Drohende Ausbaubeiträge in Raguhn

Drohende Ausbaubeiträge in Raguhn: Anwohner setzen sich gegen neue Straße zu Wehr

Raguhn - Drohende Beiträge zum Straßenausbau ärgern Anlieger. Sie gründen deshalb eine Bürgerinitiative.

Von Tilo Krippendorf 30.10.2019, 15:22

Bauen oder nicht? Für einen Großteil der Anwohner der Straße „Am Weinberg“ in Raguhn ist die Antwort klar: nein. Sie fürchten hohe Straßenausbaubeiträge, wenn dort wie von der Stadtverwaltung geplant, nach vielen Jahrzehnten hin und her, gebaut werden sollte.

Am vergangenen Wochenende haben die Anlieger eine Bürgerinitiative gegründet und folgen so einem Trend, der derzeit in Sachsen-Anhalt zu verzeichnen ist. Überall im Land gibt es inzwischen Bürgerinitiativen gegen die ungeliebten Kosten, die beim Straßenbau vor der eigenen Haustür anfallen.

„Wir wissen nicht, auf welche Summen wir uns da einlassen würden“, erklärt Marion Roßberger, die Sprecherin der Raguhner Bürgerinitiative. Deshalb soll nun mit dem Ausbau gewartet werden, bis es auf Landesebene eine Entscheidung zum Thema gibt.

Die Stadt will die rund 700 Meter lange Straße bauen und hat 300.000 Euro dafür im Haushalt eingeplant

Die Stadt will die rund 700 Meter lange Straße bauen und hat 300.000 Euro dafür im Haushalt eingeplant. Doch laut jetzigem Plan will die Stadt 90 Prozent davon wieder von den Anwohnern einkassieren - weil die Schotterpiste erstmals eine geschlossene Decke bekommen soll und damit „erschlossen“ wird.

Wenn es um eine Sanierung ginge, wären nur 60 Prozent für die Anwohner fällig. Raguhn-Jeßnitz’ Bürgermeister Bernd Marbach (parteilos) erklärte am Montag bei einer Anwohnerversammlung, dass die Stadt zunächst von der für die Bürger schlechtmöglichsten Variante ausgeht - so sei dann Luft nach oben. „Ich kann ihnen aber keine konkrete Summe nennen“, so Marbach. Für die Anwohner stellt sich deshalb das Gefühl ein, sie kaufen die Katze im Sack. Denn wie sich die realen Baupreise entwickeln, kann niemand sagen.

Zunächst muss nun der Ortschaftsrat abstimmen. Ortsbürgermeister Steffen Berkenbusch (SPD) sagte nach der Entscheidung: „Das Votum der Anwohner ist klar, nun muss der Ortschaftsrat entscheiden.“ Ihm sei es wichtig gewesen, das nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werde. (mz)

Vor wenigen Tagen hat sich in Magdeburg die „Allianz gegen Straßenausbaubeiträge in Sachsen-Anhalt“ gegründet. Dabei sind mehrere Bürgerinitiativen, unter anderem zur Querstraße in Bobbau. Die Allianz will politischen Druck auf Entscheidungsträger im Land ausüben.