Augen der Förster leuchten

Das Wetter 2021 tut den Wäldern in Anhalt-Bitterfeld gut - reicht aber längst nicht aus

Von Christine Färber
Uwe Häfker  in der Goitzsche: Pflanzen werden vom Regen kräftig angegossen.
Uwe Häfker in der Goitzsche: Pflanzen werden vom Regen kräftig angegossen. (Foto: André Kehrer)

Holzweißig/MZ - Was Petrus bis jetzt in der Region Anhalt-Bitterfeld wettermäßig zur Erde gesendet hat, das nennt Uwe Häfker „traumhaft“. „Das sorgt für leuchtende Augen bei uns Förstern“, sagt der Fachreferent der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) und langjähriger Revierförster. „Die Pflanzen werden kräftig angegossen.“

Und nicht nur das. Der Boden tankt wieder Feuchtigkeit. War das Erdreich in der hiesigen Region durch die sehr trockenen Sommer der vergangenen drei Jahre bis zu zwei Meter in die Tiefe regelrecht ausgetrocknet, ändert sich die Situation gerade. „Wir hoffen, dass dieses Jahr hilft, die Feuchtigkeit auch bis in die Tiefen zu bringen“, so Häfker.

Altbestände sind gezeichnet von den verganenen extrem trockenen Sommern.
Altbestände sind gezeichnet von den verganenen extrem trockenen Sommern.
(Foto: André Kehrer)

„Reine Kiefern-Bestände sind total zusammengebrochen“

Die Natur dankt es mit einem kräftigen, saftigen Grün. Während die älteren Waldbestände durch die Trockenheit und den Borkenkäfer in der Vergangenheit schwer gelitten haben und das immer noch sichtbar ist, sind die jüngeren schon wieder gut versorgt, erklärt er. Der Fachmann zeigt am Arboretum in die Runde. Letztere hatten 2019 früher die Waffen gestreckt als die alten - aus einfachem Grund: Ihre Wurzeln sind noch zu kurz. Das Folgejahr indes traf die Altbestände mit Wucht. Und mit dem Borkenkäfer.

„Reine Kiefern-Bestände sind total zusammengebrochen“, sagt Häfker. Das sei auch auf LMBV-Flächen in der Lausitz und in Sachsen zu sehen. Aber auch Laubbäume wie Pappeln und selbst Birken konnten der Trockenheit nicht widerstehen. Das freilich tut dem Herzen eines Naturliebhabers wie ihm weh. Und das ist teuer. Zig Tausende Euro müssen investiert werden, um die Schäden zu reparieren und sie in Grenzen zu halten. Die Forstwirtschaft hat viel Lehrgeld gezahlt. Und Lehren gezogen. Unter anderem die, dass man die Klimaveränderung stärker auf dem Schirm haben muss.

Das Gras steht hoch, die Heuernte ist dieses Jahr super.
Das Gras steht hoch, die Heuernte ist dieses Jahr super.
(Foto: André Kehrer)

Die Triebe der Bäume seien kräftig, das Gras auf den freien Flächen stehe hoch - zur Freude der Landwirte

Das heißt, mit Nachpflanzungen bereits im Herbst zu beginnen, so dass die Jungpflanzen die Winterfeuchte mitnehmen können. Das heißt auch, abgehen von den lange Zeit verfochtenen Vorstellungen, nur einheimische Bäume wie Eiche, Linde etc. zu pflanzen, sondern auch Robine zuzulassen, Douglasie oder amerikanische Roteiche - Arten, die mit Klimaschwankungen besser umgehen können. Und das heißt auch, Mono- in Mischbestände umbauen, weil die widerstandsfähiger sind. „Wir Förster denken komplex - über Zeiträume von 100 Jahren und mehr“ so Häfker. „Also ökologisch denken, artenreich pflanzen. Aber wir müssen freilich auch lernen, mit den Reinbeständen zu leben.“

Dieses Jahr, das mit Regen nicht geizt, sieht er entspannt. Besser, meint er, könne es nicht laufen: Die Triebe der Bäume seien kräftig, das Gras auf den freien Flächen stehe hoch - zur Freude der Landwirte. Auch die Imker hätten Grund zur Freude. Insgesamt bilanziert Häfker für die Goitzsche heute „keine großen Waldflächenverluste“.

Wandeln unterm grünen Dach - wie man es sich vorstellt.
Wandeln unterm grünen Dach - wie man es sich vorstellt.
(Foto: André Kehrer)

„Vielleicht haben wir Glück mit weiteren ähnlichen Jahren“

Die Lücken, wo tote Bäume entfernt wurden, füllten sich bereits wieder. Die Natur zeige, dass sie durchaus in der Lage ist, sich selbst zu helfen. „Wenn man Geduld hat“, sagt er, „entsteht wieder eine stabile Waldfläche im Sinne der Natur.“ So, wie es beispielsweise der BUND in seiner Wildnis will. Für Waldbesitzer freilich, die vom Holz leben, bleibt so viel Zeit nicht. Sie müssen ihren Wald bewirtschaften.

Dass der gemäßigte Sommer 2021 der Natur gut tut, sieht Häfker auch am Füllstand der Tagebau-Seen und der Verbindungsgräben. Die Grundwasserspeicher füllen sich langsam auf. Auch statistische Erhebungen der Länder weisen darauf hin. „Wieviel es jetzt bringt, werden wir sehen. Ein solches Jahr reicht aber nicht aus. Vielleicht haben wir Glück mit weiteren ähnlichen Jahren.“ Er jedenfalls blickt da nicht so pessimistisch in die Zukunft.