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Stärker und digitalerBMW R 1300 GS: So fährt sich die Neuauflage des Klassikers

Die BMW GS begründete vor über 40 Jahren ein neues Motorrad-Segment - die Reise-Enduro. Jetzt präsentierte BMW mit der R 1300 GS eine neue Generation. Wie fährt sich der weiterentwickelte Klassiker?

Von Fabian Hoberg, dpa 23.11.2023, 17:50
Gierig am Gas: Der Tester sticht mit der Maschine präzise in die Kurven.
Gierig am Gas: Der Tester sticht mit der Maschine präzise in die Kurven. Joerg Kuenstle/BMW Group/dpa-tmn

Malaga - Sie zählt zu den meistverkauften Motorrädern der Welt und ist seit Jahrzehnten ein Klassiker: Die BMW GS. Seit über 40 Jahren baut BMW die Reiseenduro in Berlin-Spandau, exportiert sie in mehr als 150 Länder. Mit der neuen Generation als R 1300 GS wird das Motorrad nun stärker, fahraktiver und digitaler. Die Details:

Das Herzstück bei Motorrädern bleibt der Motor. Bei der GS ist das ein neukonstruierter Zweizylinder-Boxer, der seine mächtigen Zylinder keck nach außen streckt. Das Konzept war vor 100 Jahren die Geburtsstunde von BMW Motorrad.

Wie beim Vorgänger setzt BMW auf eine Luft-Wasserkühlung, nun jedoch mit einer stärkeren Wasserkühlung - gut für Geräuschdämmung und Einhaltung strengerer Emissionsgesetze. Der 1,3-Liter-Boxer leistet 107 kW/145 PS bei 7750 U/min und stellt 149 Nm Drehmoment parat bei 6500 U/min. Das macht ihn zum bislang leistungsstärksten BMW-Boxer.

Das Getriebe ist nun unter den Motor gewandert, statt dahinter. Das spart Baulänge und macht das Motorrad kompakter. Wobei, wirklich kompakt ist die GS mit ihren 2,21 Meter Länge auch weiterhin nicht.

Los geht's - wir drehen eine Runde

Nach Drücken des Startknopfs schüttelt sich die Maschine kurz und verfällt dann in sanftes Säuseln. Über das 6,5-Zoll-TFT-Display können Piloten neben Geschwindigkeit und Drehzahl weitere Infos zum Motorrad abrufen.

Zudem lassen sich einige Fahrprogramme wie Road, Rain, Eco, Enduro und Enduro+ (optional) wählen sowie Fahrwerkseinstellungen vornehmen. Das sollten Pilotinnen und Piloten über die Tasten und den Dreh-Drück-Regler aber im Stand vornehmen und nicht bei der Fahrt. Denn eine blinde Bedienung der Menüs und Untermenüs ist kaum möglich.

Aus wuchtig wird handlich

So wuchtig die GS auch aussieht, sie bewegt sich flink und handlich durch den Verkehr. Die Besatzung sitzt aufrecht und entspannt auf den bequemen Einzelsitzen, behält dabei einen engen Kontakt zur Fahrbahn. Wer schnell schaltet, ist von 0 auf 100 km/h in rund 3,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt deutlich über 200 km/h.

Das große Drehmoment des Boxers lädt zum entspannten Fahren ein: Bei Tempo 50 im sechsten Gang dreht der Zweizylinder rund 2000 Umdrehungen, ab 2500 Touren liegen knapp 120 Newtonmeter an.

Doch die GS kann auch anders. Einmal auf Dynamic oder Dynamic Pro umgestellt und die GS mutiert zum Sportler, hängt bis 9000 Touren gierig am Gas und wedelt spielend durch Kurven. Erstaunlich, wie leichtfüßig sich ein rund 250 Kilogramm schweres Bike bewegen lässt.

Überarbeitetes Fahrwerk bleibt komfortabel

Das liegt zum einen am kraftvollen Motor, größtenteils aber am neuen Fahrwerk: BMW nennt seine Vorderachse nun Evo-Telelever. Die trennt effektiv Radführung, Dämpfen und Federn und wartet mit einer neuen Lagerung an der oberen Gabelbrücke auf.

Das sorgt für leichtes und präzises Lenken. Am Hinterrad bietet das Evo-Paralever genannte Fahrwerk mit größeren Kreuzgelenken an der Kardanwelle eine präzise Fahrstabilität.

Dazu variiert das elektronisch gesteuerte Fahrwerk DSA mit variabler Federrate optional innerhalb Millisekunden automatisch Dämpfung und Federvorspannung in Abhängigkeit vom gewählten Fahrmodus.

Die GS bügelt Unebenheiten mühelos aus, bleibt komfortabel und nicht zu hart, lässt sich präzise und einfach in Schräglagen durch Kurven zirkeln. Selbst im leichten Gelände kommt die GS Adventure erstaunlich gut durch Schotter und Sand.

Ein Blick zurück und dann nach vorn

Als BMW 1980 die R 80 G/S vorstellte, ahnte keiner, dass die Maschine so erfolgreich werden würde. Die G/S (für Gelände und Straße oder Sport) begründete das Segment der Reiseenduros. Sie war praktisch, zuverlässig, robust und bequem, bot Platz für zwei Personen oder viel Gepäck. So wurden die G/S und ihre Nachfolgerin GS zu beliebten Touring-Bikes.

Über 40 Jahre nach der Premiere und über eine Million verkaufte Modelle in verschiedenen Generationen später setzt BMW immer noch auf einen hubraumstarken Zweizylinder-Boxermotor. Nur, dass der nicht mehr 800 ccm misst und 50 PS leistet, sondern 1300 ccm und 145 PS. Auch sonst hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten viel getan.

Zur Serienausstattung zählen unter anderem das vollintegrale Kurven-ABS Pro, Berganfahrhilfe, dynamische Traktionskontrolle, Bremsassistent, Heizgriffe und schlüssellose Zündung.

Neue Assistenzsysteme an Bord und Varianten zur Auswahl

Als digitale Schutzengel fungieren eine Reihe neuer Assistenzsysteme, mit der sich die GS optional aufrüsten lässt: adaptiver Tempomat mit Bremseingriff und Totwinkel-Assistent mit integriertem Heckradar.

Kleinere Fahrer wählen das höhenverstellbare adaptive Fahrwerk. Damit fährt die GS 20 Millimeter innerhalb von 1,5 Sekunden hoch und innerhalb drei Sekunden bei unter 50 km/h wieder runter.

BMW bietet GS in vier Varianten an: 1300 GS, Option 719 Tramuntana, Triple Black und GS Trophy. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen in den Farben und Ausstattungen. Dazu lassen sich die Modelle mit den Technik-Paketen Innovation, Dynamic, Touring, Comfort und Enduro Package Pro aufrüsten.

Mit einzelnen Optionen wie verschiedene Lenker, Sitze, Heizungen, Koffersysteme, Räder, Fußrasten, Windschilder und Scheinwerfer lässt sich die GS weiter individualisieren und aufrüsten. Für viel Geld.

Während die Vorgängerin R 1250 GS bisher mindestens 18.300 Euro gekostet hat, nimmt BMW für die Neue mindestens 19.100 Euro. Eine voll ausgestattete GS druchbricht locker die Marke von 30.000 Euro. Für viele ist das allerdings auch eine Investition in sehr viele Touren - das Durchschnittsalter aller Motorräder in Deutschland liegt bei über 19 Jahren.

Technische Daten BMW R 1300 GS