Klabusterbären aus Halle

Klabusterbären aus Halle: Ungebeugt in den vierten Frühling: Sie bleiben Punk treu

Halle (Saale) - Es dröhnt so schön, wenn sie am Anfang Tocotronic zitieren, verpackt in eine Melodie, die auch von den Beach Boys stammen könnte. Aber nein, das hier sind die Klabusterbären, Halles inzwischen wohl dienstälteste Punkband, auf ihrem neuen Album „Zuversicht und Kippen“, einem rabiaten Statement gegen den Zeitgeist, das Rock, Pop, Reggae und Punk mit leichter Hand ...

Von Steffen Könau 31.03.2017, 10:01

Es dröhnt so schön, wenn sie am Anfang Tocotronic zitieren, verpackt in eine Melodie, die auch von den Beach Boys stammen könnte. Aber nein, das hier sind die Klabusterbären, Halles inzwischen wohl dienstälteste Punkband, auf ihrem neuen Album „Zuversicht und Kippen“, einem rabiaten Statement gegen den Zeitgeist, das Rock, Pop, Reggae und Punk mit leichter Hand verbindet.

Dabei sollten die „Bären“, wie ihre Fans sie nennen, am Anfang nur ein Spaß sein. Gestartet als Jux während einer Hausbesetzung Mitte der 90er Jahre, fand die zu Beginn eher in Spaßpunk-Gefilden dilettierende Combo über fünf Alben zu einer ganz eigenen Stimme zwischen Toten Hosen, Slime und Abwärts. Die erklingt auf „Zuversicht und Kippen“ lauter den je: Die Gitarristen Helge Schmidt und Roy Hoffmann, Keyboarder Christoph Bauer, Bassist Sicki, Schlagzeuger Roman Ronneberg und Sänger Jan Westhusen fegen durch 13 Stücke, die selbstironisch und mit Zitaten gespickt sind, dennoch aber keinen Zweifel daran lassen, dass das fast alles ernstgemeint ist.

Punk in der Lesart der Klabusterbären ist keine Spaßmusik, die in drei Akkorden Bier, Pogo und Wut auf die Gesellschaft verhandeln. Dies hier sind „simple Songs für eine komplexe Welt“, wie es in einer Textzeile heißt, die sich nicht scheuen, schwere Themen wie die Flüchtlingsströme und die große Finanzkrise zu verhandeln.

Aber immer mit leichter Hand. Im Studio von Leif Luxus live eingespielt, zeigen die Klabusterbären gewachsene Souveränität an den Instrumenten. Statt einfach geradeaus zu spielen, flechten Drummer Roman Ronneberg und Bassmann Sicki immer wieder im Reggaestil betonte Takte ein. „Wir sind die Punks der Steinzeit“, heißt es dann augenzwinkernd und eine Orgel quengelt wie bei Bob Dylan.

Individualisten bei der Arbeit, ungewillt, sich irgendeiner Verwertungslogik zu unterwerfen. „Steh’ auf, wenn du dieses bist / steh’ auf, wenn du jenes bist / Ich bleib sitzen / Nein, ich singe nicht mit“, röhrt Westhusen von der tiefsitzenden Abneigung gegen Masse und Gleichschritt, die hier den Grundton gibt. Die selbsternannten „Meister ohne Regeln“ (Liedtitel) schöpfen 40 Jahre nach der Punk-Explosion aus der Unzufriedenheit mit den Verhältnissen, die schon den im Stück „Lauter“ besungenen The Clash Antrieb waren. Am Ende gipfelt das in zwei großen Hymnen: „Bitterfeld“ feiert atemlos alle Vorurteile über die Stadt im Nordosten von Halle. Und „Aber nicht unseren Namen“ beendet geschmeidig die Diskussion darum, wie lange es überhaupt cool ist, Punk zu spielen. So? Bis in alle Ewigkeit. (mz)

Record-Release-Party am 1. April ab 21 Uhr in der Palette Halle