Was ist denn das?

Schmidtmannstraße in Aschersleben: Auf dem Friedhof gibt es bald einen Naturlehrpfad

Aschersleben - „Friedhof ist nicht nur Tod. Friedhof ist auch ein Ort der Begegnung, der Kommunikation, der Bildung und des Umweltschutzes“, sagt Holger Dietrich.

Von Regine Lotzmann 31.07.2018, 07:56

Bienen auf dem Friedhof? Das mutet auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen seltsam an. Ist es aber nicht. Denn: „Friedhof ist nicht nur Tod. Friedhof ist auch ein Ort der Begegnung, der Kommunikation, der Bildung und des Umweltschutzes“, findet Holger Dietrich.

Dass nun seit kurzer Zeit drei Bienenvölker auf einem abgelegenen Areal des Ascherslebener Zentralfriedhofs ihrer Arbeit nachgehen, sieht der Friedhofsverwalter deshalb nicht als ungewöhnlich an, sondern als Beitrag zum Artenschutz. „Damit die bedrohten Honigbienen nicht aussterben.“

„Aktiver Beitrag zum Umweltschutz"

Damit ist der Ascherslebener Friedhof in guter Gesellschaft. Auch in Wien, Offenbach oder Ludwigsburg summen die kleinen Honigsammler über die Gottesäcker. „Wir sehen den Friedhof als große Grünfläche, die einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten muss“, begründet Dietrich das und nennt viele Puzzleteile, die dazu beitragen.

So wurde schon eine Blühwiese angelegt. Im August sollen die beiden Insektenhotels aufgestellt und die Nistkästen angebracht werden, die der Friedhof gerade erst beim Naturpark-Wettbewerb als Preise im Wert von 500 Euro gewonnen hat.

Im September wird ein Naturlehrpfad eröffnet

Und im September wird ein Naturlehrpfad eröffnet. Der wird mit Hilfe einer Biologielehrerin auf fünf Tafeln über Waldtiere und Insekten, Vögel, Wiesen und Bäume informieren. Pläne, die auch bei den Gewerken, die mit dem Friedhof zu tun haben, wie etwa Gärtner und Steinmetze, gut ankommen.

Ob sie weitere Ideen hätten, wurden sie gefragt. Und Mike Beyer, Steinmetz aus Reinstedt, brachte seine Honigbienen ins Spiel. Die stehen nun dort, wo es viele Linden gibt. Auf einer Wiese, abseits, mit wenig Publikumsverkehr.

Schilder warnen Passanten. „Vorsicht! Stechgefahr! Bienen!“

Und in einem Teil des Friedhofs, der in einigen Jahren geschlossen und zu einem naturnahen Park umgestaltet werden soll. Schilder warnen zufällige Passanten. „Vorsicht! Stechgefahr! Bienen!“, steht darauf.

„Sie verteidigen ihren Bienenstock bei Störungen“, hat der Imker dazu geschrieben und gleich ein bisschen Aufklärung betrieben. Mit einem Zitat von Albert Einstein. „Wenn die Bienen aussterben, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“

Wildbienen bauen Waben an einem Baum

Und so freut sich Holger Dietrich, dass sich jetzt nicht nur die Zuchtbienen auf dem Friedhof wohlfühlen, sondern auch wilde Bienen. Durch Zufall hat der Friedhofsverwalter an einem Baum eine dicke Traube entdeckt. Das Besondere daran: Sie bauen ihre Waben nicht in den Baum hinein, sondern - wohl wegen der extremen anhaltenden Hitze - nach außen.

Wie Kiemen sehen die aneinandergereihten Platten aus, die da am Baumstamm pappen. „Dass sie so frei bauen, ist außergewöhnlich“, findet Dietrich, der von den Wildbienen ganz begeistert ist. Und freudig fügt er hinzu: „Das ist genau das, was wir wollen.“ (mz)