Tief Ignatz

Jetzt kommt der Arbeitskreis gegen den Staub: Podiumsdiskussion zum Sandsturm über Thalheim

In dieser Woche gab es eine Podiumsdiskussion mit den Thalheimern über Folgen des Sandsturms Ende Oktober. Wie es jetzt weitergeht.

Von Robert Martin 25.11.2021, 11:59 • Aktualisiert: 25.11.2021, 12:07
Der Bürgerdialog zu den Folgen der Staubentwicklung während des Sturmtiefs Ignatz Ende Oktober war am Montagabend gut besucht.
Der Bürgerdialog zu den Folgen der Staubentwicklung während des Sturmtiefs Ignatz Ende Oktober war am Montagabend gut besucht. (Foto: André Kehrer)

Wolfen/MZ - Die Aufarbeitung des Sandsturms in Thalheim am 21. und 22. Oktober geht in eine neue Phase. Bei einem Bürgerdialog im Wolfener Kulturhaus sind am Montagabend auf Einladung der Stadt Bitterfeld-Wolfen Anwohner mit Vertretern der Agrarbetriebe und der zuständigen Ämter bei der Stadt und beim Landkreis zusammengekommen.

Am Ende der über zweistündigen Informationsveranstaltung einigten sich die Beteiligten darauf, eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Stadt einzusetzen, die Lösungsansätze erarbeiten und darüber beraten soll, wie solch verheerende Auswirkungen in Zukunft minimiert werden können.

Oberbürgermeister Armin Schenk (CDU) moderierte die Veranstaltung, zu der rund 80 Anwohner gekommen waren

Oberbürgermeister Armin Schenk (CDU) moderierte die Veranstaltung, zu der rund 80 Anwohner gekommen waren. Es sei „Ziel, Lösungen zu finden“, sagte das Stadtoberhaupt, bevor er Kai Ellwert, Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft beim Landkreis Anhalt-Bitterfeld, bat, die Ereignisse rund um Sturmtief Ignatz einzuordnen. Ellwert sprach von einer „Verkettung ungünstiger Umstände“, die dazu beigetragen habe, dass der Sandsturm mit solcher Wucht auf Thalheim treffen konnte. Dazu zählte er die geografische Lage, die ungewöhnlich hohen Temperaturen um 15 Grad Celsius und die anhaltende Trockenheit der Böden.

Dass, wie mehrfach von Anwohnern bezeugt (die MZ berichtete), auf den angrenzenden Ackerflächen kurz vorher Düngemittel ausgebracht wurden, könne das Amt nicht bestätigen. Es sei davon auszugehen, dass der Staub keine Düngemittel enthalten habe.

Die Informationsveranstaltung endete mit dem Bekenntnis zur Bildung einer Arbeitsgruppe

Die Landwirte waren durch Heinz Herrmann, Geschäftsführer der zuständigen Agrargenossenschaft Altjeßnitz, den Vorsitzenden des Bauernverbandes Anhalt und Chef der Agrargenossenschaft Löberitz, Thomas Külz, sowie durch Olaf Feuerborn, Sachsen-Anhalts Bauernpräsident, vertreten. Herrmann wies die Verantwortung für die Sturmfolgen zurück und erklärte, dass die letzten Arbeiten auf dem Feld mehrere Tage vorher, am 18. Oktober, abgeschlossen worden waren. „Das wird Sie nicht befriedigen“, fuhr der Landwirt fort. Und schlug mehrere Lösungsansätze vor.

So könne in Zukunft ein Erdwall mit einer Hecke auf dem Kamm verhindern, dass starke Winde ungebremst auf die Siedlung treffen. Auch Änderungen bei der Anbauplanung seien grundsätzlich möglich, damit die Fläche in mehrere Aussaatphasen aufgeteilt würde. Zudem sein ein mit einer Dauerkultur bewachsener Grünstreifen denkbar. Für diese Schritte sei jedoch die Kooperation der Grundstückseigentümer unverzichtbar, von denen die Landwirte ihre Nutzflächen pachten.

Die Informationsveranstaltung endete mit dem Bekenntnis zur Bildung einer Arbeitsgruppe, die über die vorgebrachten Lösungsansätze beraten soll. Teilnehmen sollen neben der Stadt und dem Landkreis Anwohner und Landwirte. Mehrere Anwohner meldeten sich bereits am Montag dafür an. Auch das Landesamt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt soll in den Prozess einbezogen werden, forderten die Landwirte. Am Dienstagnachmittag lagen laut Stadtsprecher Detmar Oppenkowski noch keine Informationen dazu vor, wann und wo die Arbeitsgruppe ihr erstes Treffen haben wird.