Leben zwischen Trödel und Kunst

Wolfgang Pauritsch: „Bares für Rares“-Star veröffentlicht Biografie "Der Auktionator"

Halle (Saale) - Er ist der Gentleman unter den Händlern im ZDF-Erfolgsformat „Bares für Rares“: Wenn Wolfgang Pauritsch der Gruppe aus fünf Antikhändlern vorsitzt, dann pflegt der charmante Österreicher - der eine Vorliebe für Hemden in Rosé-Tönen hat und das gegelte Haare streng zurückgekämmt trägt - die potenziellen Verkäufer mit einem ebenso zünftigen wie herzlichen „Grüß Sie Gott!“ zu begrüßen, die er im weiteren Verlauf der Verhandlungen gern mit „Madame“ oder „der Herr“ ...

Von Kai Agthe 08.10.2018, 09:00

Er ist der Gentleman unter den Händlern im ZDF-Erfolgsformat „Bares für Rares“: Wenn Wolfgang Pauritsch der Gruppe aus fünf Antikhändlern vorsitzt, dann pflegt der charmante Österreicher - der eine Vorliebe für Hemden in Rosé-Tönen hat und das gegelte Haare streng zurückgekämmt trägt - die potenziellen Verkäufer mit einem ebenso zünftigen wie herzlichen „Grüß Sie Gott!“ zu begrüßen, die er im weiteren Verlauf der Verhandlungen gern mit „Madame“ oder „der Herr“ anspricht.

Jetzt legt der sympathische Mittvierziger mit „Der Auktionator“ (Buch bei Amazon kaufen) ein Buch vor, in dem er, wie es im Untertitel heißt, über sein Leben zwischen Trödel, Kunst und Leidenschaft Auskunft gibt.

Pauritsch ist in der illustren Runde freilich nicht der erste Händler, der eine Autobiografie veröffentlicht: Der jüngste „Bares für Rares“-Mitwirkende, der wegen seines Gothic-Looks unübersehbare Fabian Kahl (27) aus Leipzig, gab bereits in diesem Frühjahr mit dem Buch „Der Schatzsucher“ (Buch bei Amazon kaufen) einen Einblick in sein junges Leben, das er ebenfalls der Jagd nach Kunst und Kuriositäten gewidmet hat.

Wolfgang Pauritsch von Bares für Rares veröffentlicht Buch: Er ist Schlosser von Beruf

Dem einen wie dem anderen ist nicht an der Wiege gesungen worden, eines Tages durch das Fernsehen ein Millionenpublikum zu erreichen. Pauritsch, 1972 in Innsbruck geboren, wuchs in seinen ersten Lebensjahren bei den Großeltern mütterlicherseits auf.

Seine Mutter arbeitete als Kellnerin in der Saison in deutschen und österreichischen Urlaubsorten, seinen Vater hat er nie kennengelernt. Von seinem Großvater, der Bergmann war, lernte Pauritsch den Wert schwerer Arbeit zu schätzen. Deshalb erlernte der Junge den Beruf eines Schlossers, ehe er auf Umwegen die Liebe zu antiken Dingen entdeckte und im Handeln und Versteigern derselben seine Bestimmung fand.

Ähnlich wie bei Fabian Kahl, auf den das ZDF auf einem Trödelmarkt in Leipzig aufmerksam wurde, verdankt sich auch bei Pauritsch einem Zufall, dass er den Sprung ins Fernsehen schaffte. Bei einer von ihm geleiteten Auktion im Frühjahr 2013 sei ein ZDF-Mitarbeiter im Publikum gewesen, dem er zu danken hatte, dass wenige Tage später eine Mitarbeiterin der Firma Eyeworks, die „Bares für Rares“ im Auftrag des ZDF produziert, anrief und Pauritsch anbot, in der geplanten Sendung als Händler mitzuwirken.

Fortan gehörte er zur ersten Generation von „Bares für Rares“-Händlern. An seiner Seite standen zu Beginn neben Fabian Kahl auch Susanne Steiger, Ludwig „Lucki“ Hofmaier und Walter „Waldi“ Lehnertz.

Ereignisreiche fünf Jahre sind es inzwischen für Pauritsch bei dem ZDF-Erfolgsformat geworden. Wie die anderen Beteiligten auch, kann der Österreicher jedoch nicht bei jeder Aufzeichnung in Köln mitwirken. Das verhindert neben seiner Tätigkeit als Auktionator auch sein auf antiken Schmuck spezialisiertes Geschäft in Oberstaufen im Allgäu, das er gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin führt.

Wolfgang Pauritsch verrät in seinem Buch „Der Auktionator“ auch seinen besten Fehlkauf bei „Bares für Rares“

Die oft gestellte Frage, was er nicht nur bei „Bares für Rares“ am liebsten ersteigere, beantwortet Pauritsch in seinem Buch natürlich auch: „Ich liebe russische Silberexponate. (…) Russische Stücke begeistern mich einfach wegen ihrer handwerklichen Perfektion immer wieder aufs Neue.“

Sein teuerster Kauf bei „Bares für Rares“? Ein Borgward-Cabrio für 35.000 Euro. Das seltene Fahrzeug verkaufte er unverzüglich zum selben Preis an einen Autoverkäufer in Bremen weiter.

Aber auch ein Fachmann ist vor Irrtümern nicht sicher. Weil die Händler einmal ein angebliches Gemälde, das den Königssee zeigte, nur oberflächlich prüften, entging allen, dass er sich nur um einen billigen, auf Leinwand aufgeklebten Druck handelte.

Fachmann Albert Maier hatte das bei der Expertise zwar erkannt, die Dame aber, die das Bild verkaufen wollte, dieses Wissen für sich behalten. Pauritsch erwarb das vermeintliche Gemälde für 250 Euro. „Mein bester Fehlkauf“ hängt heute in seinem Büro in Oberstaufen - darauf die Unterschriften von Horst Lichter und seinen vier Händler-Kollegen.

Der Verkäuferin fehlte also, was für Pauritsch im Umgang mit seinen Kunden für unabdingbar hält: Fairness. Was für ihn ebenfalls unvertretbar ist, ist das Schlechtreden von Konkurrenten. „Eine bösartige Angewohnheit, die nicht wenige Geschäftsleute leider immer wieder an den Tag legen“, so der Auktionator und Antikhändler, der dem Grundsatz folgt „Tue recht und scheue niemand“. Und am Ende seines Buches gesteht Pauritsch, nicht nur ein Gentleman alter Schule, sondern auch ein rundum glücklicher Mensch zu sein.

››Wolfgang Pauritsch: „Der Auktionator - Mein Leben zwischen Trödel, Kunst und Leidenschaft“ (Buch bei Amazon kaufen), Gütersloher Verlagshaus, 188 Seiten, 18 Euro (mz)