Outlet Center

Fashion Outlet Center Brehna: Händler in Wolfen und Bitterfeld befürchten, dass Kunden wegbleiben

Wolfen/Bitterfeld/Brehna - Einzelhändler in Wolfen und Bitterfeld befürchten am Tag der Eröffnung des Fashion Outlet Centers in Brehna, dass das neue FOC ihnen Kunden wegnimmmt. 20.000 Besucher täglich – darauf hofft der Centermanager des „Fashion Outlet“. Der Anziehungs-Effekt soll sich über ganz Mitteldeutschland erstrecken.

Von Stefan Schröter

Keine Wolke über dem Markt, kaum Besucher zwischen den Ständen in Wolfen-Nord: Die Schattenseite der neuen Brehnaer Shopping-Bambule zeigt sich am Donnerstagmittag zwischen Kleidungs-, Gemüse- und Imbissständen.

„Heute fehlen die Kunden. Es sind weniger da“, bemerkt Unterwäscheverkäufer Reiner Mahlo. Ein paar Meter weiter teilt Susanne Erdmann den Eindruck, dass das Brehnaer Outlet den Wolfener Händlern Kundschaft wegnimmt: „Wir merken es heute schon und das bei schönem Wetter.“ Die Einkaufswelt, 20 Kilometer entfernt, locke eben an. Selbst wenn die Besucher erst einmal nur einen Begrüßungs-Sekt ergattern wollten.

20.000 Besucher täglich – darauf hofft der Centermanager des „Fashion Outlet“. Der Anziehungs-Effekt soll sich über ganz Mitteldeutschland erstrecken. Klar, dass das in Wolfen nicht nur Jubel auslöst: „Wir sind besorgt“, sagt Silvia Lyska aus dem Geschäft „Chicky Micky“.

Ihr Mann habe sich auf der Suche nach Unterstützung bereits an die Oberbürgermeisterin gewandt. Die kleinen Händler fühlen sich allein gelassen. „Ich finde es schade, dass man sich so wenig für uns einsetzt. Wir zahlen auch Gewerbesteuern“, so Lyska.

In Bitterfeld wird derweil Alarm geschlagen wegen des Outlets: „Wir rechnen mit Umsatzeinbußen von zehn bis 20 Prozent in den kommenden Wochen“, erwartet Kay Uwe Ziegler, Vorsitzender beim dortigen Innenstadtverein. „Der ein oder andere wird künftig gar nicht mehr in die Stadt kommen, Laufwege der Menschen werden sich verändern.“

Ziegler fürchtet, dass in Bitterfeld langfristig Geschäfte wegen des Outlets schließen müssen. Der Landkreis habe sich daher mit der Genehmigung für das Center ins eigene Knie geschossen. Ziegler stört sich vor allem daran, dass der Mode-Tempel dem geltenden Landesentwicklungsplan widerspricht, wonach Factory Outlet Center nur in größeren Städten entstehen dürften.

Auf dem Wolfener Markt will man die Auswirkungen des Brehnaer Outlet-Centers zunächst abwarten. „In den ersten zwei, drei Wochen werden alle mal hinschauen, danach wird es sich wohl normalisieren“, erwartet Erdmann. „Die Leute haben ja gar nicht das Geld, um jede Woche 100 Euro auszugeben.“

Auch Mahlo will erst einmal abwarten, wie es in fünf Wochen aussieht. Für ein Fazit ist es noch zu früh. „Ich kann mir noch kein Urteil bilden“, meint daher auch die Verkäuferin Lyska.

Andere bleiben per se optimistisch auf dem Markt, dass das Geschäft auch mit Outlet-Center weiterläuft: „Konkurrenz gibt es überall, auch hier auf dem Markt“, bleibt Haider Khan an seinem Kleidungsstand in Wolfen entspannt. Zumal sich das eigentliche Problem offenbar im direkten Umfeld in „Nord“ auftut.

Bevölkerungsrückgang und Wohnungsabrisse lassen die Umsätze an der Dessauer Allee schrumpfen. Am Donnerstag vor dem Osterwochenende lagen bei Verkäufer Mahlo die Einnahmen erstmals unter der Standgebühr von 30 Euro.

„Das habe ich in meinen 25 Jahren als Markthändler noch nie erlebt“, sagt der Zscherndorfer. Und wenn es bei ihm schlecht laufe, dann auch bei den anderen. „Wolfen-Nord ist extrem ruhig geworden“, berichtet auch die Markt-Verkäuferin Erdmann. Andere erzählen ähnliches. (mz)