Musikalischer Sommeranfang Eine ganze Stadt wird zur Bühne: Die Ascherslebener Fête de la musique in Bildern
Fünf Spielorte, zahlreiche Künstler: Die Fête de la musique lockt mehr als 1.500 Partygäste nach Aschersleben, die den musikalischen Sommeranfang einfach nur genießen.

Aschersleben/MZ - Fred Müller lacht. Seinen Besuch bei den Studienfreunden in Aschersleben würde er immer genau so takten, dass er auf das Wochenende der Fête de la musique fällt, meint der Berliner. Ein Ritual, das ihm und seiner Frau Anja lieb geworden ist. Denn: „Das ist ein ganz anderer Blick auf die Stadt. Wir können feiern, aber alles mit einem Hauch Gemütlichkeit. Und Aschersleben hat wirklich schöne Ecken“, nickt Anja Müller. „Wir genießen das einfach!“
Gerade haben sie es sich mit ihren Freunden dann auch an einem der kleinen Tische im begrünten Museumshof gemütlich gemacht. Denn der Regen vom Nachmittag ist pünktlich zum Abendprogramm Geschichte.

Kostenloser Kulturgenuss
„Wir haben mal hochgerechnet“, sagt Matthias Poeschel, Vorstand der Aschersleber Kulturanstalt (Aka), die als Organisator auftritt, am Tag danach. „Über 1.500 Leute waren zur Fête unterwegs.“ Auf den Besucher genau könne er es zwar nicht sagen, da für die Konzerte auf den fünf Bühnen der Stadt ja keine Tickets gekauft werden mussten, aber die Schätzungen seien schon ziemlich genau. Er freue sich, dass die Leute sich nicht von der Witterung haben abhalten lassen. „Denn Wetter ist immer, die Fête nur einmal im Jahr.“

Ist sie doch Bestandteil einer weltweiten Aktion, mit deren Hilfe die Städte zum Sommeranfang mit Musik gefüllt werden sollen. Die Idee dafür entstand 1981 in Paris und hat inzwischen die gesamte Welt erobert. Neben Aschersleben nehmen über 1.300 andere Städte daran teil. „Dass wir hier auf fünf Bühnen gleichzeitig ein Programm haben, zeigt, dass die Künstler Lust darauf haben, mitzumachen“, meint Poeschel. Und staunt selbst ein bisschen: „Was für ein buntes Programm!“

Schulbands fehlen dieses Mal
Dass das dieses Mal vor allem am Abend zu erleben ist, habe einen Grund: „Heute ist der letzte Schultag, da fehlen viele Schulchöre und -bands. Aber nächstes Jahr sieht das wieder anders aus“, meint der Aka-Chef.
Dafür hätten sich die Ascherslebener Kaffeemänner mit ihrem Genusskombinat als weiterer Bühnenort angeboten. „Und genau das ist die Idee: Die Fête ist Straßenmusik. Vielleicht spielt ja nächstes Mal auch jemand vor dem Griechen?“

Kaffeemänner erstmals dabei
Warum die Kaffeemänner dabei sein wollen? „Weil wir Lust darauf haben, in der Stadt mal ein bisschen was anderes zu zeigen und uns als Konzeptstore zu präsentieren“, erklärt Barista Thomas Schatz, der in Schürze und mit Kappe auf dem Kopf gerade mit zwei Ehepaaren im Gespräch ist, die die Kaffeerösterei schon immer einmal sehen wollten. „Es ist eine sehr schöne Dynamik hier. Ein Kommen und Gehen“, findet Schatz.

Auf die Gäste warten zudem einige Snacks und Musik von Mike Dops. „Es gibt ein bisschen Hip-Hop, Elektronisches, alles, was gute Laune macht“, sagt der Magdeburger, der schon vor drei Jahren in Aschersleben aufgelegt hat, zum Geburtstag der Kaffeemänner.

Kontrastprogramm im Grauen Hof
Währenddessen kommen aus dem Grauen Hof Tangoklänge. Nicht wenige Paare nutzen das, um den sinnlichen Tanz auf die Bühne des Kunstquartiers zu bringen, zwischen Palmen, Sonnensegeln und Lampions. Später wird es hier rockig und lauter, unter anderem mit Haus III. Ein Abend der Kontraste.

Museumshof mit französischem Flair
Gut gefüllt ist auch der mit französischen Wimpelketten geschmückte Museumshof. Junge Familien und ältere Paare sitzen mit einem kühlen Getränk an den Tischen, die Handys zum Mitfilmen gezückt. FaFaJaCs – „der Name besteht aus den Anfangsbuchstaben unserer Namen“ – bringt gerade alte Beatles-Klassiker auf die Bühne. Lieder von Pink Floyd oder „Supergirl“.
Zwei ältere Damen rücken auf einer der Bänke zusammen, weil sie eben noch eine Freundin entdeckt haben. Hier treten auch einige Chöre auf und mit Amelie McCandless übrigens – passend zu den Wurzeln der Fête – auch eine französische Künstlerin. Die musikalische Bandbreite ist an diesem Abend breit gefächert.

Musik fürs Auge
So tanzen vor einem großen Publikum gerade auch die Mädchen der Crazy Dance Crew – von der kleinsten „Zwecke“ bis zu den Jugendlichen – auf der Muschelbühne der Orangerie. Hier, im Bestehornpark, ist es die "Fête de la Jugend", die sich mit ihrem Programm vor allem an das jüngere Publikum wendet. Als Stärkung für alle werden Bratwürste auf den Grill gehauen, die schon verführerisch duften. Getanzt wird später bis Mitternacht zu den Beats von Eluvian und den Telebeats.

Musik und Fußball im Biergarten
Richtig voll ist es auch am Bestehornhaus. Cocktails, Currywurst und Akkordeonklänge gibt es hier im Biergarten „Zum Bestehorn“. Begeistert schaut Wencke Leuschner zu Volodymyr Geiko und seiner Frau Galyna hinauf. „Er ist mein Schüler“, erklärt sie. Die beiden Berufsmusiker aus der Ukraine besuchen derzeit einen Integrationskurs in der Akademie Überlingen. Und als ihre Lehrer wollen Leuschner und ihre Kolleginnen unbedingt beim Auftritt der beiden dabei sein.
Später haben auch noch „Probenlos“ hier mal wieder ein Heimspiel, allerdings nur mit halber Besetzung, was aber die anwesenden Fans absolut nicht daran hindert, den Auftritt zu genießen. Apropos Spiel: „Toll ist ja auch, dass bei der Fußball-EM gerade heute Frankreich spielt. Das können die Gäste hier auch gleich noch nebenbei anschauen.“