Mit Wurfmaschine

Verein „Jagdliches Schießen 1990“ Aschersleben lädt am 10. Oktober ein: Um den Pokal der Wiedervereinigung

Aschersleben - Gegenwärtig bereiten sich die 53 Vereinsmitglieder auf den diesjährigen sportlichen Jahreshöhepunkt vor. Das wäre zwar traditionell der immer im Mai stattfindende renommierte Harz-Pokal gewesen, der musste diesmal aber wegen Corona abgesagt werden. So wie andere Vereinsveranstaltungen auch. Deshalb haben die Organisatoren jetzt den „Pokal der Wiedervereinigung“ im Trap-Schießen im Visier. Der geht am 10. Oktober über den Schießstand des Vereins.

Von Harald Vopel 08.10.2020, 07:56

Der Schießstand liegt wie ein romantischer Park mitten in den Westerbergen zwischen Aschersleben und Mehringen. Saubere Wege, gepflegte Rasenflächen und moderne Schießanlagen. Und wenn nicht gerade die Büchsen knallen, dann herrscht hier auch noch entspannte Ruhe. Es ist das Zuhause des Ascherslebener Schützenvereins „Jagdliches Schießen 1990“.

Gegenwärtig bereiten sich die 53 Vereinsmitglieder auf den diesjährigen sportlichen Jahreshöhepunkt vor. Das wäre zwar traditionell der immer im Mai stattfindende renommierte Harz-Pokal gewesen, der musste diesmal aber wegen Corona abgesagt werden.

So wie andere Vereinsveranstaltungen auch. Deshalb haben die Organisatoren jetzt den „Pokal der Wiedervereinigung“ im Trap-Schießen im Visier. Der geht am 10. Oktober über den Schießstand des Vereins. Dazu werden - wie in jedem Jahr - renommierte Teilnehmer erwartet, sagt der Vereinsvorsitzende Uwe Pilz. Alles werde unter Einhaltung der geltenden Corona-Regeln stattfinden.

Gegründet wurde der Verein am 16. Februar 1990. Er hat aber eine viel längere Tradition. In den Westerbergen wird nämlich schon seit 1956 auf die fliegenden Tonscheiben gezielt. Immer in der Disziplin Trap. Und das mit Erfolg. Sogar auf internationaler Bühne.

In den 1960er Jahren war es Joachim Marscheider, der als Medaillengewinner bei Welt-, Europa- und DDR-Meisterschaften für Furore sorgte. Sogar bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokyo war er am Start und belegte den achten Platz im Tontaubenschießen, wie die Sportart damals noch hieß. Andere, die in den Westerbergen das Abc des Trapschießens erlernt haben und international erfolgreich waren, hießen unter anderem Jürgen Henke (Vize-Weltmeister), Jochen Koch und Burkhard Hoppe (beide Europameister).

In der DDR wurde der Schießsport unter der Regie der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) betrieben. So auch in Aschersleben. Hier war auch das Nachwuchs-Leistungszentrum des Bezirkes Halle unter der Leitung des Trainers Jochen Koch angesiedelt.

Nach der Wende verschwand - wie andere Organisationen auch - die GST. Das war schließlich auch der Grund dafür, dass sich der Verein unter dem Namen „Ascherslebener Schützenverein Jagdliches Schießen“ neu gründete. Auch dabei führte Jochen Koch maßgeblich Regie.

Seitdem hat sich auf dem Vereinsgelände einiges getan. Neben Schönebeck besitzt Aschersleben den größten Trap-Stand in der Region. Beste Voraussetzung, um hier regelmäßig die Kreismeisterschaften zu veranstalten.

Besonders stolz ist man auf die inzwischen vierte Generation der Wurfmaschinen. Die befördern die Wurfscheiben mit einer Geschwindigkeit von rund 100 Kilometern je Stunde ins Schussfeld. Alles ist computergesteuert, erklärt der Vereinsvorsitzende Pilz.

Für die Schützen seien das beste Bedingungen und internationaler Standard. Allerdings sei es auch der am schwersten zu schießende Stand in Deutschland. Grund sei die am Vormittag tief stehende Sonne. „Wer hier gut schießt, der kann das auch auf jedem anderen Stand“, so Uwe Pilz.

Auszubildenden und Studenten der Fachhochschule Polizei absolvieren hier ihre Schießausbildung

Damit Anfänger nicht gleich mit diesen Bedingungen konfrontiert werden, gibt es auf dem Gelände auch einen sogenannten Turbulenzautomaten. Der sei besonders gut für die Vorbereitung auf die Jagdprüfung geeignet, so dass er auch den Jägern zur Verfügung stehe, erklärt Pilz. 

Genau wie der Kugelstand den Auszubildenden und Studenten der Fachhochschule Polizei, die hier einen Teil ihrer Schießausbildung absolvieren können.

Aber - wie in vielen anderen Vereinen auch - gibt es ein Problem. Es fehlt an Nachwuchs. „Der Altersdurchschnitt unserer Mitglieder liegt inzwischen bei Anfang 60“, sagt der Vorsitzende. Auch deshalb gäbe es die Möglichkeit für Firmen, Institutionen oder Sportvereine, mit ihren Mitarbeitern und Mitgliedern hier ins Trap-Schießen zu schnuppern.

Unter fachkundiger Anleitung. Das werde auch gut genutzt, weiß Uwe Pilz. Sogar bekannte Boxer wie Robert Stieglitz, Dominic Bösel und Dirk Dzemski waren schon hier und haben ihre Treffgenauigkeit außerhalb des Rings getestet.

Übrigens - um die Anlage und das Vereinsleben in Schuss zu halten, werden regelmäßige Arbeitseinsätze organisiert. Außerdem sind da noch Wolfgang Pätz - die gute Seele des Vereins - und ein Mitarbeiter, der über eine Beschäftigungsmaßnahme auf dem Vereinsgelände arbeitet. (mz)