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Graffitiprojekt an der Diesterweg-Schule in BernburgWie die Kinder einen Schandfleck in ein Schmuckstück verwandelt haben

Mit Graffiti haben Schüler der Bernburger Diesterweg-Grundschule hässliche Wände neu gestaltet.

Von Thomas Weißenborn 19.05.2023, 18:03
Nori (von links), Anna-Lotta, Moritz, Lara, Karl, Kimmy und Aaliyah gestalten mittels Graffiti Wände vor ihrer Grundschule in der Bernburger Talstadt. Unterstützt und angeleitet werden sie dabei von Hennig Hölemann (3. von links).
Nori (von links), Anna-Lotta, Moritz, Lara, Karl, Kimmy und Aaliyah gestalten mittels Graffiti Wände vor ihrer Grundschule in der Bernburger Talstadt. Unterstützt und angeleitet werden sie dabei von Hennig Hölemann (3. von links). (Foto: Engelbert Pülicher)

Bernburg/MZ - „Es war cool, Zeichnungen anzufertigen und dann zu sehen, wie das auf der Wand entsteht“, sagt der neunjährige Karl auf die Frage, was ihm beim Graffitiprojekt an der Diesterweg-Grundschule in Bernburg am besten gefallen hat. „Das Sprühen hat mir am meisten Spaß gemacht“ ergänzt Moritz, sein Mitschüler.

In den eben zu Ende gegangenen Pfingstferien haben knapp zehn Schüler der Diesterweg-Schule ein Projekt beendet, das bereits zum Start des Schuljahres begonnen hatte. Es ging darum, eine ziemlich hässliche Wand am Eingang des Schulhofes, die mit zahlreichen Schmierereien versehen war, neu zu gestalten.

Hip Hop und Graffiti mit sozialer Arbeit verbinden

Hilfe bekamen die Mädchen und Jungen dabei von Henning Hölemann, Sozialpädagoge und Graffiti-Coach beim Verein „Hip Hop-Netzwerk 4>>Ward“ aus Halle, erklärt Kristin Farkas, Hortleiterin an der DiesterwegSchule. „Henning ist immer dienstags zu uns in die Schule gekommen und wer Lust hatte, konnte sich an dem Graffitiprojekt beteiligen.“

Die Wand am Schulhofeingang bot sich dabei als zu gestaltendes Objekt geradezu an. „Sie sah echt hässlich aus“, findet auch die neunjährige Kimmy aus der 3. Klasse. Ausdrücke wie „Block U“, „Halb sieben“, „FCM“ oder gar „All cops are bastards“ wären darauf geschmiert gewesen. „Das sah echt nicht schön aus“, erinnert sich das Mädchen. Deshalb sei sie auch von Beginn an Feuer und Flamme gewesen, sich am Projekt zu beteiligen.

Ideen der Kinder umgesetzt

Zum Beginn des Vorhabens seien zunächst Ideen gesammelt worden, wie die Wand künftig aussehen könnte, erläutert Henning Hölemann. „Alle Vorschläge, die umgesetzt wurden, stammen von den Kindern“, betont er. Die neunjährige Eleonore, die von allen „Nori“ genannt wird, wollte unbedingt ein Schleimmonster auf die Fläche sprühen, Anna-Lotta ein Alien. Doch nicht nur Figürliches ist schließlich umgesetzt, auch die Namen der beteiligten Kinder sind künstlerisch per Graffiti verewigt worden. „Man ist stolz auf sich selbst, wenn man seinen Namen an der Wand sieht“, findet Anna-Lotta.

Zunächst hat Henning Hölemann den Kindern die Grundlagen für das Gestalten beigebracht. Er hat den Teilnehmern gezeigt, welche faszinierenden Möglichkeiten die Graffitikultur bietet. Er gab Tipps, wie die Entwürfe der Mädchen und Jungen umgesetzt werden können, wie aus zweidimensionalen Zeichnungen mittels Schatten und Perspektive eine dreidimensionale Optik entstehen kann und hat ihnen schließlich den richtigen Umgang mit der Sprühdose beigebracht.

Zum Ende der Pfingstferien hatten die Schüler aus dem ehemaligen Schandfleck ein neues Schmuckstück an ihrer Schule geschaffen. „Die Kinder waren mega engagiert“, lobt Henning Hölemann, der hofft, dass das Projekt fortgeführt werden kann.

Schon weitere Projekte geplant

Kristin Farkas ist guter Dinge. „Wir haben schon neue Pläne“, sagt sie. „Unsere Turnhallenwand und eine weitere Wand könnten ebenfalls künstlerisch gestaltet werden. Darüber hinaus könnten wir Holzfiguren anfertigen und besprühen, die dann unseren Schulhof weiter verschönern.“

Der Verein „Hip Hop-Netzwerk 4<<Ward“ verbindet Hip Hop, Graffiti und soziale Arbeit und hat schon Projekte in Bernburg, Aschersleben, Köthen oder Halle umgesetzt. Weitere Infos online unter www.4ward-ev.de