Bildung

Eigenständiges Promotionsrecht für Hochschule Anhalt

Nun können Nachwuchswissenschaftler auch ohne Beteiligung einer Universität zum Doktortitel geführt werden. Was das für die Region bedeutet.

Von Robert Martin
Eduard Siemens (li.) und Jörg Bagdahn im Gespräch über die Zukunft der Promotion an Hochschulen.
Eduard Siemens (li.) und Jörg Bagdahn im Gespräch über die Zukunft der Promotion an Hochschulen. Foto: Ute Nicklisch

Bernburg/Köthen/MZ - Die Promotionszentren mit Beteiligung der Hochschule Anhalt haben ihre Arbeit aufgenommen. Das erklärten Hochschulpräsident Jörg Bagdahn und Eduard Siemens, Leiter eines der Zentren, im MZ-Gespräch.

Von nun an können Studenten der Hochschule künftig auch zu Doktorwürden gelangen, ohne dass ein Promotionsstudium in Zusammenarbeit mit einer Universität notwendig ist.

An vier von fünf beteiligt

Zur Umsetzung haben sich die Hochschulen Anhalt, Magdeburg-Stendal, Merseburg und Harz zu fünf Promotionszentren zusammengeschlossen. An vier von ihnen ist die Hochschule Anhalt beteiligt, zwei von ihnen sind ausschließlich an der Hochschule angesiedelt. Dabei handelt es sich um die Forschungszentren „Life Sciences“ und „Architektur und Designforschung“. Hochschulübergreifende Verbundzentren sind das von Eduard Siemens geleitete „Ingenieurwissenschaften und Informationstechnologien“ und „Sozial-, Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaften“.

Möglich wurde dieser Schritt durch eine entsprechende Verordnung, die das Wissenschaftsministerium unter Leitung von Armin Willingmann (SPD) Anfang Mai erließ. Sachsen-Anhalt ist nach Hessen und Nordrhein-Westfalen erst das dritte Bundesland, in dem an besonders forschungsstarken Bereichen der Hochschulen ohne Kooperation mit Universitäten Doktortitel vergeben werden dürfen.

„Der Zugang zu guten Doktoranden ist der Schlüssel“

Die Hochschulen in Deutschland fordern seit langem ein eigenständiges Promotionsrecht, um im Wettbewerb mit den Universitäten bestehen zu können. In dem stehen sie auch, wenn es um die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten für Professuren geht. Daneben spielt auch die Gewinnung von leistungsstarken Promotionskandidaten eine große Rolle. „Der Zugang zu guten Doktoranden ist der Schlüssel“, erklärt Jörg Bagdahn und spricht von einem „Kampf um Köpfe und Mittel“. Denn der Zugang zu vielen Stipendien und Forschungsmitteln sei an Promotionsstudenten gekoppelt.

Auch müssen sich die Hochschulen nun keine Sorgen mehr darum machen, dass leistungsstarke Promotionskandidaten abspringen und an Universitäten wechseln. „Wenn Sie jemanden gewinnen wollen, müssen Sie Anreize schaffen“, fasst Jörg Bagdahn zusammen. Nicht zuletzt ist die Forschung an den Hochschulen ohne Promotionsstudenten nicht vorstellbar, weshalb die Neuregelung Druck von der Arbeit der Hochschulen nimmt. „Das Gros der Forschung wird von Doktoranden gemacht“, erklärt Eduard Siemens. Zwar freuen sich die beiden Professoren sehr über die Neuregelung. Gleichzeitig bedeute es auch mehr Arbeit ohne Extra-Förderung, wie sie erklären.

„Wir kriegen keinen Euro mehr“, so Eduard Siemens. „Mit mehr Rechten und Möglichkeiten ergibt sich mehr Verantwortung, daran werden wir gemessen werden“, sagt Jörg Bagdahn. Die Kooperation mit den Universitäten werde indes weiter bestehen bleiben, versichert Eduard Siemens. „Wir haben jetzt die Strukturen geschaffen für die eigenständige Promotion. Es ist eine Alternative.“ „Jetzt diskutieren wir auf Augenhöhe“, freut sich Hochschulpräsident Bagdahn.

Gut für die Region

Ein weiterer Vorteil des neuen Systems: Die Hochschulstandorte, im Fall der Hochschule Anhalt sind das Köthen, Bernburg und Dessau, profitieren vom Ausbau der Forschungsaktivitäten. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, von denen es in der Region viele gibt. „In vielen Fällen sind das ja unsere Kooperationspartner“, erklärt Eduard Siemens und spricht von einer „Win-Win-Situation“. Aktuell werden vor allem Verfahrensfragen geklärt. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die ersten Promotionsverfahren im Herbst anlaufen. Ein Promotionsstudium dauert in der Regel drei bis fünf Jahre.