Der andere Wahlkampf

Diese drei Männer wollen neuer Landrat von Anhalt-Bitterfeld werden

Drei Männer wollen Landrat Uwe Schulze (CDU) beerben. Wie Andy Grabner (CDU), Swen Knöchel (Linke) und Volker Olenicak (AfD) um Wähler werben.

Von Ulf Rostalsky und Frank Czerwonn
Wer wird neuer Landrat von Anhalt-Bitterfeld? (Fotos: André Kehrer/Meinicke)

Bitterfeld - In knapp fünf Wochen sollen die Einwohner von Anhalt-Bitterfeld einen neuen Landrat wählen. Denn Amtsinhaber Uwe Schulze (CDU) verkündete 2020, er gebe das Amt auf. Ihn zog es stattdessen nach Berlin. Allerdings hatte er die Rechnung ohne die stimmberechtigten CDU-Mitglieder seines Wahlkreises gemacht.

Die kürten nicht Schulze oder Amtsinhaber Kees de Vries, sondern Frank Wyszkowski vom Kreisverband Salzland zum Kandidaten für die Bundestagswahl im Herbst. Doch zurückrudern konnte Schulze nach diesem verlorenen Manöver nicht mehr. So wollen ihn am 6.?Juni als Landrat drei Kandidaten beerben: Andy Grabner von der CDU, Swen Knöchel von der Linken und Volker Olenicak von der AfD. Doch wie wollen sie in den knapp fünf Wochen um Stimmen werben? Die Corona-Regeln schränken die Möglichkeiten massiv ein. Ist Wahlkampf überhaupt möglich?

Andy Grabner (CDU)

Das Hauptproblem sieht Andy Grabner, seit 2008 Bürgermeister von Sandersdorf-Brehna, im stark eingeschränkten direkten Kontakt zu den Bürgern. Natürlich suche er das persönliche Gespräch, doch die großen Veranstaltungen sind tabu. „Es sind vom Landkreis drei Runden mit den drei Bewerbern in Bitterfeld-Wolfen, Köthen und Zerbst vorgesehen, die der stellvertretende Kreiswahlleiter René Rosenfeld moderieren soll“, erzählt Grabner. „Doch ich sehe es nicht als realistisch an, dass diese als Präsenzveranstaltungen stattfinden können.“ Das könne man den Menschen angesichts der Einschränkungen nicht vermitteln. Bleibt die digitale Variante.

Andy Grabner
(Foto: Kehrer)

Als wirklichen Ersatz sieht Grabner das aber nicht. „An solchen Diskussionsrunden im Internet nehmen eher weniger Leute teil.“ Deshalb spielt die Plakatwerbung eine noch größere Rolle als je zuvor. „Mit dem Plakatierungsbeginn hat die Hochphase begonnen“, sagt er. Er selber ist auf die Leiter gestiegen und hat Plakate angebracht. Und auch das Tempo zählt. Denn drei Wochen vor dem Wahltermin startet bereits die Briefwahl. 30 bis 40 Prozent der Wähler, schätzt er, werden diese Form nutzen. Die muss man vorher erreichen.

Grabner setzt deshalb auch auf Flyer-Aktionen und lässt Postkarten in Briefkästen verteilen - mit einem klaren Kommunikationsangebot: Kontaktieren Sie mich! Stellen Sie mir Fragen! Sagen Sie mir Ihre Wünsche!

Swen Knöchel (Die Linke)

Der Linken-Politiker Swen Knöchel geht als Kandidat seiner Partei ins Rennen und wird zudem von Grünen und SPD unterstützt. Als einziger der drei Kandidaten ums Landratsamt hat er in Anhalt-Bitterfeld keine kommunalpolitische Erfahrung. Der Abgeordnete des sachsen-anhaltischen Landtags hat stattdessen die sprichwörtliche Ruhe weg. Denn Wahlplakate mit seinem Porträt finden sich nicht im Kreis.

Sven Knöchel
(Foto: Meinicke)

„Stimmt. Richtig beobachtet“, sagt Knöchel. „Es gab kleinere Probleme mit der Druckerei, die zuerst die Plakate für den gleichzeitig laufenden Landtagswahlkampf gedruckt hat. Aber jetzt werden auch meine Plakate geliefert und aufgehängt.“ Einen Nachteil sieht der Linke darin aber nicht. „Vielleicht haben sich die Leute ja schon an die beiden anderen Kandidaten gewöhnt und schauen dann beim dritten und seinen Plakaten genauer hin“, erklärt er und setzt auf Pluspunkte für den Spätstarter. Außerdem werden jede Menge Flyer verteilt sowie Internetseite und die Präsenz in den sozialen Medien ständig aktualisiert. „Die Leute, die dort aktiv sind, sind ja alle auch Multiplikatoren. Sie transportieren Themen - zu den Menschen und auch in meine Richtung.“ Was sie nicht können, ist den direkten Kontakt mit den Wählern ersetzen. „Dafür steht Wahlkampf aber auch. Wir werden versuchen, noch einige Aktionen auf den Beine zu stellen.“

Volker Olenicak (AfD)

Auf Wählerkontakt setzt Volker Olenicak, der seit 2016 für die AfD mit Direktmandat im damaligen Wahlkreis Bitterfeld im sachsen-anhaltischen Landtag sitzt und von dort gern an das Landratsamt nach Köthen wechseln möchte. Um sein Ziel zu erreichen, sucht er das Gespräch vor allen Dingen dort, wo er bisher weniger unterwegs war. „In Zerbst und Umgebung ist das. Schöne Gegend, aber für mich viel Neuland. Da bin ich mit meinem Wahlkampfauto unterwegs, hänge selbst Plakate auf und rede mit den Leuten. Raus zum Bürger muss man. Die Leute wollen gehört werden. Das merkst du sofort.“ Gibt es da nicht ein Problem mit Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus?

Volker Olenicak
(Foto: Kehrer)

Olenicak sieht keine. Zumindest keine großen. Schließlich habe er zusammen mit den Landtagskandidaten seiner Partei mehrere Wahlveranstaltungen zum Beispiel in Bitterfeld und Köthen organisiert. Alle wären genehmigt gewesen und unter Auflagen wie dem Abstand zueinander durchgeführt worden. Dass noch mehr geht, schließt der Landratskandidat nicht aus. Er bringt eine Podiumsdiskussion ins Spiel, spricht von Internet und sozialen Medien. Außerdem sei eine große Zahl an Flyern gedruckt. Die werden jetzt in Eigenregie verteilt - mit Schwerpunkt Zerbst und Köthen. „Im Altkreis kennen mich die Leute ja schon. In anderen Orten möchte ich das nachholen.“ (mz)

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(Foto: Jank)