Ich bin ein Star, holt mich hier raus

Dschungelcamp Tag 1: Die Hälfte kennt (fast) keiner – hat aber Potenzial

Nach einem Jahr Pause ist es wieder soweit: RTL schickt ein Dutzend mehr oder weniger Prominente in den Dschungel. Wir haben uns den Auftakt angesehen. Kann IBES nach zuletzt mäßigen Staffeln wieder an die guten Zeiten anknüpfen?

Von Stephan Lohse 22.01.2022, 00:40
Der Dschungelcamp-Cast 2022.
Der Dschungelcamp-Cast 2022. Foto: RTL / Stefan Menne

Halle (Saale)/DUR – Einst war das Dschungelcamp das Hochamt des deutschen Trash-TV. Als Sarah Knappik (Sie erinnern sich? Die härteste Dschungelprüfung Ever! Ever! Ever!) 2010 ihre Mitcamper zur Weißglut trieb, holte die Show bis zu 50% Marktanteil. 2014 schalteten im Durchschnitt knapp 8 Millionen Zuschauer ein und freuten sich diebisch, die sichtlich demotivierte Tanja Schumann so lange wie möglich im Camp zu halten.

Doch in den vergangenen Jahren ließ „IBES“ nach. Die Kandidaten wurden immer professioneller und damit langweiliger. Das konnten auch die neun Rekord-Prüfungen der Topmodel-Heulsuse Gisele Oppermann nicht mehr rausreißen. Das Dschungelcamp wurde öder, zu viele Kandidaten waren einzig darauf bedacht, möglichst wenig anzuecken und ihre teils üppige Gage mit möglichst wenig Aufwand abzuarbeiten. Echter Zoff, echte Abgründe, daran mangelt es seit Jahren.

Und dieses Jahr? RTL hatte „dank“ Corona immerhin zwei Jahre Zeit, einen Cast zusammenzustellen, der mehr kann, als die übliche Tränen-Geschichte am Lagerfeuer zu erzählen und es sich dann in der Hängematte gemütlich zu machen.

Den ersten Rückschlag gab es schon vorab. Christin Okpara war zwar nur absoluten Trash-TV-Junkies ein Begriff, die jedoch schnalzten mit der Zunge, galt die junge Frau doch als aufbrausend – beste Dschungel-Unterhaltung? Leider nein, denn irgendwie dachte die 25-Jährige, dass weder TV-Macher noch Südafrikas Grenzschützer sich ihren Impfausweis mal genauer anschauen würden. Dann fiel auch noch Lucas Cordalis mit Corona aus (der aber womöglich noch nachrückt) – aber ok, hier ist sowieso nicht viel mehr als die tränenreiche Vater-Sohn-Geschichte am Lagerfeuer zu erwarten.

Damit schickt RTL dieses Jahr erst einmal elf Kandidaten in den neuerdings südafrikanischen Dschungel. Echte Promis sind auch in diesem Jahr Mangelware. Es überwiegen junge Menschen, die per Reality-TV zu Ruhm und Geld kommen wollen. Zudem reicht es inzwischen, früher mal echte Stars vor Fotografen abgeschirmt zu haben, um bei RTL als Star durchzugehen. Und trotzdem hat das Ganze Potenzial: Wie lange bleibt Harald Glööckler in seiner sehr eigenen Pompöös-Welt? Wie lange ertragen die anderen den „Humor“ von Peter Althoff? Wie anstrengend wird Anouschka Renzi und wie lange will das Publikum Tina Ruhland im Camp halten, die schon vorab preisgab, dass sie das Ganze natürlich wegen des Geldes mitmacht und nicht wie üblich „um sich etwas zu beweisen“ oder der Welt zu zeigen „wer man wirklich ist“.

All das werden die kommenden rund zwei Wochen zeigen. Abgesehen davon, dass die Liveshows mangels Zeitverschiebung nun vor Ort am späten Abend stattfinden und die Show-Helfer alle vorbildlich Maske tragen, ändert sich nicht viel. Das Camp sieht ähnlich aus und auch bei den Prüfungen bleibt sich RTL auf den ersten Blick treu und rotiert verlässlich zwischen Höhe, Tieren und Ekel.

Nach der (bei einigen Kandidaten wirklich nötigen) Vorstellung ging es in Folge eins los wie immer. Auf dem Weg ins Camp mussten die Kandidaten in zwei Gruppen geteilt sportliche Geschicklichkeitsprüfungen überstehen, bei der ersten echten Dschungelprüfung gibt es wenig später Tierauge, -Penis oder –Hoden zu essen. Erfahrene IBES-Zuschauer wissen, hier kann sich schon entscheiden, wer der kommenden Woche viel Sendezeit und Dates bei „Dr. Bob“ erhält.

Drumherum wird das Camp bezogen und die ersten Zickereien werden sichtbar. Es gibt Zoff um die Schlafgelegenheiten, Trubel um ein Handtuch, blankes Entsetzen um den Toilettendienst und Streit ums Essen. Und da zeigen einige Kandidaten bereits Egoismus und Gehässigkeit, was in den kommenden IBES-Tagen noch sehr spannend werden kann, spätestens dann, wenn Hunger, Schlafmangel und Langeweile ihren Tribut fordern. Ja, Potenzial für ein amüsantes Dschungelcamp ist da.

Bei der ersten Wahl zur Dschungelprüfung „gewann“ übrigens Anouschka Renzi. Was dann passiert, zeigt RTL am Samstagabend.