Bürgermeisterwahl 2021

Mario Schulze vom Unabhängigen Bündnis will die Vereine in Sandersdorf-Brehna stärken

Das Unabhängiges Bündnis setzt auf den Stadtratschef. Der sieht sich als Team-Spieler. Er will Ortsteile verbinden, Ansiedlungen fördern und Vereine stärken.

Von Frank Czerwonn
Mario Schulze geht für das Unabhängige Bündniss  ins Rennen um den Chefsessel  im  Rathaus von Sandersdorf-Brehna.
Mario Schulze geht für das Unabhängige Bündniss ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus von Sandersdorf-Brehna. (Foto: André Kehrer)

Sandersdorf/Ramsin/MZ - Der frühere Thalheimer Bürgermeister Manfred Kressin hat Mario Schulze 1991 eine Chance gegeben und eine Laufbahn in der Stadtverwaltung ermöglicht. Nun könnte der 54-Jährige selber Bürgermeister werden - von Sandersdorf-Brehna. Das kam überraschend.

Doch ist die Entscheidung des Unabhängigen Bündnisses auch naheliegend. Viel Zeit, eine Kandidatin oder einen Kandidaten aufzubauen, war nicht, als Bürgermeister Andy Grabner (CDU) im Mai zum Landrat gewählt wurde. Schulze ist Stadtratsvorsitzender und hat in Bitterfeld-Wolfen als Sachbereichsleiter Verwaltungserfahrung gesammelt.

Er hat gelernt, verschiedene Meinungen zu moderieren, aber auch Entscheidungen zu treffen. Und nun Bürgermeister? Er sagt: „Ich traue mir das zu.“ Angestrebt habe er es aber nicht. „Die Möglichkeit, den Heimatort in der täglichen Arbeit mitgestalten zu können, war nie in meiner Vorstellung.“

Mario Schulze gründet die Fußball-Nachwuchsspielergemeinschaft United 4 Lions mit

Doch Neues als willkommene Herausforderung zu sehen, hat Schulze früh gelernt. 1967 in Neuruppin geboren, zieht die Familie drei Jahre später nach Dresden. „Aus dem Dorf in die Großstadt.“ Nach der Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter studiert er in Suhl bei den Grenztruppen und lernt seine spätere Frau kennen, die aus Ramsin stammt. Entscheidungsjahr 1990: Schulze heiratet, schließt das Studium als Maschinenbau-Ingenieurpädagoge ab, verlässt die Armee. Für ihn gilt wie für viele DDR-Bürger: „Es gibt ein Leben vor und eins nach dem 3. Oktober 1990.“

Seine neue Heimat wird die seiner Frau. Auf eine ABM-Stelle in Thalheim folgen Posten in den Verwaltungen Thalheim, Wolfen, Bitterfeld-Wolfen. 1997 zieht die Familie von Wolfen nach Ramsin, die Tochter wird geboren, 1999 der Sohn. In der neuen Heimat bringt sich Schulze ein. Er erobert nicht nur zu Fuß und per Rad die Gegend.

Im Garten im  Ramsiner Zuhause entspannt sich  Mario Schulze vom Alltag.
Im Garten im Ramsiner Zuhause entspannt sich Mario Schulze vom Alltag.
(Foto: André Kehrer)

„Ich bin schnell ins Vereinsleben eingestiegen.“ Er gründet die Fußball-Nachwuchsspielergemeinschaft United 4 Lions mit, trainiert die Jung-Kicker, spielt selber. „Inzwischen schaue ich aber lieber meinem Sohn zu.“ Oder den Sixers. Sportstadt, soviel scheint klar, bliebe Sandersdorf-Brehna auch mit ihm als Bürgermeister. Was nur wenige wissen: Jahrelang ging das Ehepaar in die Tanzschule Bitterfeld. Da lernt man, auf den anderen zu hören und zu achten.

„Man ist auf den Erfolg und die Mitarbeit der Verwaltung ebenso angewiesen wie die der Bürger“

Kommunikation ist ein Leitwort für Schulze. „Anderen zuhören, eigene Positionen erklären, die beste Lösung für die Stadt finden.“ Vielleicht trug das dazu bei, dass er zu Ramsins Ortsbürgermeister und vor zwei Jahren nicht nur in den Stadtrat, sondern auch zum Vorsitzenden gewählt wurde. „Ich kenne beide Seiten - die der Verwaltung und die der Abgeordneten und Bürger.“ Als Bürgermeister könne man nicht allein wirtschaften und entscheiden. „Man ist auf den Erfolg und die Mitarbeit der Verwaltung ebenso angewiesen wie die der Bürger.“

Was er anpacken will? „Vieles davon steht schon im Programm des Unabhängigen Bündnisses, da ist so manches nicht umgesetzt.“ Klar sei: „Wir können die Zukunft nur mit allen Ortschaften gestalten.“ Deshalb müsse die Vereinsstruktur erhalten und ausgebaut werden - vom Karneval bis zum Sport. Doch brauche es eine gesunde Haushaltswirtschaft - diese inhaltlich vorzubereiten, sei Aufgabe der Verwaltung, die Entscheidungen aber treffe der Stadtrat.

„Die Entwicklung der Gewerbestandorte spielt dabei eine wichtige Rolle. Aber wir müssen diese attraktiv machen: durch Wohnraum für Familien, kurze Wege zu Arbeit, Kita und Freizeitangeboten.“ Also gehe es um bessere Angebote im Kita- und Hortbereich, aber auch bei Arztpraxen.

„Ich bin kein Einzelkämpfer, sondern arbeite im Team“

Defizite sieht Schulze in der Infrastruktur: Die Verbindung zwischen den Ortschaften sei schwierig. „Mit dem Rad von Heideloh nach Ramsin - das ist schon ein Problem.“ Und er will eine die Stadt verbindende Buslinie - „vielleicht als E-Bus oder mit Wasserstoffantrieb?“ Auch das Thema neuer Rathaus-Standort werde Sandersdorf-Brehna wieder beschäftigen. Und zum Thema Deponielandschaft hat Schulze eine klare Haltung: „Keine neuen Deponien. Mehr Ausgleich und Ersatz. Entscheidungen zu laufenden Verfahren herbeiführen.“

Doch gelte immer: „Ich bin kein Einzelkämpfer, sondern arbeite im Team.“ Wie würde er sich beschreiben? „Als teamfähig, zielstrebig und sachlich.“ In 30 Jahren Verwaltungsarbeit habe er bei kontroversen Telefonaten nur einmal selber aufgelegt. „Emotionen gehören dazu, sollten aber sachlich vorgetragen werden.“