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Neu im Kino „Ein Kuchen für den Präsidenten“ - intensiv und berührend

Ein einfacher Kuchen, eine skrupellose Regierung: Hasan Hadis Film über den Irak Anfang der 90er regt zum Nachdenken an und lässt einen kaum los.

Von Amira Rajab, dpa 05.02.2026, 07:00
Lamia (Baneen Ahmed Nayyef) mit Hahn Hindi in einer Szene des Films „Ein Kuchen für den Präsidenten“ (undatierte Filmszene).
Lamia (Baneen Ahmed Nayyef) mit Hahn Hindi in einer Szene des Films „Ein Kuchen für den Präsidenten“ (undatierte Filmszene). -/Vuelta Germany/dpa

Beirut/Bagdad - Es ist eine simple Aufgabe und doch scheint sie in den Wirren des Krieges im Irak der 1990er Jahre unlösbar: Die neunjährige Lamia soll einen Kuchen backen zu Ehren des Geburtstags des damaligen Machthabers Saddam Hussein. 

„Ein Kuchen für den Präsidenten“ ist einer der Filme, die leise beginnen und den Zuschauer am Ende mit einem Kloß im Hals zurücklassen. Hier geht es um weit mehr als nur um einen Kuchen für einen ruchlosen Diktator. 

Hasan Hadis Spielfilmdebüt zeigt auf berührende Weise, dass Sanktionen, wie so oft, nicht die Herrschenden und Verantwortlichen treffen, sondern viel mehr die schutzlose Bevölkerung. Ab 5. Februar ist der Film bundesweit in Kinos zu sehen.

Lamias verzweifelte Suche nach den Zutaten

Im Mittelpunkt des Films stehen Lamia und ihre Großmutter Bibi. In der Schule zieht die Neunjährige das „große Los“: Sie muss zu Ehren Saddam Husseins den Geburtstagskuchen für die örtliche Feier backen. Einer Pflicht, der sie sich nicht entziehen kann. Denn in Zeiten der repressiven Herrschaft Husseins hatten „die Wände Ohren“. Wer nicht auf Linie mit dem Präsidenten war, verschwand, wurde getötet oder schikaniert.

Die Suche nach den simplen Zutaten - Mehl, Zucker, Backpulver und Eier - nimmt in Zeiten harter Sanktionen existenzielle Dimensionen an für Lamia und ihre Oma. Sie sind unbezahlbar und fast nicht auffindbar. 

„Sanktionen sind keine harmlosen politischen Instrumente“, sagte Regisseur Hadi im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Sie sind ein gewaltsames Mittel, das eine ganze Nation terrorisieren kann.“

„Sanktionen treffen nie nur den Präsidenten“

Der Film zeigt auf ruhige Art, wie die Regierung Husseins die „Geburtstagsfeier“ des Diktators als zynische Machtdemonstration nutzt. Ein Kuchen, üblicherweise Symbol für Freude und Fülle, wird hier zum Instrument politischer Erpressung, das das Überleben einer Familie an den Rand der Existenz treibt.

„Ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass es in einer Diktatur nicht nur um Meinungsfreiheit geht, sondern auch um die Würde des Menschen, das Recht auf ein normales Leben“, sagte Regisseur Hadi. In einer Diktatur werde einem oft das Recht auf Normalität genommen, das Recht, seinen Alltag auf eine selbstbestimmte Weise zu gestalten. „Wenn man das nächste Mal in den Nachrichten liest, dass eine bestimmte Anzahl von Menschen oder ein bestimmtes Land mit Sanktionen belegt wird, sollte man daran denken: Es wird nie nur den Präsidenten treffen. Es wird nie nur seine Familie treffen.“

Für Oscarnominierung eingereicht

Der Film ist kein lautes Kriegsdrama. Er spielt zwischen dem irakischen Marschland, vollen Straßen und furchteinflößenden Behörden. Spannung wird durch die ständige Bedrohung der Armut, der Willkür und der Sanktionen erzeugt. 

Beeindruckend ist die junge Schauspielerin Banin Ahmad Najef, die Lamia spielt. Sie trägt den Film und die Realität der Menschen nah an den Zuschauer heran. „Ein Kuchen für den Präsidenten“ wurde vom Irak für eine Oscarnominierung in der Kategorie „Bester internationaler Film“ eingereicht, kam aber nicht in die Endrunde.