Einkaufsmarkt in Westdorf schließt

„Für ein Stückchen Butter in die Stadt“

Der Heimatverein und die Anwohner des Eineblicks hatten 500 Unterschriften gesammelt. Nun geben sie auf.

Von Detlef Anders
Das Schild an der Ermslebener Straße wird bald verschwinden. Foto: Frank Gehrmann

Aschersleben - Binnen weniger Wochen hatte der Westdorfer Heimatverein rund 500 Unterschriften für den Erhalt des Penny-Marktes in der Ermslebener Straße in Aschersleben gesammelt. Eigentlich wollten die Organisatoren irgendwann in die Konzernzentrale nach Köln fahren, um die Listen zu übergeben.

Schließlich ist es für die Westdorfer, die Bewohner der Wohngebiete Über der Eine und Harzblick, des benachbarten Altenpflegeheims und für die Landkreismitarbeiter im Verwaltungsgebäude gleich gegenüber die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit. Doch die Westdorfer haben aufgegeben.

„Der Penny-Markt wird geschlossen“, informieren sie nun auf Facebook. „Wir mussten einsehen, dass wir zu schwach sind, um uns mit einem Großkonzern anzulegen“, erklärt der Verein. Sie wüssten heute, dass die Schließung schon vertraglich geregelt gewesen wäre und der Nachfolger für die Immobilie schon lange festgestanden hätte, schreiben sie auf Facebook weiter.

„Das hat die gar nicht interessiert“, bedauert Vereinschefin Doreen Koster auf MZ-Anfrage. „Jetzt müssen wir für ein Stückchen Butter in die Stadt“, ärgert sich die Westdorferin, dass sie nun zwei Kilometer weiter fahren müsste. Doch vielleicht wird es ja nicht ganz so schlimm.

Der Markt werde vom Aktionshaus Wreesmann übernommen, der Ähnlichkeit mit einem anderen bereits in der Stadt ansässigen Sonderpostenmarkt und auch einen Lebensmittelbereich habe, wird auf Facebook informiert.

„Derzeit befinden wir uns in einer dynamischen Wachstumsphase mit einer geplanten Ausweitung unseres Filialnetzes.“

Aktionshaus Wreesmann

Trotz aller Traurigkeit über die Schließung zeigen sich die Westdorfer erleichtert, dass es überhaupt einen Nachmieter gibt. Die Unterschriftenlisten werden vernichtet, kündigen sie an und bedanken sich bei allen Unterstützern.

Stadtrat Klaus Winter, der als betroffener Anwohner die Unterschriftensammlung mit organisiert hatte und mit den Verantwortlichen im Kontakt stand, unterstreicht den Eindruck, dass alles bereits beschlossen war. Auf seine letzten Fragen sei gar nicht mehr geantwortet worden. „Da war alles in Sack und Tüten.“

Penny schließt den Markt am 19. Juli, erklärt Anja Schwerdtfeger von der Penny-Region Ost in Teltow der MZ. Die 1996 eröffnete Filiale sei mit 600 Quadratmetern Verkaufsfläche „zu klein, um das Penny-Konzept in voller Breite darzustellen“, hatte sie im Januar mitgeteilt. Neue Filialen verfügen über mindestens 800 Quadratmeter. Ein Umbau wäre nicht möglich und Penny auch nicht Besitzer der Immobilie, hieß es.

Dass Wreesmann den Markt übernimmt, konnte sie nicht bestätigen. Das Aktionshaus mit Firmensitz in Ostfriesland war am Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen und beantwortete eine Mail-Anfrage nicht. Wreesmann hat vor allem in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt viele Märkte, darunter in Ballenstedt.

In einer Stellenbeschreibung heißt es, „wir sind ein inhabergeführtes Einzelhandelsunternehmen mit über 60 Standorten in Nord- und Ostdeutschland“. Als Allround-Discounter sei das Unternehmen seit über 50 Jahren erfolgreich. „Derzeit befinden wir uns in einer dynamischen Wachstumsphase mit einer geplanten Ausweitung unseres Filialnetzes.“ (mz)