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Königliche Porzellan-Manufaktur Königliche Porzellan-Manufaktur: Geliebte Prinzessin aus 88 Puzzlestücken

25.08.2003, 08:30
Wertvoller Tischschmuck - auf dem Service der KPM wird Gold poliert.(Foto: dpa)
Wertvoller Tischschmuck - auf dem Service der KPM wird Gold poliert.(Foto: dpa) Königliche Porzellan-Manufaktur

Berlin/dpa. - Die Adelsherrschaft ist in Deutschland abgeschafft, doch Luise von Preußen behauptet sich als Königin der Herzen. Besonders heiß brennt die Liebe in der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) am Charlottenburger Tor in Berlin. 68 Stunden muss Luise als Teil der berühmten Prinzessinnengruppe des Bildhauers Johann Gottfried Schadow bei 1400 Grad im Ofen verbringen. Aus 88 Puzzlestücken haben geübte Hände die 55 Zentimeter hohe Statue zuvor zusammengesetzt, eine Ikone des deutschen Klassizismus. Der Preis für den Aufwand: 16 400 Euro.

Lange nach dem Untergang des Hohenzollernreiches ist Preußen im Sortiment von KPM noch immer quicklebendig. Friedrich der Große kaufte sie im Jahr 1763 einem Unternehmer für 225 000 Reichstaler ab und gab ihr den Namen, unter dem sie nach einem profanen Intermezzo seit 1988 wieder firmiert. Zwischenzeitlich wurde das «königlich» durch ein «staatlich» ersetzt. Als Zeichen wählte Friedrich analog zu den Schwertern Meissens ein Element des Brandenburger Wappens: ein blaues Zepter, für die bemalten Stücke kam ein Reichsapfel dazu.

Die Rivalität zu Meissen stand am Beginn der KPM-Geschichte, und sie wirkt bis in die Gegenwart fort. Beide Unternehmen bewegen sich in den obersten Preisklassen, beide können aus einem immensen Fundus historischer Formen schöpfen. Doch es gibt Unterschiede: «Wir machen den größten Teil unseres Umsatzes mit weißer, unbemalter Ware, bei Meissen ist es umgekehrt», sagt KPM-Geschäftsführer Elmar Schmitz.

Experten erkennen das Weiß aus Berlin an seinem feinen bläulichen Stich, während der sächsische Konkurrent eher ins Gelbliche tendiert. Der Hauptunterschied betrifft jedoch den Stil: Meissens Spezialität ist der sächsische Barock, KPM ist für preußischen Klassizismus bekannt. Zwar hat die Manufaktur auch Rokoko-Formen im Sortiment, etwa die Reihen «Rocaille» und «Reliefzierat», auf deren Gestaltung der «Alte Fritz» persönlich Einfluss nahm. Doch der Verkaufsrenner von KPM ähnelt eher dem Brandenburger Tor als dem Schloss Sanssouci: Das Service «Kurland» prägen Symmetrie und Strenge.

Stolz verweist man bei KPM auf die Tatsache, dass die folgenden Plätze in der Service-Verkaufstatistik mit Porzellan aus völlig unterschiedlichen Epochen belegt werden. So wurde «Berlin» erst Ende der neunziger Jahre von dem Mailänder Designer Enzo Mari entworfen. Die Marke verharrt eben nicht im ewigen Gestern, so die Botschaft.

Doch der Himmel über Berlin ist nicht ungetrübt: Das heute der Investitionsbank Berlin gehörende Unternehmen drücken wirtschaftliche Sorgen. So musste bis Oktober Kurzarbeit beantragt werden. Immerhin wurden in den vergangenen Jahren wichtige Investitionen getätigt. Und die Sanierung des alten Fabrikgebäudes von 1871 macht die Tradition von KPM nun auch wieder räumlich erlebbar. Besucher können daran vermutlich ab Sommer kommenden Jahres teilhaben, wenn der Werksverkauf in einer historischen Ofenhalle eröffnet werden soll. Derzeit hat diese Funktion eine Verkaufsgalerie an der Straße des 17. Juni inne.

Im Herbst feiert das Unternehmen einen Geburtstag: 240 Jahre ist es am 19. September her, dass Friedrich II. die Kaufurkunde für das 1751 gegründete Unternehmen unterschrieb. Kunden sollen dazu mit «Jubiläumspreisen» in den Fachhandel gelockt werden. Verehrer von Königin Luise dürfen sich aber keine falschen Hoffnungen machen: Die Prinzessinnengruppe wird es wohl nie als Schnäppchen geben.

Informationen: KPM, Wegelystraße 1, 10623 Berlin (Tel.: 030/ 39 00 90, Fax: 030/391 90 34, Internet: http://www.kpm-berlin.de).