhört. Der nächste Fortschrittstreiber in der Solarindustrie könnte aus Thalheim stammen. Das vor Ort ansässige Unternehmen Meyer Burger bringt Solarenergie-gewinnende Dachziegel auf den Markt. Mit dem Produkt will die Firma eine langjährige Herausforderung der Branche als erste zufriedenstellend gelöst haben. Das bekräftigt Meyer Burger auf MZ-Anfrage.

Bereits im Juli hat das auf Photovoltaik spezialisierte Unternehmen das Patent für die Technik von einem deutschen Ingenieurdienstleister erworben, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. „Die Entwicklung ist fertig“, bestätigt Sprecherin Dana Ritzmann. Derzeit entscheide man nun, wo die Solardachziegel produziert werden sollen.

Mit den neuen Dachziegeln will man nun eine freie Nische besetzen und Marktanteile erobern

Die Wahl könnte auf Thalheim fallen. Hier hat das ursprünglich aus der Schweiz stammende Unternehmen in diesem Jahr Werkhallen im Sun Park in der Sonnenallee bezogen und stellt dort Solarmodule her, die - wie landläufig bekannt - auf Dächer als Aufsatz montiert werden können. Mit den neuen Dachziegeln will man nun eine freie Nische besetzen und Marktanteile erobern. „Bislang liegt ein großes Potenzial für Photovoltaik auf Dächern brach, weil Standardmodule aus verschiedenen Gründen nicht infrage kommen, aber die existierenden dachintegrierten Lösungen nicht zufriedenstellen“, erklärt Geschäftsführer Gunter Erfurt.

Ziegel von Wettbewerbern wie dem amerikanischen Unternehmen Tesla um Firmenchef Elon Musk hält man bei Meyer Burger schlichtweg für zu teuer. Die eigene Technik sei günstiger, einfach zu montieren und zu warten, sie ermögliche einen sehr hohen Energieertrag und sei dabei noch schön anzusehen.

Zugeschnitten sind die Solar-Dachziegel insbesondere auf Häuser, bei denen herkömmliche Module an ihre Grenzen stoßen - etwa bei denkmalgeschützten Gebäuden oder Dächern, die keine schwere Last tragen können. Auch bei architektonisch anspruchsvollen Dächern will das Unternehmen mit den Dachziegeln punkten.

Ein Blick in die Produktionsstätte von  Meyer Burger in Thalheim.
Ein Blick in die Produktionsstätte von Meyer Burger in Thalheim.
(Foto: Maul)

Meyer Burger will die Solar-Dachziegel ab der zweiten Jahreshälfte 2022 an Kunden ausliefern

Doch zunächst muss die Produktion anlaufen. Meyer Burger will die Solar-Dachziegel ab der zweiten Jahreshälfte 2022 an Kunden ausliefern. Interessenten konnten zuletzt schon einen Blick auf die neue Technik werfen. Anfang Oktober hat das Unternehmen sie bei der Intersolar-Messe in München erstmals öffentlich präsentiert. Mit Erfolg - am Meyer-Burger-Stand seien die Dachziegel der unangefochtene Hingucker gewesen, berichtet Ritzmann. „Sie haben da für viel Furore gesorgt.“

Am Standort in der Thalheimer Sonnenallee wird derweil die Produktion der bereits bekannten Solarmodule hochgefahren. Seit Juli werden von hier aus nun Solarzellen zum Standort im sächsischen Freiberg geliefert, wo man sie in Rahmen einsetzt. Die in Thalheim hergestellten Zellen können derzeit im Jahr zusammengerechnet 400 Megawatt an Energie schaffen. Doch das soll erst der Anfang sein. Bis 2027 will Meyer Burger vor Ort auf eine Jahreskapazität von sieben Gigawatt anwachsen. Damit würde der weltweite Marktanteil des Unternehmens von derzeit 0,1 Prozent auf zwei bis drei Prozent steigen. Rund 85 Prozent aller weltweiten Solarzellen werden derzeit in China hergestellt.