Ein Druck zum Jubiläum

Zum zehnten Tomatentag in Aschersleben wurde eine Broschüre aufgelegt

Worum es darin geht und welche Geschichten dahinter stecken.

Von Detlef Anders
Gisela Ewe präsentiert dem MZ-Fotografen das Druckwerk.
Gisela Ewe präsentiert dem MZ-Fotografen das Druckwerk. Foto: Frank Gehrmann

Aschersleben/MZ - Wer weiß schon, dass ein Zeitungsartikel von Gisela Ewe und Dr. Rolf Bielau in der MZ dazu führte, dass eine von Christoph Kleinhanns in Eisleben gezüchtete Tomate mit dem Namen „Nadja“ mit Erfolg im amerikanischen Seattle angebaut wird, weil sie gut in das dortige Klima passt?

„Die große Reise einer kleinen Tomate“ ist nur einer der Beiträge, die in einer zum 10. Tomatentag in Aschersleben am 11. September erschienenen Broschüre zu lesen ist. Gisela Ewe, deren Idee, viele Tomatensorten anzubauen, zum Aufbau des Tomatengartens in der Kleingartensparte „Froser Straße“ geführt hatte, hat die Broschüre maßgeblich mit erstellt.

Kuriose Bilder von Tomaten

Sie informiert von der ersten Idee des Sammelns von Samen nach einem Landwirtschaftsfest in Bernburg-Strenzfeld bis zu einem Jahr, in dem 200 verschiedene Tomatensorten angebaut wurden, die dann beim Tomatentag präsentiert wurden. Die Tomatentage sind Besuchermagnete und an ihre Geschichte wollen die Initiatoren erinnern. Das Ergebnis eines Vergleichsversuchs zur Frage, ob es die originale Harzfeuer F1 noch gibt, ist ein eigenes Kapitel, wie die Geschichte des Samenanbaus in Aschersleben. Historische Fotos der Tomatenzucht und Zuchtstationen in der Region von Jürgen Meusel sowie kuriose Bilder von Tomaten illustrieren die Beiträge.

Gisela Ewe gibt einen Exkurs in die Geschichte der Tomate, Gisa Hoppe aus Quedlinburg beleuchtet die Arbeit der Arbeitsgruppe Tomaten im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, Heinz-Dieter Hoppe schreibt über den erfolgreichsten amerikanischen Tomatenzüchter Livingston und Rolf Bielau über die Rolle Mitteldeutschlands und Brandenburgs in der Tomatenzüchtung.

Bekannten Gemüsezüchtern wird gebührender Platz eingeräumt

Bielau widmet dem bekannten Quedlinburger Gemüsezüchter Friedrich Fabig einen Beitrag, Ewe dem Weg von Christoph Kleinhanns vom anerkannten Tomatenzüchter in Eisleben zum erfolgreichen Galeristen in Gernrode. Der Historiker Udo W. Stephan hat dem Gründungsdirektor des Instituts für Kulturpflanzenforschung Gatersleben, Hans Stubbe, einen Beitrag gewidmet. Außerdem informieren die Autoren über einen Kontakt nach Australien aufgrund eines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 2017.

„Wir wollten darstellen, was wir gemacht haben“, erklärt Gisela Ewe den Hintergrund. Aschersleben wird als Saatgutstadt gewürdigt. „Eine der größten Firmen ist schon im 19. Jahrhundert in Aschersleben gegründet worden“, hebt Ewe hervor. Der Aufwand war immens. „Ich habe an zwei Computern gesessen“, verrät die 74-Jährige.

Was alles angeboten wird

Beim Tomatentag am 11. September können sich die Besucher von 9 bis 13 Uhr nicht nur den Garten ansehen. Der Schackstedter Verein Natur und Heimat werde dabei sein, zwei Frauen, die gestrickte Früchte anbieten, haben zugesagt. Von den angebauten Tomaten könne leider nicht gekostet werden, sagt Gisela Ewe. „Wenn da morgens jeder was isst, haben wir mittags keine mehr“, bittet sie um Verständnis. Es gebe ja immer nur zwei Pflanzen von einer Sorte.

Oberbürgermeister Andreas Michelmann (Widab) dankt im Vorwort Gisela Ewe „für ihr unermüdliches Engagement“. Sie habe aus einer Idee ein erfolgreiches Projekt gemacht. „Der Tomatengarten ist eine Augenweide, er ist ein Ort des Austausches und trägt seine Früchte weit über die Grenzen der Stadt hinaus“, stellt der Oberbürgermeister fest. Der Druck wurde über Spenden mit Hilfe der Stadt finanziert. Die Interessengruppe Tomatengarten ist nun Mitglied im Verschönerungsverein, sagt Gisela Ewe. Die Broschüren gibt es in der Stadtinformation für zwei Euro.