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Popmusik Girl Power mit Klischees: Sabrina Carpenters neues Album

Mit „Espresso“ wurde sie zum Weltstar. Das jetzt veröffentlichte „Man's Best Friend“ ist aber schon Carpenters siebtes Album – und beweist einmal mehr, dass Girl Power auch eingängig sein kann.

Von Christian Fahrenbach, dpa 29.08.2025, 14:36
Sabrina Carpenter zählt zu den größten Shootingstars der vergangenen Jahre. (Archivfoto)
Sabrina Carpenter zählt zu den größten Shootingstars der vergangenen Jahre. (Archivfoto) Scott A Garfitt/Invision/dpa

New York -  Sabrina Carpenter hat es geschafft: Dank Megahits wie „Espresso“ und „Please Please Please“ zählt sie zu den größten Popstars der Welt. Ihren Ruf als unschuldiges Disney-Sternchen aus der Teenie-Serie „Das Leben und Riley“ hat sie lange hinter sich gelassen, stattdessen spielt die 26-Jährige nun geschickt mit einem neuen Image: Carpenter gibt die dralle Blondine, die an Hollywoods Glanzzeiten erinnert und die Aufmerksamkeit der Männer genießt, während sie den Frauen zuzwinkert: „Jungs sind so anstrengend, oder?“

Das Cover sorgt für Aufruhr

„Man's Best Friend“ heißt das Album - ein Spiel mit den Geschlechter-Stereotypen, denn wer oder was hier genau der beste Freund oder die beste Freundin des Mannes ist, bleibt offen. Für Aufsehen sorgte aber vor allem das im Juni veröffentlichte Cover. Carpenter kniet auf Händen und Füßen im schwarzen Minikleid, während die Hand eines kopflosen Männerkörpers im schwarzen Anzug an ihren blonden Haaren zerrt. Das Motiv könnte auch der Anfang einer Gewaltszene sein und es ist unklar, wie viel Ironie in dem Bild steckt – kein Wunder, dass schnell Kritik laut wurde, wonach Carpenter männliche Lustvorstellungen bediene und eben gerade nicht für die Ermächtigung von Frauen eintrete. 

Kurz darauf legte sie nach und veröffentlichte ein weiteres Motiv, das sie stehend im schicken Kostüm und am Arm eines Mannes hängend zeigt. Es sei ein „neues, alternatives Cover, gutgeheißen von Gott“, schrieb sie auf Instagram – und wieder war unklar, wie viel Koketterie und kalkulierter Skandal in der Aktion steckten.

Ironische Tracks mit vielen 70er-Anleihen

Auch musikalisch verbringt die Sängerin auf ihrem neuen Album viel Zeit mit diesem ironischen Zwinkern. Schon die erste Single-Auskopplung „Manchild“ hatte mit den typischen Carpenter-Klischees gespielt: Warum nur gerät sie immer an die falschen und unreifen Typen, fragt sie sich zwischen Trauer und „Mir doch egal“-Attitüde, begleitet von luftig-leichten Keyboard-Riffs und einem Video-Clip im knapp bekleideten Blondinen-Look der späten Siebziger à la Farrah Fawcett. 

Überhaupt sind die 70er Jahre ein wichtiger Bezug: Da klingt immer wieder der Disco-Sound von Abba und den Bee Gees durch.

Ohrwürmer mit charmanten Texten

Besonders virtuos wirkt die hauchende Stimme von Carpenter zwar noch immer nicht, aber die größten Stärken von „Man's Best Friend“ liegen ohnehin in der Melodieführung und den Texten. Der Ohrwurm-Faktor dieser extrem zugänglichen Melodien liegt noch höher als beim Vorgänger „Short n' Sweet“. 

Die Texte sind smart, witzig und von vielen Anspielungen durchsetzt. Carpenter hat dafür mit den Songwriters Jack Antonoff und Amy Allen gearbeitet, die auch schon für Taylor Swift, Lana Del Rey und Justin Bieber geschrieben haben.

Wer sich nach der Debatte um das Cover gefragt hat, ob Carpenter abdriftet, kann beruhigt sein. Auf „Man's Best Friend“ ist definitiv immer noch eine Frau zu hören, die 38 Minuten lang den Jungs zeigt, wo es langgeht – und die dabei eine Menge Spaß bringt.