Maler im Sommeratelier

Kunstwerke von Andreas Bausch in Aschersleben fordern Fantasie heraus: Farbrolle trifft großformatiges Papier

Aschersleben - Wann ein Bild fertig ist, das entscheidet der Künstler manchmal sofort, meist aber erst nach Tagen, Wochen oder sogar erst nach Jahren. Er habe in seinem Kölner Atelier Arbeiten, die bereits seit 20 Jahren auf ihre Vollendung warten.

Von Harald Vopel

„Ich will meine Malerei nicht im Griff haben, sondern die Bilder mich“, sagt Andreas Bausch. Der Kölner ist einer von drei Künstlern, die im Rahmen des diesjährigen Ascherslebener Sommerateliers im Bildungszentrum Bestehornpark arbeiten.

Inzwischen schuf er eine ganze Werkgruppe von Arbeiten. Nichts Gegenständliches. Vielmehr Abstraktionen, die sich aus der Geschwindigkeit - manchmal sind es nur Minuten, die Andreas Bausch bei seiner Arbeit an den Tag legt, ergeben.

Auf großformatigem Papier mit den einfachen Mitteln von Farbrollen, wie sie ansonsten Anstreicher handhaben, entstehen Bilder ähnlich wie Filmstreifen. Sie fordern die Fantasie des Betrachters von vornherein heraus.

Die Kunstwerke von Andreas Bausch fordern die Fantasie heraus

Er sei kein Künstler, der die Ideen des Publikums vorwegnimmt, sagt Bausch von sich. Um so besser, wenn dann beim Betrachten seiner Werke beim Kunstkonsumenten selbst Abstraktionen zum Gegenständlichen und der Poesie entstehen.

Wann ein Bild fertig ist, das entscheidet der Künstler manchmal sofort, meist aber erst nach Tagen, Wochen oder sogar erst nach Jahren. Er habe in seinem Kölner Atelier Arbeiten, die bereits seit 20 Jahren auf ihre Vollendung warten.

Immer wieder ergeben sich Gelegenheiten, die darüber entscheiden, ob vielleicht erst ein weiterer Farbauftrag für das Finale sorgt. Auch deshalb bezeichnet der Künstler seine Arbeiten als unfertig-vollendete Bilder.

Was anderes als Künstler wollte der 54-Jährige eigentlich nie werden. Schon als ihm in Kindertagen sein Vater einen Ölmalkurs schenkte, war das Feuer entfacht. Lediglich im Alter von 14 bis 16 habe er dann keinen Pinsel angefasst. Aber dann begegnete er während eines Italienaufenthalts einem türkischen Profi-Künstler - und die Leidenschaft zur Malerei war wieder zurück.

Andreas Bausch studierte Kunst an der Fachhochschule in Köln

Später studierte der gebürtige Wiesbadener an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln als Meisterschüler Malerei bei Professor Karl Marx und Film bei Robert van Ackeren. Es folgten zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Stipendien.

Entgegen seiner Gewohnheit hat Bausch drei seiner Aschersleben-Arbeiten Titel gegeben. Inspiriert von einer Wanderung durch den Harz, nennt er sie „Die schöne Ilse“, „Die Eine“ und „Die Bode“. Sie vermitteln nicht nur die fließende Bewegung, sondern gleichzeitig auch poetische Stille.

Ein weiteres Feld, welches der Kölner beackert, ist die Fertigung von Anagrammen. Dabei entstehen durch Umstellung von Buchstaben, aus vorgegeben, neue Sätze. So wird bei ihm aus „Die Erotik der Unterbrechung“ schließlich „Die Geburt erkor ein Recht - und .... die Erotik der Unterbrechung“.

Bauschs Vielseitigkeit spiegelt sich unter anderem auch darin wider, dass er auch in Sachen Experimentalmusik unterwegs ist. Musiziert wird dann mit Freunden - kommuniziert nur über die Instrumente, erzählt er.

Und mehr als ein Hobby ist schließlich die Liebe zur Literatur. Besonders zu den großen Klassikern der Weltliteratur. So habe er in den vergangenen Wochen in Aschersleben unter anderem „Die Harzreise“ von Heinrich Heine und „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm verschlungen. (mz)