Musiktheater

Musiktheater: Theo Adam hat als Sänger alles erreicht

Dresden/dpa. - Familie statt Opernwelt: 70 Jahre hat er alles aus seiner Stimme herausgeholt und knapp 60 Jahre auf den Opernbühnen derWelt gestanden. Am 30. November 2006 beendete Kammersänger Theo Adam seine Karriere dort, wo sie am ersten Weihnachtsfeiertag 1949 begann - mit dem Eremit in Webers «Freischütz» in der Dresdner Semperoper. Mit 80 sei es genug, befand der Künstler damals. Seitdem bestimmen die eigenen Bedürfnisse den Alltag des Bassbaritons, der an diesem Montag (1. August) 85 Jahre alt wird. «Ich will mein Leben genießen an der Seite meiner Frau», hatte er diesen Schritt ...

Von Simona Block 31.07.2011, 17:26
Als Eremit im Freischütz nimmt Kammersänger Theo Adam am 30. November 2006 seinen Abschied von der Bühne. (FOTO: DPA)
Als Eremit im Freischütz nimmt Kammersänger Theo Adam am 30. November 2006 seinen Abschied von der Bühne. (FOTO: DPA) dpa-Zentralbild

Familie statt Opernwelt: 70 Jahre hat er alles aus seiner Stimme herausgeholt und knapp 60 Jahre auf den Opernbühnen derWelt gestanden. Am 30. November 2006 beendete Kammersänger Theo Adam seine Karriere dort, wo sie am ersten Weihnachtsfeiertag 1949 begann - mit dem Eremit in Webers «Freischütz» in der Dresdner Semperoper. Mit 80 sei es genug, befand der Künstler damals. Seitdem bestimmen die eigenen Bedürfnisse den Alltag des Bassbaritons, der an diesem Montag (1. August) 85 Jahre alt wird. «Ich will mein Leben genießen an der Seite meiner Frau», hatte er diesen Schritt begründet.

«Mein Mann ist Privatier», sagt Eleonore Adam. Er gibt deshalbkeine Interviews mehr und keine Informationen über sich. Gelegentlichbesucht das seit mehr als 60 Jahren verheiratete Ehepaar Adam dasTheater, Konzerte und Ausstellungen oder reist zu Festspielen undFestivals. Künstlerisch hat Adam alles erreicht, alle Rollen seinesFaches gesungen - bis auf den Philippe im Don Carlos (Verdi) aufItalienisch. Als die schönste unter den weit über 100 Partien, die ersang, bezeichnete er den Hans Sachs in Wagners Meistersingern. «Meineschönste Zeit war eindeutig Bayreuth», bekannte Adam vor fünf Jahren.

Der gebürtige Dresdner gehörte von 1937 an dem Kreuzchor an, waser als persönliches Glück bezeichnete. Nach dem Krieg arbeitete erals Neulehrer und studierte nebenher Gesang. 1949 debütierte Adam ander Staatsoper, von 1952 bis 1980 sang er regelmäßig bei denBayreuther Festspielen. Auch an der Met in New York und anderenberühmten Häusern wusste der Sachse, der auch Opern in Berlin undDresden inszenierte, sein Publikum zu begeistern.

Unter bekannten Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Karl Böhm,Herbert von Karajan und Franz Konwitschny entstanden mehr als 100Schallplatten mit Opernarien, Kantaten, Oratorien, Messen, Passionenund Liedern. Seit 1980 machte der schon in der DDR vielfachausgezeichnete Künstler auch als Schriftsteller auf sich aufmerksam.In den letzten Berufsjahren waren lange Reisen und Gastspiele nichtmehr seine Sache und er kam etwas zur Ruhe. Der in aller Weltgefeierte Star mit der warmen Stimme nahm immer häufiger eine Auszeitfür eine entspannte Lektüre auf der Gartenbank, lange Spaziergängemit seiner Frau in die Heide oder das Bücherschreiben.

Darüber hinaus engagierte er sich für die Musikfestspiele und alsJurymitglied bei Musikwettbewerben, ist zudem Mitglied derSächsischen Akademie der Künste. «Fleiß, Selbstkontrolle, Disziplinund vor allem mit den Füßen auf dem Boden bleiben», riet er immer denjungen Sängern. Fit hält sich der schlanke Künstler mit schlohweißemHaar noch immer mit Schwimmen - im eigenen Pool unter freiem Himmel.Auch eine Schar Enkel und Urenkel vertreibt aufkommende Langeweile.

«Ich kann sagen, dass ich immer sehr glücklich war», resümierteAdam zum beruflichen Erfolg und harmonischen Privatleben am noblenDresdner Elbhang. Die Landschaft hat einst Künstler, Dichter undGelehrte wie Friedrich Schiller, Richard Wagner, Christian Gottfriedund Karl Theodor Körner zu manchen Werken inspiriert. Sie ist Teilseines Lebenselixiers, das Adam einmal so beschrieb: «Ich habe immergesund gelebt, nie geraucht und war immer treu.»