"Familiencoach Pflege"

"Familiencoach Pflege": AOK bietet Hilfe für überlastete Angehörige an

Mit einem neuen Online-Programm möchte die AOK Sachsen-Anhalt psychisch belasteten pflegenden Angehörigen helfen.

Mit einem neuen Online-Programm möchte die AOK Sachsen-Anhalt psychisch belasteten pflegenden Angehörigen helfen.

Der „Familiencoach Pflege“ ist ein kostenloses und anonym nutzbares Angebot, das die Psyche von pflegenden Angehörigen stärken und sie vor Überlastung schützen soll. Ein Fokus liegt dabei auf besonders schwierigen Pflegesituationen in der Betreuung von Menschen mit Demenz oder in der Begleitung von Sterbenden.  Der Bedarf ist da, wie Studienergebnisse zeigen. Jede vierte Person, die einen Angehörigen zuhause pflegt, ist durch die Pflege „hoch belastet“.

Nahezu alle pflegenden Angehörigen kennen das Gefühl, ständig unter Zeitdruck zu stehen. Immer gibt es etwas zu tun. So bleibt nicht einmal Zeit darüber nachzudenken, was einem guttun oder entlasten könnte. Ein Teufelskreis.

Der „Familiencoach Pflege“ soll diese Angehörigen unterstützen. Mit Hinweisen, Informationen, interaktiven Übungen, mehr als 40 Videos und 14 Audiodateien lernen die Nutzer, wie sie besser mit  den seelischen Herausforderungen umgehen können.

Online-Programm soll Isolation und Überforderung vorbeugen

Zum Start bietet der „Familiencoach Pflege“ eine kurze Themenabfrage. Pflegende Angehörige, die sich nur für bestimmte Themen interessieren, bekommen dann ihre Auswahl aus den verschiedenen Bereichen zusammengestellt. In interaktiven Übungen erhalten sie ein maßgeschneidertes Feedback, können sich Interviews mit Experten-Hinweisen ansehen und Hörübungen zur Entspannung und Achtsamkeit nutzen. Der „Familiencoach Pflege“ vermittelt unter anderem, wie wichtig es für pflegende Angehörige ist, sich nicht zu isolieren.

„Auch in schwierigen Zeiten sollten sie persönliche Kontakte zu Freunden, Bekannten und Nachbarn aufrechterhalten“, sagt Cornelia Schulz, Leiterin des Geschäftsbereiches Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Das Programm zeigt den Nutzern Methoden und Wege auf, gut für sich zu sorgen und vor allem Zeit für sich zu finden.“ Auch der Umgang mit schwierigen Gefühlen wie Trauer, Wut, Ekel oder Angst ist ein Thema im Familiencoach.

Angehörige von Menschen mit Demenz zu 37 Prozent „hoch belastet“

Aufschluss über die Belastung der pflegenden Angehörigen geben Befragungsergebnisse des Forsa-Instituts im Auftrag des Wissenschaftlichen Instituts der AOK unter 1.106 pflegenden Angehörigen. Die repräsentative Online-Befragung zeigt, dass knapp 26 Prozent der befragten Pflegepersonen hoch belastet sind. Für 43 Prozent wird eine mittlere Belastung festgestellt, nur bei knapp 31 Prozent der Pflegenden ist sie niedrig. Bei Angehörigen, die Menschen mit Demenz versorgen, zeigt sich eine hohe Belastung sogar bei knapp 37 Prozent der Befragten. Besonders belastet sind laut der Studie Pflegende, die Menschen mit sogenanntem „herausfordernden Verhalten“ betreuen: Bei ihnen steigt der Anteil der Pflegenden mit hoher Belastung auf fast 41 Prozent. „Da die psychischen Belastungen bei der Pflege von Menschen mit Demenz besonders hoch sind, nehmen wir dieses Thema im  Familiencoach auch besonders in den Blick“, betont Schulz. Wie gehe ich damit um, dass mein Angehöriger ständig die gleichen Fragen noch mal stellt? Was tun, wenn er immer häufiger vergisst, wo er seine Sachen abgelegt hat? Wie sollte ich auf Aggressivität, Wahnvorstellungen oder Misstrauen des Erkrankten reagieren? „Die Videos im Familiencoach zeigen den Nutzern anschaulich, wie diese Hinweise in der Praxis umgesetzt werden können“, sagt Schulz.

Belastungsanalyse durch Pflegeberater der AOK Sachsen-Anhalt

Auf die Gesundheit der pflegenden Angehörigen legt auch die AOK Sachsen-Anhalt einen besonderen Fokus. Die landesweit über 120 speziell ausgebildeten Pflegeberater gehen bei Beratungsgesprächen auf die Situation der pflegenden Angehörigen ein. Dafür wurde gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität eine Belastungsanalyse entwickelt, welche die Pflegeberater beim Gespräch gemeinsam mit den Angehörigen durchführen. Gibt es Hinweise auf außergewöhnliche Belastungen, können die Berater gezielt auf Angebote hinweisen.

Von Experten entwickelt

Der „Familiencoach Pflege“ ist von einem Expertenteam unter Beteiligung einer Fokusgruppe aus pflegenden Angehörigen entwickelt worden. Neben der Abteilung für Klinisch-psychologische Intervention an der Friedrich-Schiller-Universität Jena waren mit dem Zentrum für Heilpädagogische Gerontologie an der Universität zu Köln und der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart weitere Experten für psychische Belastungen und Interventionsmöglichkeiten bei pflegenden Angehörigen an der Entwicklung des Online-Coaches beteiligt.  Auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat beratend an der Entwicklung des Online-Angebotes mitgewirkt.

Weitere Coach-Angebote:

Mehr Informationen zum „Familiencoach Pflege“ gibt es im Internet unter www.familiencoach-pflege.de.  Neben dem „Familiencoach Pflege“ bietet die AOK weitere, kostenlose Online-Coaches: „ADHS-Elterntrainer“ für Eltern in schwierigen Erziehungssituationen; „Familiencoach Depression“ für Angehörige, Freunde oder anderen Bezugspersonen von Depressionskranken; das Online-Selbsthilfeprogramm „moodgym“, das bei der Vorbeugung und Linderung von depressiven Symptomen hilft.