Alexander Plehn

Kardiologe Alexander Plehn aus Halle (Saale): So läuft das Abnehmen

Halle (Saale) - Kardiologe Alexander Plehn hat bereits zwölf Kilo abgenommen. Aber geht er die Sache richtig an?

Von Bärbel Böttcher 16.03.2017, 19:24

Dr. Alexander Plehn muss den Gürtel enger schnallen. Sonst rutscht die Hose. Noch Ende Januar brachte der 1,88 Meter große Kardiologe 121 Kilogramm auf die Waage, schleppte also ein erhebliches Übergewicht mit sich herum. Blutdruck und Blutfettwerte waren grenzwertig. Ein Ergebnis ungesunder Ernährungsgewohnheiten gepaart mit einem Mangel an Bewegung. Der Mediziner, der in Salzmünde (Saalekreis) gemeinsam mit Dr. Thomas Hartkopf eine Gemeinschaftspraxis betreibt, fühlte sich in seiner Haut nicht mehr wohl.

Hinzu kam das schlechte Gewissen. „Alles, was wir Tag für Tag unseren Patienten predigen, das halte ich als Arzt, der es eigentlich besser weiß, selbst nicht ein“, sagte er. Das sollte sich ändern. Sein Motto lautet seitdem: „Der dicke Kardiologe geht mit gutem Beispiel voran.“ Und wie weit ist Alexander Plehn bisher gekommen?

Kardiologe Alexander Plehn hat bereits zwölf Kilo abgenommen

Das Gewicht ist deutlich heruntergegangen. Gut zwölf Kilogramm hat er innerhalb von sieben Wochen abgenommen. Durch eine Ernährungsumstellung und viel Bewegung. Da es dem Arzt in seinem Praxisalltag nicht möglich ist, eine „normale“ Mittagsmahlzeit einzunehmen, griff er in der Vergangenheit häufig zu Bockwurst oder belegten Brötchen. „Auch an einer süßen Streuselschnecke bin ich nicht vorbeigekommen“, erzählt er. Doch das alles ist jetzt gestrichen. Dafür gibt es Vollkorn-Schnitten und dazu wird genascht - aus einer Gemüsebox, die mit Möhren und Kohlrabi gefüllt ist.

Abends steht Salat mit gegarter Hühnerbrust oder mit geräucherter Forelle auf dem Tisch. Häufiger auch mal ein im Wok gegartes Gericht. Immer mit viel Gemüse. Und das schmeckt der ganzen Familie. Brot oder Nudeln - also kohlenhydratreiche Lebensmittel - hat er zumindest für sich gestrichen. Genauso wie die Schokolade oder die Nüsschen, zu denen er - nach dem Abendbrot - gern gegriffen hat. 1.200 bis 1.500 Kilokalorien nimmt er derzeit täglich zu sich.

Die Pfunde purzeln bei Alexander Plehn, aber geht er die Sache richtig an?

Geht Alexander Plehn da richtig vor? Um sein Essverhalten genau einzuschätzen, bräuchte Ernährungswissenschaftlerin Julia Notz, ein detailliertes Ernährungsprotokoll. Generell aber findet sie, dass ein bis zwei Vollkorn-Schnitten und die Gemüsebox zum Naschen schon „sehr in Ordnung“ sind.

„Denn - auch wenn keine Möglichkeit besteht, eine warme Mittagsmahlzeit einzunehmen, sollte schon etwas gegessen werden.“ Mit einer zu großen Pause zwischen den Mahlzeiten lasse die nächste Heißhungerattacke nicht lange auf sich warten.

Auch die eiweißreiche Kost, die der Kardiologe am Abend zu sich nimmt, hält sie für einen richtigen Weg. „Solange er damit satt bleibt und nicht später eine Was-könnte-ich-jetzt-mal-essen-Phase einsetzt.“ Es sei nämlich auch am Abend gegen eine Scheibe Vollkornbrot nichts einzuwenden.

Angesichts dessen, dass Alexander Plehn binnen sieben Wochen gut zwölf Kilogramm Gewicht verloren hat, hegt die Fachfrau, die in Halle eine Praxis für Ernährungstherapie und -beratung betreibt, allerdings den Verdacht, dass er zu wenig an Kilokalorien zu sich nimmt. Anders ausgedrückt, dass er zu wenig isst. Zumal er sich auch deutlich mehr bewegt. „Zwölf Kilogramm in dieser kurzen Zeit - das ist zu viel“, sagt sie. Die Empfehlung der Gesellschaft für Ernährung lautet: ein halbes Kilogramm pro Woche. Anderenfalls bestehe die Gefahr, dass Muskelmasse abgebaut wird, um das Gehirn mit ausreichend Energie zu versorgen. Dadurch sinke der Grundumsatz, also der Bedarf an Energie, den der Körper im Ruhezustand hat. „Wird dann wieder normal oder zumindest moderater gegessen, kommt es ganz schnell zur Gewichtszunahme“, sagt Julia Notz.

Im tiefsten Innern ist dem Arzt das klar. Doch er will es wissen. Es fällt ihm schwer, sich dem Motto der Ernährungsberaterin anzuschließen, das da lautet: Geduld, Geduld, Geduld. Sie rät auch, sich nicht zu sehr auf die Waage zu konzentrieren. „Wichtig ist das Wohlbefinden. Wenn ich mich besser und fitter fühle, dann ist das schon ein Gewinn an Lebensqualität.“

Die hat sich bei Alexander Plehn schon deutlich verbessert. „Ich bin belastbarer, physisch einfach agiler.“ Das habe er schon beim Skifahren im Winterurlaub gemerkt. Und auch mit dem fünfjährigen Söhnchen, der auf dem Weg zum Kindergarten gern mal einen Spurt einlegt, könne er jetzt mithalten. Noch vor ein paar Wochen sei da die Luft knapp geworden.

„Natürlich ist mir die Umstellung am Anfang schwergefallen“, räumt der Kardiologe ein. Drei bis vier Tage habe das gedauert. Aber dann seien die Heißhungerattacken ausgeblieben. „Heute komme ich ohne großes Leiden damit klar, dass ich viel weniger esse.“ Geholfen habe ihm dabei übrigens eine App, mit der er die Ernährung - sprich: die Kalorienzufuhr - überprüfen kann.

Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott: „Walken und Wandern sind bei Übergewicht die Methoden der Wahl“

Aber - alles versagt er sich denn doch nicht. „Am Wochenende konnte ich am Apfelkuchen der Schwiegermutter nicht vorbeigehen“, gesteht er. Das sei auch gar nicht nötig, meint Julia Notz. „Es muss ja nicht noch Sahne dazu gegessen werden. Es muss auch nicht das größte Stück sein.“ Aber gänzlicher Verzicht sei nicht angesagt. „Und - auf das Kaffeetrinken könnte dann ja vielleicht eine zusätzliche Bewegungseinheit folgen“.

Apropos Bewegung. Die hat Alexander Plehn „hochgeschraubt“, wie er sagt. An den Wochenenden strampelt er auf dem Heimtrainer. Mindestens eine Stunde. Und gemeinsam mit dem Sportpark in Halle will er für sich ein Trainingsprogramm aufstellen. Eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining soll es sein.

Doch in welchem Verhältnis soll beides stehen? „Muskeltraining ist wichtig, weil eine gute Muskelmasse auch dazu beiträgt, den Energieumsatz zu erhöhen“, sagt Professor Kuno Hottenrott, geschäftsführender Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Aber vor allem aus gesundheitlicher Sicht, gerade wenn sich auch Blutfettwerte und Blutdruck verbessern sollen, dann ist das Ausdauertraining wirksamer als ein Krafttraining.“ Für jemanden der abnehmen möchte, ist es sinnvoll, wenn das Training zu zwei Dritteln aus Ausdauer- und zu einem Drittel aus Krafttraining besteht, so die Empfehlung des Wissenschaftlers. Pro Woche sollten es auf jeden Fall drei bis vier Aktivitäten von jeweils 45 Minuten sein.

Gerade bei Übergewichtigen, so betont Kuno Hottenrott, sei es wichtig, mit einem Ausdauertraining zu beginnen, was das Stütz- und Bewegungssystem entlaste. Also Radfahren, Schwimmen, Ergometer oder Spinning. Und Aktivitäten in der Natur sollten auf dem Trainingsplan stehen. „Walken und Wandern sind bei Übergewicht die Methoden der Wahl“, sagt er. Am Wochenende zwei Stunden mit der Familie zu wandern, das baue zudem Stress ab.

Alexander Plehn, der früher auf der Marathon-Strecke unterwegs war, will auch wieder anfangen zu laufen. Wenn das Gewicht noch etwas weniger geworden ist. Kuno Hottenrott empfiehlt auch hier einen sanften Einstieg, nämlich einen Wechsel zwischen Geh- und Laufphasen. Immer 45 Minuten am Stück. Die Gehphasen würden mit der Zeit weniger. „Am Ende schafft der Sportler es dann, 45 Minuten am Stück zu laufen.“

Und was ist mit Alexander Plehns Vorhaben, sich bei einem Halbmarathon anzumelden? Da tritt der Sportwissenschaftler ein wenig auf die Bremse. „Das größte Problem “, so erklärt er, „ist der Stütz- und Bewegungsapparat. Wenn es keine Gelenkschmerzen und keine Überlastungsreaktionen gerade im Bereich der Fußgelenke gibt, dann kann er so etwas planen.“ Er würde allerdings dafür plädieren, sich erst einmal bei einem Fünf- oder Zehn-Kilometerlauf anzumelden. „Ein Halbmarathon, zwei Stunden auf der Straße, das ist schon eine harte Belastung für die Gelenke“, fügt Kuno Hottenrott hinzu. Außerdem blieben dann immer noch Ziele, die angesteuert werden könnten.

Unterm Strich: Alexander Plehn hat sein Ziel fest im Blick. Aber wie es scheint, geht er es ein wenig zu ehrgeizig an. Kann er das so durchhalten? Die MZ wird ihn weiter auf seinem Weg begleiten und unter dem Logo „Hand aufs Herz“ über weitere Fortschritte berichten.

(mz)