Esel als Wolfs-Schutz?

Esel-Wachschutz für Rinder in Plömnitz: Esel-Halterin Uta Over widerspricht Landwirt Mirko Bader

Plömnitz/Giesendorf - Landwirt Mirko Bader (48) aus Plömnitz hält sich seit kurzem drei Esel, um seine Herde weidender Dexter-Rinder vor Angriffen von Wölfen zu schützen. Dabei beruft er sich auf Erfahren in der Schweiz und den USA sowie auf ein Pilotprojekt in ...

10.11.2017, 07:55
Eine Herde  Schafe weidet auf einer Wiese.
Eine Herde  Schafe weidet auf einer Wiese. Urheber: Chris Wohlfeld

Landwirt Mirko Bader (48) aus Plömnitz hält sich seit kurzem drei Esel, um seine Herde weidender Dexter-Rinder vor Angriffen von Wölfen zu schützen. Dabei beruft er sich auf Erfahren in der Schweiz und den USA sowie auf ein Pilotprojekt in Cuxhaven.

Ein für die Elbdeiche zuständiger Schäfer hält sich dort mehrere Esel, die zum Schutz gegen Wölfe in die Schafherde integriert werden sollen. Unterstützt wird das Esel-Schaf-Projekt in Niedersachsen vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), das Geld dafür kommt vom Landes-Umweltministerium in Hannover.

Dass diese Projekte funktionieren, daran hat Uta Over große Zweifel. Die inzwischen 75-Jährige schrieb als freie Journalistin und Autorin zahlreiche Bücher, vor allem über Pferde, und besitzt selbst mehrere Esel auf ihrem Grundstück in Giesensdorf (Landkreis Oder Spree, Brandenburg).

Von den Eseln nahe der Rinderherde in Plömnitz erfuhr Over durch Mitstreiter des Vereins Noteselhilfe aus Nechern (Kreis Bautzen). Wir dokumentieren hier ihre Meinung zu dem Thema:

„Esel benötigen eiweißarmes karges Futter”

„Diesen Leserbrief schreibe ich als Eselhalterin seit über 40 Jahren und als Wolfsbeauftragte der Noteselhilfe (www.noteselhilfe.org), die in der letzten Zeit etliche Esel aufnehmen musste, die auch Herden „schützen“ sollten.

Esel benötigen ein möglichst eiweißarmes karges und hartstieliges Futter, denn in ihrer Urheimat, den steinigen Wüsten in Nordafrika, wächst kein deutsches Weidegras. Und der Verdauungstrakt der Esel hat sich immer noch nicht darauf eingestellt. So besteht das Futter des Esels auch hierzulande vorzugsweise zu zwei Drittel aus grobem Heu und einem Drittel aus Stroh, dazu kommen Äste und Blätter zum Knabbern.

„Fette Weiden machen Esel krank”

Denn eigentlich sind Esel Blattfresser und keine Grasfresser. Fette Weiden, wie zum Beispiel Rinderweiden, machen Esel krank. Die Tiere verfetten, ihr Stoffwechsel entgleist und sie sind meistens fürs Leben gezeichnet.

So ist das im Artikel zitierte „wissenschaftliche“ Experiment des Niedersächsischen Umweltministeriums mit zwei Eseln auf dem Deich mittlerweile mehr als umstritten, ist doch einer der Esel schon gefährlich dick.

Außerdem spricht sich die Niedersächsische Tierärztekammer in ihrem Eselpapier aus tierschützerischen Gründen explizit gegen die Haltung von Eseln zum Herdenschutz aus. Esel brauchen einen permanent zugänglichen, gegen Wind und Regen geschützten, Unterstand mit festem Boden auch davor. Das ist sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Eseln fehlt der Nässe-Schutz im Fell

Haut und Fell der Esel sind im Gegensatz zu der von Rindern und Pferden nicht durchfettet, daher rinnt der Regen nicht vom Körper ab, sondern wird von der Haut aufgesogen - das Tier kühlt aus. Eine Auskühlung geschieht auch durch den im Artikel erwähnten „kräftigen Wind auf der kleinen Anhöhe“.

Der häufigste Grund für den Eseltod in Deutschland ist Bronchitis, danach kommt Verfettung. Zur angeblichen Verteidigung: Es stimmt - die meisten Esel hassen Hunde - meine auch. Wölfe aber sind eine ganz andere Liga, und das wissen die klugen Esel.

Gegen einen Wolf würden sie sich nur verteidigen, wenn es keine Fluchtmöglichkeit mehr gibt. Weshalb sie aber beispielsweise Rinder und Schafe verteidigen sollten, bleibt allen Eselhaltern ein Rätsel. Das „glauben“ nur Schäfer.

Zu den immer wieder zitierten und nie nachgefragten angeblichen „Erfahrungen aus dem Ausland“. Fakt ist, dass es keine einzige wissenschaftliche Studie und auch keine Erfahrungsberichte gibt, die auf unsere Verhältnisse - eingezäuntes Vieh, gesundheitsschädliches Futter für die Esel - übertragbar wäre.

Ein halbwild in den Pyrenäen aufgewachsener Rieseneselhengst zum Beispiel ist nicht zu vergleichen mit den hiesigen kleinen völlig unbedarften Hauseseln. Ganz abgesehen davon, dass die Schafe und Rinder in den Pyrenäen bei einem Wolfsangriff Fluchtmöglichkeiten haben.

Hiesige Nutztiere haben die nicht, sondern geraten in Panik, die sie in ihren Weiden kopflos herumrasen lässt. Und es gibt keinen einzigen belegten Fall, dass ein Esel eine Herde verteidigt hätte, aber etliche gefakte Berichte bei Facebook.

Außerdem: Unsere Vorfahren hätten ganz bestimmt darüber berichtet, wenn Esel als Herdenschutz taugten. Aber in keinem Märchen, in keiner Sage, in keinem Bericht ist davon die Rede. Das ist doch merkwürdig, oder?

Herdenschutzhunde hingegen - die sind allerdings teuer und das ist der Knackpunkt - sind zusammen mit einem guten Wolfszaun ein echter Schutz. Beides wird mittlerweile hoch subventioniert. Ist aber leider immer noch deutlich teurer als ein billiger Esel, der dazu noch schweigend leidet.“

Uta Over, Fachjournalistin für Pferde, Tauche in Brandenburg

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