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  7. Bernburg Schlägerei: Gerichtsurteil nach brutaler Gewalttat

Zweites Urteil nach GewalttatZeuge redet sich nach Schlägerei in Bernburg vor Gericht um Kopf und Kragen

Mit einer Bewährungsstrafe endet für den Angeklagten der Prozess nach einer Schlägerei auf der Wilhelmstraße in Bernburg im Juni 2021. Entscheidenden Anteil daran hatte sein bereits verurteilter Mittäter.

Von Carsten Roloff Aktualisiert: 09.12.2023, 11:42
Brutal zusammengeschlagen haben zwei Bernburger einen Mann vor fast zweieinhalb Jahren. Jetzt stand der zweit Täter vor Gericht.
Brutal zusammengeschlagen haben zwei Bernburger einen Mann vor fast zweieinhalb Jahren. Jetzt stand der zweit Täter vor Gericht. (Symbolfoto: dpa)

Bernburg - In den frühen Morgenstunden des 27. Juni 2021 haben zwei Bernburger einen anderen jungen Mann in der Wilhelmstraße brutal zusammengeschlagen. Das Opfer der massiven Attacke erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch, eine Kieferfraktur, einen Rippenbruch und etliche Hämatome am ganzen Körper.

Massive Verletzungen: Prozess gegen zweiten Täter

Der Bernburger lag drei Tage lang im Uniklinikum Halle, wurde dort operiert, konnte sich vier Woche lang nur flüssig ernähren und musste elfmal zur Nachbehandlung der Verletzungen das Krankenhaus in Halle aufsuchen. Er war mehr als einen Monat krankgeschrieben und leidet noch heute an den Folgen der Attacke.

Während einer der beiden Männer für diese Straftat am 31. Mai 2023 bereits rechtskräftig verurteilt worden ist, saß der andere Schläger auf der Anklagebank. Neben der schweren Körperverletzung wurde ihm auch Raub vorgeworfen. Denn dessen damaliger Kompagnon hatte sowohl bei der Polizei als auch bei seiner Hauptverhandlung behauptet, dass der Angeklagte den Rucksack des Opfers geklaut hatte, als es besinnungslos auf dem Pflaster der Wilhelmstraße lag.

Zeuge aus Medellin hatte Tat beobachtet

Ein momentan in Medellin (Kolumbien) lebender Zeuge hatte beobachtet, dass einer der beiden Schläger diese Tat begangen hat. In dem Rucksack befand sich neben 15 Euro Bargeld, Personalausweis und Airpods auch ein Jahr altes iPhone von Apple (Neuwert 1066 Euro).

Der bereits verurteilte 20-jährige Bernburger saß nun im Zeugenstand und sollte klipp und klar erklären, wer den Rucksack gestohlen hat und weshalb er seinen damaligen Freund bei der Polizei belastet hatte. Die Antworten des Zeugen auf die Fragen von Staatsanwältin, Verteidiger und Schöffengericht hatten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts, aber auch gar nichts mit der Wahrheit zu tun.

Kontakt zu ehemaligen Freunden abgebrochen

Der stadtbekannte Kriminelle redete sich um Kopf und Kragen, verstrickte sich immer wieder in Widersprüche, bis André Stelzner es satt hatte. „Sie eiern hier nur rum und beantworten keine Frage“, so der Strafrichter.

Der Angeklagte hatte den Raub immer wieder abgestritten und nach dieser brutalen Tat sein Leben komplett umgekrempelt. Der junge Mann geht einer Arbeit nach, hat den Drogen abgeschworen und den Kontakt zu seinen „ehemaligen Freunden“ komplett abgebrochen. Das berücksichtigte das Schöffengericht bei seiner Entscheidung.

Raub nicht nachweisbar

Zehn Monate auf Bewährung lautete das Urteil für gemeinschaftlich begangene schwere Körperverletzung. „Sehen Sie das als Chance und als Schuss vor den Bug“, sagte André Stelzner.

Den Raub konnte das Schöffengericht nach der Beweisaufnahme dem Beschuldigten nicht zweifelsfrei nachweisen. Es könnte genauso gut sein, dass sein damaliger Kumpel den Rucksack genommen hat. Und für diese Vermutung spricht sehr viel.