TV-Tipp

ARD-Krimi „Der Tod kommt nach Venedig“

Ein Restaurator stirbt in Venedig unter rätselhaften Umständen. Die Witwe des Opfers glaubt nicht an einen Unfall. Welche Rolle spielt ein verschwundenes Gemälde? Ein fesselnder Krimi im Ersten.

Von Ulrike Cordes, dpa Aktualisiert: 07.08.2022, 00:19
Anna (Alwara Höfels) und ihr Sohn geraten in Venedig in Lebensgefahr.
Anna (Alwara Höfels) und ihr Sohn geraten in Venedig in Lebensgefahr. Luca Baggio/ARD Degeto/Polyphon Pictures GmbH/epo-film/dpa

Berlin (dpa) – - Beim „Tatort“ aus Dresden ist Alwara Höfels jahrelang als Kommissarin den Tätern auf der Spur gewesen. Im ARD-Krimi „Der Tod kommt nach Venedig“ am Sonnabend um 20.15 Uhr ist die Schauspielerin nun als Ermittlerin wider Willen zu sehen. Und deren Nachforschungen führen in eine undurchsichtige Kunstszene.

Venedig ist natürlich einmalig schön – aber als Drehort für ein Fernsehteam schon eine Herausforderung, erinnert sich Höfels. Sie weiß, wovon sie spricht. „Das oft schwere Equipment muss ja mit Booten transportiert werden. Dabei ist man stets auch abhängig von den Wetterverhältnissen“, berichtet die 40-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur von den Dreharbeiten im vergangenen Herbst.

„Je nach Pegelstand konnten die Sachen dann entladen werden oder nicht. Manchmal musste umgedacht und ein Motiv von einem anderen Kanal aus angefahren werden. Und in teils kleinsten Wasserstraßen mussten sich die Boote auch noch mit anderen arrangieren.“ Das alles habe bei der Produktion richtig Geld gekostet, sagt Höfels.

Bei alledem ist in der Stadt an der Lagune sowie in Wien ein recht ungewöhnliches TV-Krimirätsel entstanden, das die Zuschauer zudem in die Welt der Kunst entführt. Höfels ist dabei Anna, eine in Wien arbeitende Physiotherapeutin und Mutter des 11-jährigen autistischen Paul (Filip Wyzinski). Unversehens muss sie nach Venedig fahren, denn dort hat man ihren Mann Lukas (Roman Binder, „Der Wien-Krimi“) tot gefunden, seine Leiche trieb in einem Kanal.

Lukas war ein angesehener Restaurator gewesen, zuletzt für ein Museum der Stadt mit Botticellis Gemälde „Bildnis einer Dame“ beschäftigt. Außerdem war er begnadet in der Nachbildung von Kunstwerken. Die Direktorin des Museums (Julia Stemberger, „Sisi“) bezichtigt den Toten nunmehr der Fälschung: Aus seinem Atelier habe Lukas nur eine täuschend echte Nachahmung an ihr Haus zurückgegeben. Doch wo steckt das kostbare Original aus der Renaissance?

Was Lukas' Tod im Wasser betrifft, geht der Polizist Santo (Rudy Ruggiero) von einem typischen Unfall eines betrunkenen Ausländers aus und schließt seine Akte. Paul hingegen beschuldigt die von Höfels melancholisch gespielte Anna, Schuld am Unfall des Vaters zu haben. Ihr Verhältnis hatte sich zuletzt schwierig gestaltet.

So beschließt die Witwe, der Lukas kurz vor seinem Ende noch eine rätselhafte Kunstpostkarte geschickt hat, die Untersuchung in eigene Hände zu nehmen. Um sie und ihren Sohn in der Lagunenstadt kümmern will sich derweil Rafael (Christopher Schärf, „Die Toten vom Bodensee“), ein smarter Galerist und bester Freund des Verstorbenen.

Der vom Krimi-Experten Johannes Grieser („Ein starkes Team“) nach dem Skript Stefan Wilds ruhig inszenierte Film, in dem die Heldin auch auf gackernde Hühner in der heruntergekommenen Wohnung ihres Mannes und auf den reichen Kunstsammler Herrn Lee (Hyun Wanner) in dessen Palazzo trifft, besticht durch seine Fülle an Finten sowie Insider-Details aus der Kunstszene. Obwohl ein Täter (allzu) früh den Verdacht auf sich zieht, bleiben die Gefühlslagen der Beteiligten bis zur Auflösung vielschichtig, von ihren Darstellern fein gezeichnet.

Doch wie hat Höfels, die 2019 und 2021 neben Dieter Hallervorden in dem Film und der Miniserie „Mein Freund, das Ekel“ Furore gemacht hat, die Stadt für sich persönlich wahrgenommen? „Es war tatsächlich mein jungfräuliches allererstes Mal in Venedig“, erzählt die Wahl-Berlinerin der dpa. „Ich bin fasziniert von dieser schwimmenden Stadt und frage mich immer noch, wie alles funktioniert. In Venedig kann man doch überall langgehen und ist immer wieder konfrontiert mit traumhaften Kulissen, Gassen und Plätzen.“ Trotz kaum freier Zeit habe sie doch ein wenig vom Alltag der Einwohner mitbekommen können. „Ich hatte im Studentenviertel eine kleine Wohnung und fand es spannend, da zu sein, wo viel Leben, auch junges Leben, passiert.“ Zum Glück sei die Stadt am Jahresende nicht überlaufen gewesen.