Denkmal vor Aus?

Denkmal vor Aus?: Chemieparkgesellschaft stellt Abrissantrag für Kulturpalast

Bitterfeld - Die Chemieparkgesellschaft macht ernst: Das Unternehmen hat nach MZ-Informationen beim Landesverwaltungsamt Unterlagen zum Abriss des Kulturpalastes in Bitterfeld eingereicht.

Von Detmar Oppenkowski 05.09.2017, 15:14

Die Chemieparkgesellschaft macht ernst: Das Unternehmen hat nach MZ-Informationen beim Landesverwaltungsamt Unterlagen zum Abriss des Kulturpalastes in Bitterfeld eingereicht.

Landesverwaltungsamt bestätigt Eingang des Antrags

Zwar äußert sich die Behörde in Halle mit Verweis auf das laufende Verfahren weder in der Sache noch zum Antragsteller. Allerdings wird bestätigt, dass „ein Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung des Abbruchs des Baudenkmals“ vorliegt. Die Prüfung sei derzeit noch nicht abgeschlossen. „Es wurden präzisere Unterlagen zur Begründung des Antrags nachgefordert, die bislang noch nicht eingegangen sind.“ Sollten sie vollständig sein, so werde innerhalb von zwei Monaten über die Abrisspläne entschieden.

Veranstaltungsbetrieb ist schon länger eingestellt

Damit scheint sich womöglich das zu bewahrheiten, was sich schon seit geraumer Zeit andeutete. 2013 hatte die Gelsenwasser AG den Chemiepark samt Kulturpalast vom damaligen Eigentümer Jürgen Preiss-Daimler erworben und die gleichnamige Chemieparkgesellschaft gegründet. Seither trennte man sich von allen weiteren Nutzern des Haues und stellte den Veranstaltungsbetrieb komplett ein. Dass man nun Nägel mit Köpfen machen möchte, begründet Geschäftsführer Patrice Heine wie folgt: „Wir wollen den Kulturpalast nicht weiter besitzen und betreiben.“

Das Landesverwaltungsamt macht indes deutlich, dass die Chemieparkgesellschaft für einen möglichen Abriss des 1954 eröffneten Kulturpalastes hohe Hürden überwinden muss. Denn bei dem Gebäude handelt es sich um ein Baudenkmal. „Das Objekt hat besondere kulturell-künstlerische, technisch-wirtschaftliche, städtebauliche und geschichtliche Bedeutung und ist daher im öffentlichen Interesse zu erhalten“, heißt es.

Unzumutbare Belastungen durch den Erhalt des Denkmals?

Ein Eingriff, der zur „Zerstörung des Bauwerks“ führt, sei allerdings zu genehmigen, wenn unter anderem „die unveränderte Erhaltung des Kulturdenkmals den Verpflichteten unzumutbar belastet“. Aus Sicht der Chemieparkgesellschaft ist das offenbar der Fall. Sie beziffert die laufenden Kosten für das Haus mit einem mittleren sechsstelligen Betrag pro Jahr.

Ist damit das Ende endgültig besiegelt? „Es ist nicht das alleinige Ziel, den Kulturpalast abzureißen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass jemand anderes der neue Besitzer wird“, sagt Heine. Übersetzt heißt das: Mit dem Abrissantrag will die Chemieparkgesellschaft nun offenbar den Druck auf alle Beteiligten erhöhen. Bereits vor einem Jahr machte das Unternehmen deutlich, dass der Betrieb des Palastes als Veranstaltungsstätte nicht Kernaufgabe der Wirtschaft sei.

Gibt es ein tragfähiges Nachnutzungskonzept?

Zwar gab es daraufhin während des Oberbürgermeisterwahlkampfes in Bitterfeld-Wolfen erste Vorschläge der Kandidaten, passiert ist aus Sicht des Unternehmens bis heute allerdings nichts. „Ich denke, dass unser Antrag binnen eines Jahres genehmigungsfähig sein könnte“, sagt Heine. Soll heißen: Bis dahin braucht es ein tragfähiges Nachnutzungskonzept. Liegt das nicht vor, so könnten tatsächlich die Abrissbagger anrücken (mz)