Planetarium

Planetarium: Sternenfreunde feiern 40 Jahre Himmelsbeobachtung

Aschersleben - Das Planetarium Aschersleben feierte seine Gründung im Jahr 1976.

Von Marianne Bothe

Ein Blick in den funkelnden Nachthimmel erzeugt Magie. Seit es Menschen gibt. Er gibt viele Rätsel auf und weckt Neugier und Fantasie. Ihr ginge es vor dem Stadtrat so, gesteht Ria Uhlig, die am Freitagabend stellvertretend für Oberbürgermeister Andreas Michelmann den Sternfreunden Aschersleben die Grüße und Glückwünsche der Stadt überbringt. 40 Jahre Astronomie in Aschersleben gibt es zu feiern, und so luden die Vereinsfreunde um ihren Vorsitzenden Robert Malecha zu einer Sonderveranstaltung ins Bestehornhaus.

Wie ginge das Feiern besser und eindrucksvoller als mit einer Fotoreise durch das Universum. Dafür gewannen sie den Stuttgarter Astrofotografen Stefan Seib. Der kam an die Eine, im Gepäck eine beeindruckende Kollektion seiner Himmelsaufnahmen. Alle Gäste im kleinen Saal wurden für eine Spielfilmlänge Sternengucker.

Planetarium Aschersleben eröffnete 1976

Die meisten sind es aber im Grunde immer. Zahlreiche Sternfreunde befreundeter Vereine aus Halle, Magdeburg, Quedlinburg und Wernigerode kann Malecha gleich zu Beginn begrüßen. Extra Applaus gebührt einem besonderen Gast: Günter Scheffler. Dem heute 95-Jährigen verdankt Aschersleben wohl weitgehend sein Planetarium. 1976 wurde es eröffnet. Zehn Jahre lang erklärte der ehemalige stellvertretende Lübenschul-Direktor dort die Sterne. Nun wünscht er den Nachfolgern viele schöne Jahre und verabschiedet sich, bevor die Fotoreise startet.

Auch vor 40 Jahren, nämlich im September 1976, gründete sich die Fachgruppe Astronomie und Raumfahrt beim Kulturbund. Die Raumfahrt nahm in jenen Jahren eine rapide Entwicklung, war populär und mit großen Hoffnungen verbunden. 1975 dockten zum Beispiel eine Apollo- und Sojus-Kapsel erstmals aneinander an, 1978 startete Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn als erster Deutscher ins Weltall, zehn weitere folgten ihm.

„Es war Günter Scheffler, der mich damals, als ElfJährigen, auf dem Hof der Lübenschule in der Welt der Astronomie begrüßt hatte“, sagt Malecha in großer Dankbarkeit und erinnert sich an viele Vorträge am Burgplatz, Veranstaltungen und interessante Reisen in der Folgezeit. Sein Dank geht auch in Richtung vieler weiterer Astrofreunde, die - wie seine Mutter zuvorderst - sein Interesse für das weite Universum weckten und die Beschäftigung damit möglich machten.

Der Verein der Sternfreunde Aschersleben selbst wurde 1992 mit sieben Leuten ins Leben gerufen, vereint heute deutschlandweit 22 Mitglieder im Alter zwischen 15 und 84 Jahren unter einem Dach und verfügt über zwei Teleskope zur Himmelsbeobachtung.

„Wir haben leider kein so tolles Planetarium wie Aschersleben, aber dafür einen Stern.“ Mit einem Foto von Epsilon Aurigae überbringen die Quedlinburger Sternfreunde ihre Glückwünsche zum 40., den sie bereits im Vorjahr begingen. Ein Quedlinburger Pfarrer und Hobbyastronom namens Fritsch beobachtete den Himmel und entdeckte vor 200 Jahren den veränderlichen Epsilon Aurigae, der sich alle 27 Jahre verdunkelt. Seine Wahrnehmung wurde später wissenschaftlich bestätigt. Die Quedlinburger Hobbyastronomen von heute arbeiten eng und gut mit denen aus Aschersleben zusammen.

Im vorigen Jahr bei der Überfahrt zu den Färöer Inseln begegneten Aschersleber Sternfreunde erstmals Stefan Seip. Sie einte das Ziel, die Sonnenfinsternis zu beobachten. Denn Himmelsbeobachtung und Astrofotografie haben auch ganz viel mit Reisen zu tun. Reisen, bei denen man auf interessante Menschen trifft, mit denen man über das Hobby ins Gespräch kommt und sich austauscht.

Der Weltraum rückt begreifbar nahe

Stefan Seip, der ferne Länder bereist, spektakulären Himmelsereignissen auf der Spur, sie fotografisch sichtbar macht, folgte der Einladung nach Aschersleben und nimmt nun die Gäste des Abends mit auf eine spektakuläre Reise. Seine Teleskop-gekoppelte Kamera lichtet den Mond, die Sonne, Planeten, Sterne und Sternhaufen, Nebel mit fantastischen Details und Farben ab und noch Millionen Lichtjahre entfernte Galaxien, die das menschliche Auge nicht blicken kann. Den Weltraum mit seinen unendlichen Weiten, der so begreifbarer nahe rückt.

„Hab den Mond mit der Hand berührt...“, sang schon Karat’s Herbert Dreilich. Vor wenigen Tagen, mit dem vollen Supermond in 356 509 Kilometer Entfernung, hätte es beinahe geklappt. „...als die Erde schlief“, vervollständigt der Songtext. „Ein paar Sekunden hat er mich verführt, mit den Sternen zu zieh’n.“ (mz)