Einnahmequelle Zubehör: Das Autohaus als Geschenkboutique
Essen/dpa. - Autohändler hatten im Jahr 2007 wenig zu lachen. «Vor allem die Verkäufe an private Kunden waren katastrophal», liest man in der Bilanz fast jedes Herstellers und Importeurs. Zum Jahresende suchen deshalb viele Händler nach anderen Einnahmequellen.
Schauräume werden zu Geschenkboutiquen aufgerüstet: Nicht nur Dauerbrenner wie Modellautos, Kalender, Felgen oder zum Auto passende Koffersets können Kunden hier finden, sondern auch Luxus-Accessoires vom Designer-Kugelschreiber bis zum Chronographen.
Wie viel Geld manche Autofahrer für solches Zubehör auszugeben bereit sind, zeigte nicht zuletzt die gerade beendete Motor Show in Essen. Auf der Tuning-Messe wurden nicht nur Leistungssteigerungen und Extras wie Spoiler oder Schweller angeboten, sondern auch jede Menge Zierrat. Besonders hoch im Kurs stehen dabei nach Angaben des Verbandes deutscher Automobiltuner (VDAT) Räder und Reifen, die rund ein Viertel des Absatzes in der Veredler-Branche ausmachen.
Zwar kann man auch bei den deutschen Tunern ein Vermögen für neue Felgen ausgeben. Doch kaum ein Rädersatz dürfte exklusiver sein als der vor kurzem vom Juwelier Icelink auf der Millionärsmesse in Moskau vorgestellte: Bestückt mit mehreren Hundert Diamanten, kosten die vier Felgen nach Angaben des Herstellers eine glatte Million Dollar. Wem es angesichts dieses Preises die Sprache verschlägt, den trösten die Veredler mit einer Dreingabe: Schließlich sind im Preis auch ein Bentley Coupé und ein Bodyguard für ein Jahr inbegriffen.
Einer Studie das VDAT zufolge wollen 70 Prozent der Tuning-Kunden, «dass sich ihr Auto von anderen abhebt.» Davon leben nicht nur die Felgenhersteller, sondern auch Unternehmen wie Paltrona Frau in Tolention in Italien. Die Möbelmanufaktur fertigt für Autos auch Lederausstattungen, sagt Sprecherin Sara Nosrati. Zwar liefern sie auch Leder für Fiat oder Alfa, doch die meisten Häute nähen sie für Ferrari und Maserati, wo sie meist zur Serienausstattung zählen.
Dennoch seien die Kunden selten mit Ware von der Stange zufrieden, sagt Nosrati. Manchmal bekommt das Unterneehem wie zuletzt von einem japanischen Geschäftsmann als Vorlage einen grünen Schuh, dessen Krokodilleder es für das Auto kopieren soll. Oder es muss Familienwappen und Firmenlogos in Sitze und Verkleidungen prägen.
Ganz so exquisit und exklusiv ist das Angebot bei den heimischen Autohändlern nur selten. Kunden finden dort dennoch gerade zur Weihnachtszeit allerlei Accessoires, deren Preise bisweilen den Wert mancher Gebrauchtwagen übersteigen. So verkauft Lamborghini zum Beispiel neben Weihnachtskugeln oder Adventskerzen auch ein in Werksfarben lackiertes Notebook mit dem wütenden Stier auf dem Deckel, für das die Italiener knapp 2500 Euro verlangen.
Bentley offeriert neben einem Dreierpack Golfbälle für knapp 20 Euro, Regenschirmen und Cashmere-Schals auch Modellautos aus Silber, für die die Briten bis zu 12 000 Euro verlangen. Und im Ferrari-Shop findet man neben Badehosen, Kugelschreibern und Gürtelschnallen mit Markenzeichen auch eine limitierte Edition des Segway-Rollers für 8700 Euro oder ein Lautsprechersystem für 17 500 Euro ohne Steuern.
Bei Porsche gibt es für gut 100 Euro ein Armband mit Markenschriftzug, Modellautos und Swarowski-Kristallen, Maserati verkauft für 70 Euro aufwärts Manschettenknöpfe mit dem Dreizack, der auch den Kühlergrill der Sportwagen ziert, und bei Mini sind die Ventilkappen mit britischer Flagge für 15 Euro fast schon ein Schnäppchen. Wer an den Nachwuchs denkt, kann fast überall einen Schlitten kaufen, der bei VW im Herbie-Design 49 Euro und bei Volvo mit Holzgestell und Retro-Optik gleich 265 Euro kostet.
Über Sinn und Unsinn dieser Accessoires kann man nach Einschätzung von Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen allerdings streiten: «Der Großteil der Damen- und Herren-Freizeitjacken, Pashmina-Schals, Geldbörsen, Uhren, Stifte, Etuis, Krawatten, Schlüsselanhänger, Manschetten, Beauty Cases und Kleidersäcke, mit denen die Autohersteller alljährlich zur Weihnachtszeit ihre Käufer beglücken wollen, sind selten Topseller, sondern schnell Ladenhüter», sagt der Experte. «Wer käme schon auf die Idee, sich beim Autohändler eine Krawatte zu kaufen?», fragt Dudenhöffer und verweist auf die mangelnde Auswahl und das prominente Markenlogo. Das halte doch später jeder nur für ein Werbegeschenk.