Maßregelvollzug Bernburg

Maßregelvollzug Bernburg: Sechs Patienten im Hungerstreik

Bernburg - Sechs Patienten, die am Freitag vor Weihnachten auf die Station 1a des Bernburger Maßregelvollzuges in der Salus-Klinik verlegt worden waren, sind am Dienstag in den Hungerstreik getreten.

Von Torsten Adam
Blick auf zwei vergitterte Fenster des Maßregelvollzugs im Landeskrankenhaus für Forensische Psychiatrie in Bernburg dpa-Zentralbild

Sechs Patienten, die am Freitag vor Weihnachten auf die Station 1a des Bernburger Maßregelvollzuges in der Salus-Klinik verlegt worden waren, sind am Dienstag in den Hungerstreik getreten. Das berichtete einer der Männer der MZ am Telefon.

Er und die anderen Insassen protestieren damit gegen die Zustände auf der sogenannten Erlediger-Station, wie sie im Fachjargon heißt. Untergebracht sind hier nach Angaben von Salus-Sprecherin Franka Petzke Menschen, bei denen eine Überstellung in eine Justizvollzugsanstalt beantragt worden ist, „weil bei ihnen keine hinreichende Aussicht auf Therapieerfolg besteht.“

„Wir haben hier keine Privatsphäre, weil an den Fenstern die Vorhänge fehlen. Es gibt keine Pinnwände für persönliche Sachen und keinen Fernseher im Zimmer, die Bettgestelle sind kaputt“, schildert ein 26-jähriger Suchtkranker, der seit Dezember 2015 eine Haftstrafe wegen gemeinschaftlichen Diebstahls im besonders schweren Fall im Maßregelvollzug verbüßt.

Er hatte im September einen Parkausgang zur Flucht genutzt und war zwei Wochen später nach öffentlicher Fahndung in Thale wieder gefasst worden. Seinen Angaben zufolge laufe bei einem der sechs streikenden Patienten das Wasser aus der Dusche ins Zimmer.

Sozialministerium kündigt Verbesserungen für die Patienten im Maßregelvollzug Bernburg an

Und für den Anschluss der auf der Station vorhandenen Waschmaschine fühle sich auch kein Salus-Mitarbeiter zuständig. Alles in allem seien die Bedingungen auf der neuen Station schlechter als in den bisherigen Unterkünften.

Auf MZ-Anfrage teilte das zuständige Landessozialministerium mit, dass laufende Reparaturarbeiten an Trinkwasserleitungen einen Ringtausch einzelner Stationen erforderlich machten, um Baufreiheit zu schaffen.

Die noch bestehenden Unzulänglichkeiten sollen schrittweise beseitigt werden. Pinnwände zum Anbringen persönlicher Gegenstände seien inzwischen bestellt, die Betten zwar im gebrauchten Zustand, jedoch keineswegs mit Mängeln behaftet, die eine Nutzung ausschließen.

Dennoch sind bereits vor einiger Zeit neue Betten geordert worden, die voraussichtlich im Januar geliefert werden. „Bezüglich des Abflusses und mithin des Nasswerdens der Patientenzimmer wurde die zuständige Fremdfirma zur Mängelbeseitigung beauftragt und aufgefordert“, heißt es.

Der Anschluss der Waschmaschine durch die Haustechnik sollte nach Angaben eines Ministeriumssprechers noch im Laufe des Dienstags erfolgen. Gleichwohl seien weder Vorhänge an den Fenstern noch Fernseher in den Patientenzimmern des „Erlediger-Bereiches“ vorgesehen. Für die Männer stehe ein TV-Gerät im Gemeinschaftsraum zur Verfügung.

Die streikenden Patienten hätten nach Darstellung des Ministeriums das Frühstück noch teilweise zu sich genommen und sich außerdem im Laufe des Vormittages vom Pflegepersonal Milch aushändigen lassen und Kaffee gekocht. Die Mittagsmahlzeit sei bis zum Nachmittag von keinem eingenommen worden.

„Sofern eine Nahrungsaufnahme weiterhin nicht erfolgen wird und sich dadurch gesundheitliche Gefährdungen abzeichnen, wovon aktuell keine Rede sein kann, wären ärztliche Maßnahmen zu treffen. Derzeit finden nur regelmäßige Kreislaufkontrollen statt“, heißt es weiter. Die Patienten wollen ihren Streik fortsetzen: „Solange, bis wir jeder einen Fernseher bekommen“, sagte der 26-Jährige.  (mz)