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Platz statt PSWarum diese Vans die besseren Limousinen sein wollen

Bei Stop-and-go hilft auch kein V12: Wer wahren Luxus sucht, der schaut nach Platz statt PS und landet künftig womöglich öfter im Van. In Asien allgegenwärtig, schwappt der Trend nun auch zu uns.

Von Thomas Geiger, dpa Aktualisiert: 18.01.2024, 17:01
Trend oder Momentaufnahme? Manche Hersteller wie etwa BYD bringen Vans wie den Denza D9 auf den Markt.
Trend oder Momentaufnahme? Manche Hersteller wie etwa BYD bringen Vans wie den Denza D9 auf den Markt. Thomas Geiger/dpa-tmn

Shanghai/Tokio - Ein Freitagabend in Shanghai, Seoul oder Tokio und überall das gleiche Bild: Dunkle Vans schwirren durch die Stadt und verteilten die Nachtschwärmer in Restaurants, Clubs, Konzerthallen oder Kinos. Während sich die Elite bei uns noch in S-Klasse & Co chauffieren lässt, bevorzugen die Asiaten längst entsprechend ausgestattete Großraumlimousinen.

Denn im Dauerstau der Mega-Metropolen ist Performance nebensächlich. Stattdessen geht es um Platz und Privatsphäre und darum, die im Verkehr verlorene Zeit möglichst gewinnbringend oder zumindest unterhaltsam zu nutzen. Und da seien die asiatischen Oberklasse-Vans den herkömmlichen Luxuslimousinen hoffnungslos überlegen, sagt der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer.

Komfort und Platz wie in der Business-Klasse

„Sessel wie in der Business-Klasse von Langstreckenfliegern, Bildschirme größer als in manch einem Wohnzimmer, da können weder Mercedes und BMW noch Rolls-Royce oder Bentley mithalten“, sagt Dudenhöffer: „Von der Beinfreiheit und dem bequemen, weil aufrechten Zustieg ganz zu schweigen.“ Und selbst an Prestige herrscht kein Mangel, wenn sich die Vans nur mit genügend Glanz und Chrom vom Nutzfahrzeug abheben.

War das bislang vor allem ein asiatisches Phänomen, schwappt dieser Trend so langsam auch nach Europa: Der chinesische Hersteller BYD zum Beispiel hat den Denza D9 sicher nicht ohne Hintersinn vor ein paar Monaten nach München auf die IAA gebracht.

Luxuriöse Einzelsessel mit Massagefunktion

Dort wurden die Messegäste zur Sitzprobe in den beiden „Captain Chairs“ gebeten, die nahezu den gesamten Fond der 5,25 Meter langen Großraumlimousine einnehmen. Darin schlummert man dahin, sanft massiert und wohl temperiert geht es im Liegen durch den Stau. Oder man genießt den Blick auf einen riesigen Monitor, der in die Trennwand zum Fahrer integriert ist.

In die gleiche Kerbe schlägt nun auch Volvo mit dem EM90 - nach eigenen Angaben zunächst allerdings erst einmal nur in China. Der erste Van in der Firmengeschichte misst mehr als fünf Meter und wurde laut Volvo von innen nach außen und vor allem um die Fondpassagiere herum entwickelt. Während es den Denza D9 auch noch als Plug-in-Hybriden gibt, fährt der Volvo rein elektrisch.

Zwar erwägen beide Hersteller nach eigenen Angaben den Export nach Europa. Während diese Modelle also noch im Planungsstadium sind, hat Lexus bereits Nägel mit Köpfen gemacht: „Wir bringen die First Class aus dem Flugzeug auf die europäischen Straße,“ sagt Lexus-Sprecher Etienne Plas und lenkt den Blick auf den neuen LM.

Der Luxus ist überbordend - der Preis entsprechend...

Schon als Sechssitzer kostet der Lexus LM mindestens 122.700 Euro und als Viersitzer mit nur noch zwei Sesseln im Fond wird er für 147.100 Euro zum teuersten Modell im Programm der Japaner.

Dafür bietet der von einem 184 kW/250 PS starken Hybrid-Motor angetriebene Raumkreuzer extrem viel Platz und unter anderem einen Bildschirm mit einer Diagonale von 48 Zoll, ein gekühltes Barfach, Massagefunktion und einen elektronischen Klima-Concierge für die individuelle Wohlfühlatmosphäre.

...man muss ihn aber nicht immer selbst kaufen

Zwar will der Lexus-Vertreter Limousinen wie den hauseigenen LS nicht kleinreden. „Doch bieten wir damit vor allem Geschäftsreisenden mehr Möglichkeiten denn je“, sagt Plas.

Er sieht denn auch neben Firmenkunden vor allem Fahrdienste und Shuttle-Services als Zielgruppe. Das könnte klappen, glaubt auch Ferdinand Dudenhöffer: „Damit könnte der Van, der bei uns bislang immer als Familienkutsche galt und in dieser Rolle längst von SUV abgelöst wurde, vielleicht doch noch ein Comeback feiern.“

Was ist mit Mercedes, BMW und Co?

Die deutschen Hersteller haben dieser Offensive bislang nichts entgegen zu setzen: Audi und BMW haben gar keinen Van. Und die Mercedes V-Klasse ist zwar ein veredeltes Nutzfahrzeug, das außen mit viel Chrom und innen mit Leder, Zierrat und gehobener Ausstattung auf Luxus macht. Aber die Herkunft vom Kleinlaster kann sie nur kaschieren, aber nicht ganz verhehlen. So sieht sie trotz des ganzen Chrom-Ornats etwa noch immer etwas nach Transporter aus.

Und beim VW-Doppel aus dem Bulli-Transporter T7 und dem Elektrobus ID.Buzz sucht man nach derartigem Luxus bislang vergebens.

Dabei lernen die deutschen Hersteller gerade, dass es bei den Großraumlimousinen gar nicht luxuriös genug sein kann.

Zwar haben die Schwaben ihre V-Klasse und deren elektrischen Vetter EQV gerade gründlich geliftet. Außerdem bereiten sie auf Basis einer neuen Elektro-Architektur schon den Nachfolger vor, der nach Informationen aus Unternehmenskreisen noch eine Nummer vornehmer werden soll. Doch vielen Fahrdiensten ist das offenbar zu wenig und noch zu lange hin: Überall in Asien sieht man die V-Klasse deshalb bereits mit Nadelstreifen-Grill und Pullmann-Ausstattung als Maybach - nur dass Mercedes damit nach eigenen Angaben gar nichts zu tun hat.