Test Auf Knopfdruck mehr Kraft für den Cupra Born
Der vollelektrische Cupra Born ist mit 231 PS unterwegs. Wählbar sind unterschiedliche Batteriegrößen. Versprochen werden bis zu 550 Kilometer Reichweite.

Halle / Saale - Der Born war das erste vollelektrsiche Auto der spanischen Marke Cupra, die aus der Sportabteilung von Seat hervorging. Aber seit einigen Jahren agiert Cupra nun als eine überaus erfolgreiche, eigenständige Marke, getrimmt auf Sportlichkeit und besonders schickes Design. Benannt ist dieser Wagen nach einem Szene-Viertel in Barcelona, Born. Doch dieser Spanier ist eigentlich ein Sachse. Der Elektro-Born wird in Zwickau gebaut. Weil die Marke, so wie Seat, zu VW gehört, konnte sich Cupra bei der Fahrzeugentwicklung auch in den Konzernregalen bedienen. So ist der Born der spanische Ableger des VW ID.3. Seine technische Basis hat der Born nahezu komplett übernommen.
Vollelektrisch fügt sich der Born gelungen in den sportlichen Cupra-Anspruch ein. Das Design ist deshalb in vielen Details entsprechend expressiver, dynamischer, schicker. Dagegen wirkt der VW ID.3 fast ein wenig zurückhaltend. Innen baut der Born auf seinem Bruder auf. Ähnliche Bedienelemente gibt es, die Fahrstufenwahl erfolgt wie beim ID.3 mit einem kleinen, eckigen Drehknopf rechts am Lenkrad. Wie dort fällt auch beim Born unangenehm auf, dass es fast keine Knöpfe und Schalter mehr gibt, um Funktionen auszulösen. Es wird gewischt und getoucht, was viel zu oft ablenkt, weil es eben schwer fällt, während der Fahrt den Finger zielgenau zu führen. Besonders nervig ist die Lautstärkenreglung per Wischfunktion auf dem Lenkrad.
Obwohl der Born als E-Auto deutlich weniger Kühlungsbedarf hat, deutet der vordere Stoßfänger sportliche Lufteinlässe an. Die Seitenschweller sind sehr prägnant geformt. Das Heck hat eine durchgängige Lichtleiste. Kupferfarbene Gestaltungsdetails knüpfen nicht nur an den Namen an, sondern setzen auch beim Stromer Akzente. Der Wagen ist gut vier Zentimeter länger (4,32 Meter) und zwei Zentimeter breiter wie sein Gen-Spender ID.3. Vorn und hinten liegt der Born bis zu zwei Zentimeter tiefer. Es lässt sich eine adaptive Fahrwerksregelung samt Sportfahrwerk und ESP Sport ordern. Zusammen mit der Progressivlenkung, die geschwindigkeitsabhängig den Lenkradius verändert, soll sich der Born auch als Elektroauto wie ein echter Cupra anfühlen. Mit vier Modi kann der Wagenlenker seine Fahrbedürfnisse optimieren.
Der Elektromotor im Cupra Born leistet 231 PS . Bei der Batterie kann man wählen zwischen einer 60 kWh-Version (ab 41.450 Euro) und einer - im Test gefahrenen - Variante mit 77 kWh (ab 47.250 Euro). Die hat dann natürlich die höhere Reichweite. Die Batterie für den Elektroantrieb liegt gut geschützt im Wagenboden. Das sorgt auch für einen niedrigen Schwerpunkt, sehr hilfreich, wenn man gern sehr zügig durch enge Kurven eilt. Der Akku speist einen Motor, der seine Kraft über eine Eingang-Automatik auf die Hinterräder überträgt.
Der Fahrer lernt im Alltagsverkehr sehr schnell den Anzug beim Beschleunigen schätzen - kraftvoll, nahezu geräuschlos, so wie es eben nur Elektroautos können. Das passt gut ins Cupra-Markenkonzept. Ganz entspannt lässt sich, ohne nervige Ruckelei, auch im Stopp und Go-Verkehr mitschwimmen. Wer Freude an so etwas hat, kann immer wieder beim Ampelstart alle anderen locker hinter sich lassen.
Die Batterie soll den Cupra Born je nach Fahrweise und Wetterbedingungen theoretisch bis zu 550 Kilometer weit bringen, was sehr ambitioniert und kaum zu erreichen ist. Gut läuft es, wenn, wie im Test, die 400 ... 450 Kilometer im Mix aus Stadt und Landstraße geschafft werden. Wie beim Benziner gilt: Wer markant sparen will, muss seine Fahrweise entsprechend optimieren, etwa ständiges, starkes Beschleunigen vermeiden. Hilfreich ist auch, die Klimaanlage wenig oder nicht zu benutzten. Und wenn es draußen angenehm warm ist, quittiert das der Born auch mit ein paar Reichweitenkilometern mehr - starke Kälte frisst Reichweite. Innerorts verspricht Cupra gar 712 Kilometer, was mit der Realität nichts zu tun hat.
Der Cupra Born ausgerüstet mit der großen 77 kWh-Batterie erfreut den Fahrer mit besonders beherzten Durchzug, denn kurzzeitig lässt sich per Knopfdruck ein sogenannter E-Booster starten. Bis zu 16.000 Umdrehungen pro Minute können dann anliegen, lautlos, aber sehr spürbar. Die Kraftspritze drückt die Insassen vehement in die Sitze - und saugt rasant Batteriestärke ab. An den stärksten Ladestationen ist es möglich, den Akku von fünf auf 80 Prozent in nur 35 Minuten aufzuladen. An der Haushaltssteckdose braucht man sechs Stunden Geduld, bis der Born wieder stromern kann.
Technische Daten Cupra Born:
Motorisierung: Elektromotor
Getriebe: Ein-Gang-Automatik
Leistung: 231 PS, Hinterradantrieb
Batteriekapazität: 77 kWh
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Reichweite (WLTP): 550 km
Länge: 4,32 m
Kofferraum: 385 l
Preis: ab 47.250 Euro