Ein Hoch auf Hoehme

Ein Hoch auf Hoehme: Künstler Gerhard Hoehme wird 100 und Greppin feiert ihn

Greppin - In seinem Geburtsort war der Abstraktionskünstler lange Zeit vergessen. Jetzt wird an ihn erinnert.

Von Juliane Nentwig

„Man erinnert sich hier erst wieder heute an ihn“, sagte Birgitt Heinicke, eine der letzten weitläufigen Verwandten Gerhard Hoehmes vor dem Geburtshaus des international bekannten Abstraktionskünstlers in Greppin. Er wäre in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden. Zu seinen Ehren wurde in der Ernst-Thälmann-Straße nun eine Gedenktafel angebracht. Sie soll an einen Künstler erinnern, der die informelle Kunst in Deutschland stark mitgeprägt hat.

Informelle Kunst beschreibt verschiedene abstrakte Stilrichtungen der europäischen Nachkriegszeit. Hoehme war nach einem kurzen Studium an der Burg Giebichenstein in Halle 1951 nach Düsseldorf gegangen, wo er an der Kunstakademie studierte.

Bereits zur Greppiner 625-Jahr-Feier war Joachim Sabiniarz auf Hoehme aufmerksam geworden, als es darum ging, an Persönlichkeiten des Ortes zu erinnern. Auch wenn der Vorsitzende des Greppiner Heimatvereins wusste, dass Hoehme in seiner Heimat lange Zeit keine Rolle spielte, freute er sich darüber, dass nun zu seinem Geburtsjubiläum ein richtiger Trubel auf dem Festplatz stattfindet.

Nachdem die Gedenktafel ihren neuen Platz gefunden hatte, wart ein interaktiver Teil des Abends angedach

Henry Brinker von Brinkermedia initiierte das kulturelle Event und holte sich neben der Stadt Bitterfeld-Wolfen auch die Stiftung Hoehmes und seiner Frau ins Boot, die die Veranstaltung unterstützten.

Nachdem die Gedenktafel ihren neuen Platz gefunden hatte, war ein interaktiver Teil des Abends angedacht, der insbesondere die Kreativität der Kinder ansprechen sollte: Der Architekt und Bildhauer Rainer Düvell nutzte die Fassade der Greppiner Turnhalle für ein farbenreiches Lichtspektakel.

Während rote und blaue LED-Strahler den Grundton der Backsteinwand ausmachten, hatte Düvell eine Reihe an zwei- bis drei Meter langen Holzleisten vorbereitet, die verschiedene Oberflächen wie Farbe oder Spiegel trugen. Dann waren auch schon die Kinder gefragt, die mit Hilfe einer Taschenlampe in den beleuchteten Raum hineinwirken konnten. „Die Kinder sollen ein Gefühl dafür bekommen, mit der Lampe in die Installation eingreifen zu können“, so Düvell.

Podiumsdiskussion mit dem Kunsthistoriker Gottfried Böhm

Ein Zentrum der Installation bildete das jüngst entstandene Porträt Hoehmes von Ortsbürgermeister Mirko Claus. Er hatte sich über die letzte Woche hinaus mit dem Greppiner Künstler auseinandergesetzt und ihn erst in den letzten Nächten selbst auf die Leinwand gebracht. „Ich habe versucht, mich auf eine ähnliche Reise wie Hoehme zu begeben“, erklärte Claus. Das Porträt sei ohne große Planung entstanden. So, wie es vielleicht auch Hoehme getan hätte: mit verlaufenen, dicken Farben, mal hier und da gespachtelt - und sehr bunt.

Im Anschluss an diese eindrucksvolle und einfallsreiche Lichtershow waren alle Interessierten zu einer Podiumsdiskussion mit dem Kunsthistoriker Gottfried Böhm eingeladen, der ein langjähriger Weggefährte Hoehmes war. Zur diesjährigen Kunst- und Kulturwoche der Stadt Bitterfeld-

Wolfen wird dann im September eine Ausstellung über Hoehmes Werke und sein Wirken zu sehen sein. (mz)