Erziehung Erster Geburtstag: Sollte das Kind jetzt mit uns essen?
Ein Jahr und kein Baby mehr: Damit beginnt für Kinder ein neues Kapitel am Esstisch. Worauf Eltern achten sollten, damit das gemeinsame Essen gelingt – und was jetzt tabu ist.

Bonn - Der eine liebt es, gemütlich vor dem Fernseher auf dem Sofa zu essen. Der andere tut es nebenbei, während er auf dem Laptop tippt. Und der nächste snackt sich direkt an der geöffneten Kühlschranktür durch die Vorräte.
Doch wer Nachwuchs hat, der langsam aber sicher auf seinen ersten Geburtstag zukrabbelt, sollte sich von diesen Unarten verabschieden. Denn das Kind ist nun kein Baby mehr und lernt vieles durch Nachahmung.
Statt Breimahlzeiten sollten für das Kleinkind nun immer öfter gemeinsame Mahlzeiten am Esstisch auf dem Plan stehen, rät das „Netzwerk Gesund ins Leben“ vom Bundeszentrum für Ernährung. Dabei sei gemeinsames Essen nicht nur zum Sattwerden gut, sondern ein wichtiger Teil des Zusammenlebens. Worauf Eltern achten sollen.
1. Eltern und Geschwister als Vorbilder
Sowohl bezogen auf das Verhalten am Esstisch als auch auf die Lebensmittelauswahl sind Bezugspersonen wie Eltern oder Geschwister Vorbilder für Kleinkinder. Essen diese Personen beispielsweise mit Genuss Gemüse, schauen sich die Kinder dieses Verhalten ab.
2. Essen wie die Großen - mit drei Ausnahmen
Ab etwa einem Jahr heißt es, der Zwerg darf langsam das Gleiche essen wie die Großen. Es gibt dabei allerdings drei Ausnahmen:
- keine Nüsse (ganz oder in Stücken) oder andere harte Lebensmittelstücke wie rohe Möhren und sehr kleine Früchte wie Heidelbeeren, Trauben mit Kernen oder Rosinen sowie Fisch mit Gräten. Das Kleinkind könnte sich daran verschlucken!
- keine rohen tierischen Lebensmittel wie rohes Fleisch, Teewurst, Rohmilch(käse), rohe Eier oder roher Fisch. Sie enthalten manchmal gefährliche Krankheitserreger. Deshalb tierische Lebensmittel und daraus hergestellte Speisen immer gut erhitzen. Grund: Lebensmittelkeime können bei kleinen Kindern schwerwiegende Folgen haben, weil sich ihr Immunsystem noch entwickelt.
- deshalb auch keine rohen Sprossen oder nicht wieder erhitzte Tiefkühlbeeren. Sie können schädliche Keime enthalten.
3. Klare Struktur und wenn möglich feste Essenszeiten
Gewohnte Abläufe und klare Regeln bedeuten für Kleinkinder nicht nur Sicherheit, sondern tragen auch zum entspannteren Essen bei. Dabei helfen feste gemeinsame Essenszeiten, für die Eltern bewusst Zeit einplanen. Das fördert eine zugewandte Atmosphäre und gibt Raum für Gespräche, Lachen und Genuss. Kinder lernen so auch, sich Zeit zum Essen und Sattwerden zu nehmen. Das gemeinsame Decken des Tisches und Tischsprüche am Anfang einer Mahlzeit können zudem ein schönes Ritual sein.
4. Essen und andere Aktivitäten trennen
Wenn ein Kind spielt, sollte es nicht nebenher essen - und wenn es isst, sollte es nicht nebenher spielen. So lernen Kinder, dass es feste Zeiten für bestimmte Aktivitäten gibt. Das gilt auch für die Bezugspersonen. Also Handys weglegen und andere Bildschirmmedien ausschalten.
5. Kleckern gelassen nehmen und Selbstständigkeit fördern
Ein Kind kann nicht auf Kommando „unfallfrei“ essen. Dafür braucht es Übung. Besonders der Umgang mit Besteck will gelernt sein. Ab welchem Alter das reibungslos klappt, ist sehr unterschiedlich. Damit ist klar: Erstmal wird jedes Kleinkind beim Essen kleckern. Diesen Gedanken sollten Eltern im Hinterkopf haben und Kleckse oder umgefallene Gläser gelassen nehmen.
Klappt etwas, dann darf man gerne loben. Lob für Dinge, die das Kind schon kann, trägt zu einer guten Stimmung bei und macht das Kleinkind stolz und selbstbewusst.