1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Aschersleben
  6. >
  7. In Freckleben haben 30 fleißige Helfer angepackt und in kurzer Zeit viel geschafft

Mitgemacht statt gemeckertIn Freckleben haben 30 fleißige Helfer angepackt und in kurzer Zeit viel geschafft

Weil Rehe über einen maroden Zaun kamen und immer wieder Blumenschmuck von Gräbern zogen, musste ein neuer her. Wer dabei geholfen hat.

Von Detlef Anders Aktualisiert: 12.11.2021, 10:18
MDR-Reporter Michael Wasian (li.) und sein Team filmen Marcel Hänsgen bei den Baumfällarbeiten.
MDR-Reporter Michael Wasian (li.) und sein Team filmen Marcel Hänsgen bei den Baumfällarbeiten. Foto: Frank Gehrmann

Freckleben/MZ - Rehe, die auf Friedhöfe kommen und Blumen von Gräbern fressen, sind immer wieder ein Problem. In Aschersleben gingen kürzlich Mitarbeiter des Bauwirtschaftshofes laut lärmend über den Friedhof in der Schmidtmannstraße, um die sieben Rehe zu vertreiben.

In Freckleben wird ein anderer Weg gegangen. Hier soll im Rahmen des TV-Formates „Mitmachen statt meckern“ binnen weniger Stunden ein neuer Zaun gebaut werden, der den Rehen künftig den Weg auf den Friedhof versperrt. Der alte Zaun am Hang war marode. Zwar immer wieder geflickt, aber dennoch löchrig.

20 tote Bäume am Hang müssen fallen

Am Friedhof röhrt die Kettensäge von Marcel Hänsgen, Chef eines Forstwirtschaftsbetriebes im Ort. Rund 20 tote Bäume am Hang müssen fallen, berichtet er. Die ersten hatte er schon im Vorfeld entfernt, damit gearbeitet werden kann. Nun weitere gefällt, damit sie nicht bei Sturm auf den neuen Zaun stürzen. Hänsgen hilft gerne. „Freckleben ist ein herrliches Fleckchen Erde“, findet der 33-jährige Firmenchef, der sich schon in der dritten Legislaturperiode als Ortschaftsrat engagiert und nun im Stadtrat Ascherslebens mitarbeitet.

Auch Petra Spanjer liebt Freckleben. 2020 musste sie mit ihrem Mann aus gesundheitlichen Gründen in die Kernstadt ziehen. Doch sie kümmert sich um die Grabstelle ihrer Familie und kommt gern. „Kein Konsum, keine Gaststätte, man trifft sich ja nur noch auf dem Friedhof.“ Wenn sie da ist und jemanden sieht, hält sie gern ein Schwätzchen. Und sie sah mehrfach, dass Rehe Blumen abgefressen hatten. „Sogar als Besucher da waren.“ Anschließend hätten sie sich satt auf die von der Sonne erwärmten Grabplatten gelegt. Das ärgert sie. „Dann bin ich traurig. Das macht betroffen.“

Und sie fand: „Da muss was passieren.“ Petra Spanjer nahm Kontakt zum Chef des Bauwirtschaftshofes, Andre Könnecke, auf. Er habe zwar Personal, doch kein Geld mehr für das nötige Material, erfuhr Petra Spanjer. Ihr Mann berechnete die Kosten für die rund 50 Meter Zaun und sie zog los, sammelte Spenden.

„Das Motto fand ich genau richtig“

„Das ist auf allen Friedhöfen so“, weiß Doris Wernecke, Bestatterin aus Sandersleben. Da sie auf dem Friedhof in Freckleben tätig ist, unterstützte sie die Idee und half, die 900 Euro zusammenzubekommen. Eine Idee von Matthias Poeschel, Vorstand der Aschersleber Kulturanstalt, war der Kontakt zu „Mitmachen statt meckern“. „Das Motto fand ich genau richtig“, sagt Petra Spanjer.

Mitglieder der Vereine packen beim Zaunbau am Friedhof mit an.
Mitglieder der Vereine packen beim Zaunbau am Friedhof mit an.
Foto: Gehrmann

Ortsbürgermeister Frank Hänsgen bat Ratsmitglieder, Vereine und Sponsoren um Hilfe. Mit den Bauwirtschaftshof-Mitarbeitern sind rund 30 Leute da, die mit anpacken, Material einkaufen und holen. Nebenbei werden Bänke gestrichen und das Laub vom Friedhof geholt.

„Es ist höchste Zeit, dass was passiert“

„Es ist höchste Zeit, dass was passiert. Fünfmal haben sie dieses Jahr die Pflanzen rausgezogen“, berichtet Sven Hellmuth vom Grab seiner Oma. Der Fußballer vom SV Freckleben und sein Vereinschef Mathias Schöps packen deshalb gern mit an. „Wir machen alle Vereine mit. Es dient ja allen im Ort“, sagt Schöps. Ein Bohrer für die Zaungründung wird organisiert, Blitzbeton, der in kürzester Zeit aushärtet, damit die Pfähle gleich mit Zaunfeldern belastet werden können. Am Mittag soll ja alles fertig sein.

Früher sei der MDR mit einer Fotobox in den Orten gewesen, in der die Leute vor der Kamera über Missstände meckerten. Nur dann passierte nichts, berichtet MDR-Reporter Michael Wasian. Seit 2005 gibt es nun „Mitmachen statt meckern“. „Da kommt am Ende ein Ergebnis raus“, sagt Wasian und blickt auf den Fortschritt mit etwas Stolz. Wie der Zaun am Ende aussieht und wie die Aktion abgelaufen ist, das ist am Dienstag, 16. November ab 19 Uhr bei MDR Sachsen-Anhalt heute zu sehen. „Ich finde es für Freckleben und für Aschersleben gut“, sagt Petra Spanjer dankbar.