Nach 45 Jahren im Dienst

Leiterin der Luisenschule in Aschersleben geht in Rente

Für den Berufswunsch macht Ute Riebert ihre Grundschullehrerin verantwortlich, die ihr Vorbild war.

Von Detlef Anders
Ute Riebert wurde am Mittwoch in der Luisenschule verabschiedet.
Ute Riebert wurde am Mittwoch in der Luisenschule verabschiedet. (Foto: Frank Gehrmann)

Aschersleben/MZ - Wenn Ute Riebert am Mittwoch aus der Schule kommt, dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 45 Jahre war sie Lehrerin, 30 davon Rektorin und Fachlehrerin der Luisenschule Aschersleben. Einer 1880 am Promenadenring gebauten Schule, in der es im Sommer stets angenehm kühl war und in der es seltener „hitzefrei“ gab als an anderen Schulen.

Ute Riebert wird am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet. Als sie nach der Wende von einem Kollegen als Schulleiterin der Luisenschule vorgeschlagen wurde, hatte sie zunächst abgewehrt. „Ich bin mit Leib und Seele Lehrerin. Für mich ist das kein Beruf, sondern eine Berufung“, erklärt sie.

Es gehe nicht darum, dass alle einen Durchschnitt von 1,0 haben, sondern darum, dass jedes Kind nach seinen Möglichkeiten lernen kann, gefordert und gefördert wird, und dass Normen herrschen. Wichtig sei ihr stets ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis gewesen. Sie wollte das Bemühen der Schüler und die Unterstützung der Eltern.

Dass das gelang, sieht sie, wenn sie von ehemaligen Schülern und Eltern gegrüßt und angesprochen wird. Wenn sie sieht, dass sie in der Grundschule eine gute Grundlage für die spätere Entwicklung eines Menschen gelegt haben, ist sie stolz.

„Lehrerin war immer mein Berufswunsch.“

Ute Riebert, langjährige Leiterin der Luisenschule in Aschersleben

Die Eltern von Ute Riebert waren Landwirte. Für den Berufswunsch macht sie ihre Grundschullehrerin verantwortlich, die ihr Vorbild war. „Lehrerin war immer mein Berufswunsch.“ Die Ascherslebenerin studierte in Weißenfels und kam dann in die Heimatstadt zurück. Dass sie als Schulleiterin vorgeschlagen wurde, lag sicher mit daran, dass sie politisch unbelastet war.

Der erste Tag als Chefin war die Einschulung 1991, erinnert sich Ute Riebert. Die Tage zuvor waren denkwürdig. „Die Schule war komplett leergeräumt. Alle Möbel waren auf andere Einrichtungen verteilt.“ Und die vom Schulamt bestellten neuen Möbel kamen nicht pünktlich.

Als sie „den alten Krempel“ wieder reingestellt hatten, kam am Freitagnachmittag der Anruf aus Bayern, dass die Möbel in einer Stunde da wären. „Also wieder alles raus und für die Einschulung am Sonnabend wieder eingerichtet“, berichtet sie.

Natürlich sah die Schule, in der damals 280 Kinder unterrichtet wurden, - heute 200 - noch so aus, wie die Jahre zuvor. Wasserflecken an den Wänden waren mit Plakaten verdeckt. Sie holte die Stadtverordneten, dann kamen die Maler. Nach der Sanierung „Stark-III-Förderung“ 2014 sind alle Räume saniert. Eine Herausforderung sei auch der Zusammenschluss mit der Grundschule in der Froser Straße gewesen, erinnert sie sich.

Was das Schönste war? Ute Riebert schwärmt vom ersten Winterlager aller Schüler und Lehrer im damaligen Kinder- und Erholungszentrum in Güntersberge Mitte der 90er Jahre. Fasching wurde gefeiert, gerodelt und Zeugnisse übergeben.

Ute Riebert freut sich auf Urlaube in Familie und sie will künftig mehr lesen

Ein Sommerlager folgte. Sie erinnert sich an viele Verabschiedungen der 4. Klassen im Grauen Hof. Sie hat sogar den Luisen-Preis als besondere Ehrung für die Kinder erfunden, die für ihre Schule auf sportlichem, künstlerischem oder musischem Gebiet gekämpft haben und die Luisenschule nach außen vertreten. Dann gab es Weihnachtsgalas im Bestehornhaus.

Um für die ständigen Herausforderungen Kraft zu tanken und um gesund zu bleiben, habe sie sich mit Sport abgelenkt, erzählt sie. Sie ging regelmäßig ins Fitnessstudio und anschließend in die Sauna, machte Nordic Walking. Nun freut sich Ute Riebert auf mehr Zeit für ihre Familie, ihren Mann, mit dem sie seit 44 Jahren verheiratet ist, auf gemeinsame Reisen – sie sind Ostseefans - auf die Familien der beiden Söhne und vor allem die beiden Enkelinnen. Sie will sich sprachlich weiterbilden, wieder mehr lesen.

„Es war schön, dass ich mit einem guten Team arbeiten konnte, mit dem man durch dick und dünn gehen kann“, hebt sie am Ende aber noch einmal hervor. „Und das Arbeiten mit den Kindern.“ Sie hofft, dass es am Mittwoch nicht so emotional wird, wie schon mal bei Abschiedsworten von Eltern nach der 4. Klasse. Ute Riebert hinterlässt aber nun einmal große Fußstapfen.