Mord mit der Makarow

Mord mit der Makarow: Spektakuläre Verbrechen aus DDR-Zeiten fürs TV rekonstruiert

Halle (Saale) - Ein Offizier der Staatssicherheit, der seine Frau ermordet und dafür die Todesstrafe erhält. Ein hoher Funktionär des Ministeriums für Volksbildung der DDR, der ein Doppelleben führt, das für ihn tödlich endet. Und eine an einem Autobahnparkplatz gefundene kopflose Frauenleiche, von der sich bald herausstellt, dass das Opfer aus West-Berlin stammt und ihr Mörder sie in der DDR abgelegt hat. Das sind drei spektakuläre Straftaten, die ZDFinfo am kommenden Donnerstag um 20.15 Uhr unter dem Titel „Tödliche Liebe“ in seiner Reihe „Mysteriöse Kriminalfälle der DDR“ ...

Von Kai Agthe

Ein Offizier der Staatssicherheit, der seine Frau ermordet und dafür die Todesstrafe erhält. Ein hoher Funktionär des Ministeriums für Volksbildung der DDR, der ein Doppelleben führt, das für ihn tödlich endet. Und eine an einem Autobahnparkplatz gefundene kopflose Frauenleiche, von der sich bald herausstellt, dass das Opfer aus West-Berlin stammt und ihr Mörder sie in der DDR abgelegt hat. Das sind drei spektakuläre Straftaten, die ZDFinfo am kommenden Donnerstag um 20.15 Uhr unter dem Titel „Tödliche Liebe“ in seiner Reihe „Mysteriöse Kriminalfälle der DDR“ rekonstruiert.

Wolfgang M., Stasi-Oberleutnant in der Hauptabteilung Personenschutz in Berlin, soll laut Totenschein am 29. September 1972 eines natürlichen Todes gestorben sein. Tatsächlich wurde er in der Zentralen Hinrichtungsstätte der DDR in Leipzig mit einem „unerwarteten Nahschuss“ hingerichtet. Zuvor war er vom Obersten Gericht der DDR wegen Mordes und Spionage zum Tode verurteilt worden.

Tod trotz Veto von Honecker

Der Offizier hatte zwar seine Frau mit Pistole und Beil brutal ermordet, sich aber während der Vernehmungen durch seine Stasi-Kollegen die Spionage nur ausgedacht - zu der er angeblich vom westdeutschen Bundesnachrichtendienst ebenso erpresst worden sei wie zum Mord an seiner Frau. Dennoch wurde die Lüge im Prozess gegen ihn verwendet. Ein Fakt erstaunt an dem Vorgang, der erst nach Wende öffentlich wurde: Das Urteil wurde vollstreckt, obwohl Staatschef Erich Honecker sein Veto gegen die Hinrichtung eingelegt hatte.

Herbert G. wiederum war Hauptabteilungsleiter beim Volksbildungsministerium, hatte Diplomatenstatus, der es ihm erlaubte, sich frei in Ost und West zu bewegen, und gehörte zum inneren Zirkel von Ministerin Margot Honecker. 1987 wurde er, der seine homosexuelle Neigungen nur heimlich auslebte, ermordet. Obwohl 4.000 Menschen überprüft und von 1.600 die Fingerabdrücke genommen wurden, kann der Täter - den die Ermittler damals in einer NVA-Kaserne bei Berlin vermuteten, in deren Nähe man das Auto von Herbert G. fand - erst 1995 gefasst werden.

In mindestens drei Fällen haben Mörder aus West-Berlin bis zum Mauerfall 1989 ihre Opfer in dem Glauben in der DDR abgelegt, die Ermittlungsbehörden in Ost und West würden nicht kooperieren und ihnen somit nicht auf die Schliche kommen.

Ost-West-Ermittlungen

Im Jahr 1975 zeigten Spuren am Fundort einer Toten, dass die an einem Parkplatz an der Transitautobahn Berlin-Marienborn abgelegte kopflose Frauenleiche aus West-Berlin stammen musste. Durch bilaterale Kripo-Zusammenarbeit konnte der West-Berliner Täter bald gefasst werden.

Über schwere Verbrechen wie diese wurde stets Stillschweigen bewahrt, da derartige Straftaten, so die Meinung der SED-Ideologen, dem Ansehen der DDR im In- wie Ausland nur schaden könnten. „Zwar wurden Morde im statistischen Jahrbuch der DDR aufgeführt - aber wer las das schon?“, sagt der ehemalige Staatsanwalt Wilmar Bohmeier in der 45-minütigen Dokumentation von Steffi Lischke.

ABV in der Altmark getötet

Seine Fortsetzung findet der Abend in einer weiteren Folge aus der Reihe. In „Kein Entkommen“ von Shirin Gill geht es etwa um einen Volkspolizisten in Seehausen (Altmark), der von Klaus J., „der einen unbändigen Hass auf den Abschnittsbevollmächtigten entwickelt hatte“, wie es

im Vernehmungsprotokoll hieß, 1972 mit zwei Schüssen aus dessen Dienstwaffe getötet wurde. Der Täter wurde wegen Mordes und Terror (dazu zählten nach DDR-Recht Taten, die die Bevölkerung verunsichern oder den Staat angreifen) zum Tode verurteilt und 1973 in Leipzig hingerichtet - wie Wolfgang M. im Jahr zuvor ebenfalls durch „unerwarteten Nahschuss“.

Möglich, dass auch jener Sowjet-Soldat dieses Ende fand, der 1972 aus einer Kaserne bei Jüterbog desertiert war und bei dem Versuch, Zivilkleidung und Nahrungsmittel zu stehlen, zwei Frauen erschossen hatte. Anfangs ermittelten Kripo, Stasi und Sowjets gemeinsam. Doch als der Täter gestellt war, blieben die DDR-Behörden bei dem weiteren Verfahren außen vor. (mz)

››„Mysteriöse Kriminalfälle der DDR“: „Tödliche Liebe“ und „Kein Entkommen“ am kommenden Donnerstag ab 20.15 Uhr bei ZDFinfo