Die Manege bleibt leer

Die Manege in Priesdorf bleibt leer: Zirkus von Antonio Lauenburger ist wegen Corona auf Spenden angewiesen

Priesdorf - Das Corona-Virus trifft alle Branchen. Antonio Lauenburger ist direkt mit den finanziellen Folgen konfrontiert und auf Spenden angewiesen.

Von Juliane Nentwig

Antonio Lauenburger ist Unsicherheiten gewöhnt. Er ist sozusagen damit aufgewachsen und kennt für sich und seine Familie keinen anderen Lebensentwurf. Die derzeitige Corona-Krise stellt ihn jedoch vor bisher nicht gekannte Herausforderungen.

Schließlich muss sich der Zirkusdirektor weiterhin um seine 60 Tiere kümmern. Jeden Tag fallen die „normalen“ laufenden Kosten an, die er sonst durch Auftritte in der Manege decken kann. „Wir hatten schon viele Krisen, aber wir durften immer noch gastieren“, sagt er.

Für diesen Sommer musste er nun alle geplanten und vorfinanzierten Vorstellungen absagen. Daher bleibt die Familie weiterhin im Winterlager in Priesdorf, einem Ortsteil von Zörbig. „Wir sind hier erstmal gefangen“, bringt es Lauenburger auf den Punkt. Das Training mit den Tieren und die Vorbereitung einzelner Nummern geht weiter, aber die 20 Personen hinter dem Zirkuszelt bangen um ihre Existenz.

Tierarztkosten ließen den Zirkus schnell an seine Grenzen kommen

Vor einer Woche bekam der Zirkus dann sogar Nachwuchs. Ein Kamelbaby war auf die Welt gekommen. Normalerweise ein erfreuliches Ereignis, aber die Tierarztkosten ließen Lauenburger schnell an seine Grenzen kommen. Eigentlich braucht er für die Geburten seiner Schützlinge keine professionelle Unterstützung, doch das kleine Fohlen hatte sich nicht richtig gedreht.

Für die Steißgeburt holte der 32-Jährige die örtliche Tierärztin, die im letzten Moment eingreifen konnte. Gerade das Licht der Welt erblickt, erkrankte das junge Tier an einer Lungenentzündung. Es ist so auf zusätzliche Lämmermilch angewiesen, die Lauenburger von einem nahegelegenen Pferdehandel besorgt. Alle zwei Stunden wird das Neugeborene nun mit der ergänzenden Nahrung versorgt, ist aber auf dem Wege der Besserung. Eine weitere Stute ist trächtig und wird demnächst gebären.

Home-Schooling steht also auch in der Zirkusfamilie nicht auf der Tagesordnung

Auch seine eigene Familie behält Lauenburger im Blick. Die Eltern leben seit fünf Jahren auf dem Gelände des Winterlagers in Priesdorf und werden von ihm unterstützt. Seine Kinder sind zwar noch nicht im Schulalter, aber auch darüber macht sich Lauenburger schon Gedanken. „Sie sollen regelmäßig die Schule besuchen“, erklärt der zweifache Vater. Das ist nur in wechselnden Städten möglich, weil die Familie in der Zirkussaison gemeinsam reist.

Home-Schooling steht also auch in der Zirkusfamilie nicht auf der Tagesordnung, aber der Gedanke daran scheint öfter aufzutauchen als in anderen Familien, die nun durch Corona davon betroffen sind. Der vierjährige Sohn Geraldo kennt die Abläufe im Zirkus mittlerweile bestens.

Obwohl es auf dem Gelände in Priesdorf Einschränkungen gibt, sind Besuche an den Tiergehegen möglich

Was fressen welche Tiere zu welcher Zeit? Welchen Namen tragen sie? Bei einigen Auftritten traut sich der Kleine schon mit in die Manege. Das Leuchten in den Augen seines Sohnes und der anderen Kinder motiviert Lauenburger, auch in einer Krise nach vorn zu schauen.

Obwohl es auf dem Gelände in Priesdorf Einschränkungen gibt, sind Besuche an den Tiergehegen möglich. Maximal fünf Personen dürfen auf den Hof und müssen einen Mindestabstand einhalten. Familie Lauenburger nimmt darüber hinaus Spenden aller Art mit offenen Armen entgegen. „Wir brauchen dringend Heu und Kraftfutter“, erklärt Lauenburger. Außerdem benötigt die Familie Heizöl, bevor der Frühling Einzug hält. (mz)

Telefonisch zu erreichen ist der Zirkus unter 0163/5072944; Spendenkonto: DE65 7011 0088 3064 6275 46 (Postbank), Inhaber: Antonio Lauenburger, Verwendungszweck: Futterspende