Wüste, Berge & Meer im Natur-Emirat der VAE Achterbahn in der Wüste - Warum Ras Al Khaimah das aufregende Emirat ist
Jeep-Abenteuer, Perlenfarm & Zipline am Jebel Jais – Ras Al Khaimah zeigt seine vielfältigen Seiten und entwickelt sich zu einem der spannendsten Reiseziele im arabischen Raum.

Es gibt einen geraden Weg. Der ist flach und führt unterhalb der massiven Düne entlang. Und es gibt einen Weg, der eigentlich keiner ist. Den wählt Mohammad jedoch. Der 34-jährige Emirati reißt das Lenkrad des Jeeps herum – und ab geht es in die Senkrechte. Sand fliegt zu beiden Seiten des Wagens in die Luft. Es rumpelt und rüttelt. Die Besatzung im Auto jauchzt, während der 4x4-Bolide die Düne erklimmt, wo an der Spitze die Waagerechte wieder erreicht wird und die untergehende Sonne die Wüste in ein warmes Rot taucht. Doch dieser Bilderbuchmoment dauert nur kurz. Denn dann lässt Mohammad den Jeep wieder nach unten gleiten – die Düne hinab. Es ist ein riesiger Spaß.
Jeep-Safari durch die Wüste von Ras Al Khaimah
Der wilde Ritt durch den Sand zeigt bereits eine der ursprünglichen Seiten von Ras Al Khaimah – einem der sieben Emirate, die zusammen die Vereinigten Arabischen Emirate bilden. Ras Al Khaimah, das kurz RAK genannt wird, liegt ganz im Norden des arabischen Staates. Das Natur-Emirat besticht nicht nur mit weiten Wüsten, sondern auch mit sonnigen Stränden und berauschenden Berglandschaften – mit dem Jebel Jais liegt die höchste Erhebung der gesamten Emirate in Ras Al Khaimah.

Dabei ist RAK eines der Emirate, die sich aktuell wohl am rasantesten entwickeln. Und nirgendwo zeigt sich das so gut wie auf Al Marjan Island. Die mit Millionen Tonnen Sand aufgeschüttete Insel im Arabischen Golf wird gerade zum Touristenmagneten ausgebaut. Wahrzeichen soll dabei das Wynn Resort werden, dessen über 300 Meter hoher Hotelturm schon jetzt weithin sichtbar ist. 5,1 Milliarden US-Dollar (etwa 4,3 Milliarden Euro) werden in den Komplex mit 1.500 Zimmern und eigenem Casino investiert.
Informationen zu Anreise und Unterkunft in Ras Al Khaimah: Ras Al Khaimah liegt im Norden der Vereinigten Arabischen Emirate. Am besten zu erreichen ist es über die Flughäfen in Schardscha, Dubai oder Abu Dhabi. Von dort sind es ein bis zwei Stunden Autofahrt bis RAK. Gute Hotels in verschiedenen Preiskategorien gibt es auf Al Marjan Island.
Wer es etwas kleiner mag, ist im Mövenpick Al Marjan Island sicher richtig. Das Hotel besticht durch seine Architektur, die sich deutlich vom funktionalen Hotelbau rundherum abhebt. Die beiden Häuser verbindet in luftiger Höhe eine Brücke, in der auch übernachtet werden kann. Das Ambiente ist stylish, das Personal zuvorkommend. Wer hoch hinaus will, besucht die – im wahrsten Sinne des Wortes – herausragende Neo Skybar im zehnten Stock. Und wer Action möchte, absolviert den Wibit-Wasserpark – einen schwimmenden Hindernisparcours aus deutscher Fabrikation.
Bassata Bedouin Camp – Wüstenerlebnis mit Tradition
Natürlich könnte man die Ferien im Hotel mit eigenem Strand und allen Annehmlichkeiten, die sich Urlaubsgäste wünschen, verbringen – zumal die Emirate das ganze Jahr über Sonnengarantie haben. Für alle, die Land und Leute kennenlernen wollen, bietet Ras Al Khaimah jedoch viele Möglichkeiten.
Eine, in der Wüste, ist das Bassata Bedouin Camp, in dem auch Mohammad seine Fahrkünste zeigt. Dort gibt es Kamelreiten, Dünensurfen, Feuershow – und eben jene einstündige Jeep-Tour mit Nervenkitzel-Garantie. Es geht auf und ab, selten nur flach geradeaus. „Mit 16 Jahren habe ich mit meinen Freunden begonnen, in der Wüste zu fahren“, erzählt Mohammad. Mit der Zeit seien ihm die Rutschpartien im Sand in Fleisch und Blut übergegangen. „Für mich ist das, als würde ich eine normale Straße langfahren“, sagt der Lenkradkünstler und gibt wieder Gas.

Wüste – das ist der eine Teil von RAK. Aber es gibt auch noch das Meer. Und das ist tief in der Kultur der Einheimischen verwurzelt. Die Menschen leben hier seit jeher vom Fischfang. Und ein ganz besonderer Schatz hat zudem für einigen Wohlstand gesorgt: Perlen. Die Edelsteine des Meeres wachsen in Austernmuscheln. Wie dieses Gold des Ozeans geborgen wurde, lässt sich sehr exklusiv in der Suwaidi-Perlenfarm erleben – eine unbedingte Empfehlung.
Die Perlen von Ras Al Khaimah – Reichtum aus dem Meer
Mit einem Boot geht es hinaus in die salzwassertoleranten Mangrovenhaine. Auf dem Meer erscheint nach etwa zehn Minuten ein schwimmendes Haus – die Perlenfarm. Dort empfängt uns Raheem im landestypischen Kandura, einem weißen Gewand. In mehreren Stationen erklärt der Emirati, wie früher dem Arabischen Golf sein Schatz entlockt wurde. „Die Perlenboote waren vier Monate am Stück auf dem Ozean“, berichtet Raheem. Der Tagesablauf sei eng getaktet gewesen. Einziger Inhalt: so viele Perlen wie möglich bergen.

Die Taucher wurden mit einem Stein am Seil nach unten befördert. Sie hatten weder Taucherbrille noch sonstigen Schutz. „Man konnte diese Arbeit höchstens bis 35 Jahre machen – dann waren Perlentaucher taub und blind“, sagt Raheem. „Ein echter Knochenjob, der jedoch Ansehen brachte und Einkommen.“ In den vier Monaten auf See wurde der Verdienst eines Jahres vom Meeresboden gesammelt.

Heute gibt es diese Art der Perlenfischerei nicht mehr. Farmen haben übernommen. Raheem erzählt, wie über neun Monate hinweg aus einer Mini-Muschel eine ausgewachsene Auster wird. „Ihr wird dann eine kleine Perlmuttkugel eingepflanzt, um die herum dann die schillernde Perle wächst.“ Eigentlich sei das ein Abwehrmechanismus, der jedoch wunderschöne Schmuckstücke hervorbringe. Die teuersten kosten bis zu 2.000 Euro das Stück.
Hoch hinaus im Hadschar-Gebirge
Wüste und Meer: fehlen noch die Berge. Und die sind durchaus prägend für Ras Al Khaimah. Im Norden des Emirats hat sich das Hadschar-Gebirge durch tektonische Bewegungen in den Himmel gefaltet und mit dem über 1.900 Meter hohen Jebel Jais die höchste Erhebung der Emirate geschaffen. Der Weg Richtung Gipfel führt über zahlreiche Kehren – Alpengefühle auf der arabischen Halbinsel. Die Ausblicke sind atemberaubend, wobei man nicht bis ganz nach oben kommt, da der Bereich wegen der Grenze zum Oman Sperrzone ist.

Ein sehr empfehlenswertes Ziel ist das Restaurant 1484 by Puro. Dort gibt es leckeres Essen und eine Sommerrodelbahn. Die ganz Ambitionierten können dorthin mit dem Fahrrad fahren, die noch Ambitionierteren wandern nach oben. Ein 90 Kilometer langes Wegenetz macht es möglich.
Die beste Art, wieder vom Dach der VAE herunterzukommen, ist die Zipline. Und der Jebel Jais bietet dabei nicht irgendeine Seilrutsche, sondern die längste der Welt: 2,83 Kilometer ist der Flug über das Tal lang. Da braucht man schon Nerven so dick wie die Drahtseile, an denen man im „Jebel Flight“ hängt.
Doch: Es lohnt sich sehr. Und dieses Urteil gilt auch für Ras Al Khaimah im Ganzen. Die Mischung aus Bergen, Wüste und Meer macht das Natur-Emirat unverwechselbar.