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Jüdische KulturtageJüdischer Friedhof in Aschersleben jetzt mit Video-Guide

Ein Video-Guide, der im Rahmen der Jüdischen Kulturtage übergeben wurde, soll mehr über den Jüdischen Friedhof in Aschersleben verraten. Dabei wissen die Wenigsten, wo sich dieser überhaupt befindet.

Von Regine Lotzmann 08.11.2022, 10:00
Lars Bremer (links) und Matthias Poeschel bringen per Kabelbinder die QR-Codes an die Bäume – eine Übergangslösung.
Lars Bremer (links) und Matthias Poeschel bringen per Kabelbinder die QR-Codes an die Bäume – eine Übergangslösung. (Foto: Regine Lotzmann)

Aschersleben/MZ - „Das ist erst einmal die kostengünstigste Variante“, sagt Matthias Poeschel und holt ein paar schwarze Kabelbinder aus der Tasche. Gemeinsam mit Lars Bremer vom Arbeitskreis „Geschichte jüdischer Mitbürger in Aschersleben“ bringt der Chef der Aschersleber Kulturanstalt (Aka) damit ein paar Tafeln mit QR-Codes an den Bäumen an.

Übergeben wird der frisch produzierte Video-Guide – ein Rundgang mit fünf Stationen über Ascherslebens jüdischen Friedhof – am Sonntag als einer der Höhepunkte der Jüdischen Kulturtage. Und im Beisein von vielen Neugierigen.

Jüdischer Friedhof liegt versteckt an Ascherslebener Schmidtmannstraße

„Am Tag des offenen Denkmals hatten wir den Friedhof geöffnet – und das Interesse war beträchtlich“, sagt Bremer und meint: „Viele Ascherslebener wussten gar nicht, dass es ihn gibt.“ Kein Wunder, liegt das Gelände in der Schmidtmannstraße, gleich gegenüber vom Hauptfriedhof der Stadt, doch ein bisschen versteckt.

Man muss über die Veranda eines Blumenladens und braucht die Genehmigung des Eigentümers, dem Landesverband Jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt, um ihn betreten zu können. Bremer, der mit vielen Gleichgesinnten schon seit Jahren die jüdische Geschichte in Aschersleben erforscht, spricht deshalb auch von einem geheimnisvollen Ort.

Der  jüdische Friedhof in Aschersleben ist ein verwunschener Ort.
Der jüdische Friedhof in Aschersleben ist ein verwunschener Ort.
(Foto: Regine Lotzmann)

„Und um diese Wissenslücke schließen zu können“, sagt er weiter, „haben wir den Video-Guide produziert.“ „Wir“, das sind der Arbeitskreis und die Kulturanstalt als Organisatoren. Umgesetzt wurde es dank einer finanziellen Förderung über das Projekt „Demokratie leben“ von Journalist Tom Gräbe.

„Es ist ein wunderbarer, verwunschener Ort der Stadtgeschichte, über den es aber keinerlei Informationen gab – der Arbeitskreis hat das jetzt geändert“, meint Gräbe, der die kleinen Filme produziert hat, in denen Lars Bremer über die Geschichte des Friedhofes und spannende Details berichtet.

„Das ist aber erst einmal nur ein Provisorium“, zeigt Matthias Poeschel auf die mit Kabelbinder an den Bäumen befestigten QR-Code-Tafeln. „Es kommen noch richtige Stelen hin, die dauerhaft sind. Es soll eine nachhaltige Lösung sein, mit einer wetterfesten, stabilen Befestigung – ähnlich wie der Erinnerungspfad auf dem städtischen Friedhof.“ Ob es am Ende Holz, Metall oder Stein sein wird, darüber wird derzeit noch beraten.

Mit dem Handy können die QR-Codes heruntergeladen werden, so dass man kleine Filme über die Geschichte des Friedhofs anschauen kann.
Mit dem Handy können die QR-Codes heruntergeladen werden, so dass man kleine Filme über die Geschichte des Friedhofs anschauen kann.
(Foto: Regine Lotzmann)

„Es soll als Erinnerungsort wahrgenommen werden, denn der Friedhof ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer jüdischen Kulturgeschichte. Und wir tun gut daran, dass wir wider das Vergessen aktiv sind“, erklärt der Aka-Chef. Geöffnet werden soll der Friedhof, der kein öffentlicher Ort ist, künftig an den Tagen des offenen Denkmals, den Jüdischen Kulturtagen und auf Anmeldung.

Das Video ist auch auf Youtube zu sehen oder auf der Facebook-Seite der Aschersleber Kulturanstalt.